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©!rina Görner |
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Die Reste der Burg Weißenstein liegen ca. 1 km nördlich des Stadtteils Marburg-Wehrda oberhalb des Lahntals. Ihr Name leitet sich von der Lage auf einer ausgebleichten, weißen Buntsandsteinkuppe her. Das Plateau ist im Süden und Osten durch natürliche Steilabfälle begrenzt, ein Zugang war nur von Norden her möglich. Vor den archäologischen Untersuchungen war die Burg oberirdisch nicht mehr zu sehen, da die Mauerreste dem Steinraub der Bevölkerung zum Opfer fielen.
Nach ersten Untersuchungen 1884/85 fanden weitere Ausgrabungen 1956/57, 1984/85 und 1987/88 statt. Während bei den Ausgrabung des letzten Jhds. nur die Mauerzüge freilegt wurden, konnten mit den jüngeren wissenschaftlichen Untersuchungen auch detailiertere Befunde festgestellt werden. Anhand des Fundmateriales und der Grabungsergebnisse konnten drei Bauphasen unterschieden werden, außerdem ist anhand der zahlreichen eisenzeitlichen Scherben auch eine vorgeschichtliche Nutzung des Platzes während der Früh- und Mittellatènezeit anzunehmen. Evtl. stammt auch ein Teil der Wälle bereits aus eisenzeitlichen Zusammenhängen. Die Anlage ist von einer Ringmauer umgeben, der nach Norden ein sechsfaches Wall-Graben-System vorgelagert war. Dabei bildeten die Gräben mit Tiefen von ca. 3 m und Breiten um die 3,5 m ebenso wie die inzwischen verflachten Wälle ein erhebliches Annäherungshindernis. Der Eingang in die Burganlage wird im Südosten vermutet, wo die Ringmauer einen deutlichen Vorsprung bildet. Mehrere Befunde bezeugen aber, daß auch schon vor Errichtung der Ringmauer, die eine Fläche von ca. 620 qm umschließt, bereits eine Besiedlung des Platzes stattgefunden hat.
Ein kleines, quadratisches Gebäude von ca. 6 m Seitenlänge im Norden der Anlage, das von der späteren Ringmauer und der Befestigung des Wohnturmes überlagert wird, ist das älteste Gebäude. Anhand der Fundmaterialien kann dieses Bauwerk in das 8./9. Jhd. datiert werden. Bereits der nächsten Bauphase zuzuweisen ist ein langrechteckiger Turm von 12x8,6 m, der nach Norden an drei Seiten von einer Schutzmauer umgeben ist. Reste von verkohlten Balkenlagen lassen auf hölzerne Zwischendecken des Turmes schließen. Nach dem Keramikmaterial wurde der Wohnturm im 10./11 Jhd. erbaut, er stellte zu dieser Zeit das einzige Wohngebäude der Burg dar. Bei einer weiteren Umbauphase wurde anstatt der Schutzmauer ein dreieckiger Mauerabschnitt an die Nordwestseite des Wohnturmes angesetzt und der Turm so zu einer fünfeckigen Anlage umgebaut. Auch diese Maßnahme ist in das 10.-11. Jhd. zu datieren. Der dreieckige Anbau findet sich an mehreren weiteren Burgen dieser Zeitstellung und war immer zur Erhöhung der Wehrhaftigkeit gegenüber der Hauptangriffsseite angelegt um den Geschossen besser Widerstand leisten zu können. Gleichzeitig mit dem Umbau zu einer fünfeckigen Turmanlage wurde die Umfassungsmauer errichtet und im Zuge des Neubaues auch zwei langrechteckige Wohngebäude direkt an die Mauer mit angebaut. Damit war der Turm zu einer reinen Verteidigungsanlage geworden, die Funktion als Wohnhaus übernahm jetzt das neugeschaffene Gebäude an der Ostseite der Ringmauer. Diese Bauphase kann aufgrund der Funde in das 11.-12. Jh. gestellt werden und ist damit eine der ältesten Anlagen, die einen fünfeckigen Turm aufweisen. Die gesamte Anlage ist durch einen Brand Ende 11.-Anfang 12. Jhd. zerstört worden, der sich durch Brandschichten und Feuereinwirkung auf das Mauerwerk feststellen ließ. Damit ergibt sich allerdings eine deutliche Abweichung von der historisch erwähnten Zerstörung der Burg, die durch Sophie von Brabant angeblich erst 1248 stattgefunden haben soll. |
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