[Anna Achmatova, Dezember 1911]

Anna Achmatova (1889 – 1966)

* * *

Mein Lächeln hat jetzt aufgehört,
Der Wind kühlt frostig mir den Mund,
Die eine Hoffnung ist zerstört,
Bald tut ein neues Lied sich kund.
Unwillentlich schenk ich dies Lied
Dem Hohn und Spott, dem schlechten Scherz,
Weil das Schweigen in der Liebe
Die Seele unerträglich schmerzt.

17. März 1915
Carkoe Selo


* * *

Sind frische Worte, einfaches Gefühl
Für uns nicht das, was für den Maler – Sehen,
Dem Schauspieler – die Stimme und Bewegung,
Der schönen Frau – ihr schönes Spiegelbild?

Doch hüte dich, das in dir zu verschließen,
Was überreich der Himmel dir geschenkt:
Wir sind verurteilt – wie wir selber wissen –
Nicht aufzuhäufen, sondern zu verschenken.

Geh hin, allein, und heile alle Blinden,
Damit du in der Zweifelsstunde siehst,
Wie deine Schüler schadenfroh sich winden
Und in der Menge keiner dich vermisst.

23. Juni 1915
Slepnego


* * *

Ich weiß, du bist meine Belohnung
Für harter Jahre Schmerz und Fron,
Dafür, dass ich mich irdschen Freuden
Nie habe hingeben gekonnt,
Dafür, dass jenen, die mich liebten,
Ich niemals sagte: »Liebster mein«,
Weil allen alles ich vergeben,
Dafür wirst du mein Engel sein.

28. April 1916
Carskoe Selo


* * *

Du bist verrückt! Soll dir gehorsam sein?
Gehorsam bin ich nur dem HERRN allein.
Ich mag nicht zittern, ängstliche Bedrängnis,
Der Mann ist mir ein Henker und sein Haus Gefängnis.

Sieh es doch ein! Ich kam von ganz allein;
Dezemberwinde heulten, durcheilten Feld und Rain,
Es war so warm und hell in deiner Enge,
Weil man vorm Fenster Finsternis verhängte.

So schlägt ans Fensterglas der Vogel immer wieder
Mit ganzem Körper, weil der Winter kalt und feucht,
Und Blut befleckt sein weißliches Gefieder.

Doch jetzt ist mir so ruhig und so leicht.
Leb wohl, mein stiller Freund, bin dir auf ewig gut
Für die Erlaubnis, dass die Fremde in deinem Haus geruht.

August 1921
Carkoe Selo


* * *

Mit denen bin ich nicht, die Erde überließen
Den Feinden zur Zerstückelung, zum Fraß.
Der Grobheit werd ich stets mein Ohr verschließen,
Kein Lied ich denen überlass.

Und der Verbannte? – Werd ihn stets bedauern,
Wie ist er eingeschlossen, kränkelt in der Not!
Dein dunkler Weg wird, Pilger, lange dauern,
Nach Wermut duftet fremdes Brot.

Doch hier, wo dichter Qualm und Feuerrauch
Den letzten Rest von Jugend uns erstickt,
Hier weichen wir nicht einem Schlage aus,
Und treten keinen einzgen Schritt zurück.

Wir wissen, dass von denen, die uns folgen,
Nicht eine Stunde Leids vergessen wird,
Denn auf der Welt ist niemand tränenloser,
Hochmütiger und einfacher als wir.

Juli 1922
Petersburg

Die Muse

Wenn ich des nachts auf ihren Eintritt warte,
Hängt mein Leben, scheint's, am seidnen Faden.
Was sind Ehren, Jugend, was ist Freiheit
Vor dem lieben Gast mit seinem Pfeifchen.

Und da ist sie. Schlägt zurück die Decke,
Schaut mich aufmerksam betrachtend an.
Und ich frag sie: »Gabst du Dante ein
Die Seiten des Infernos?« Antwort: »Ja.«

(März) 1924
Petersburg, Kazanskaja 2


Zum Gedenken an Sergej Esenin

So einfach kann man dieses Leben lassen,
Gedankenlos und schmerzfrei nur verglühn,
Für Russlands Dichter ist's nicht zugelassen,
In solchem schönen Tod sich zu verziehn.
Gewisser öffnet Blei die Seelenflügel
Und stößt die Himmelspforten ganz weit auf,
Und heisrer Schrecken, seine Tatzen übend,
Presst aus dem Herz, wie Schwämmen, 's Leben raus.

(25. Februar) 1925              (Nach dem 28. Dezember 1925)

Der letzte Toast

Ich trinke auf das Abbruchhaus,
Und auf mein schlimmes Leben,
Auf lange Einsamkeit zu zweit,
Ich trinke auch auf dich, –
Auf Lügenmünder, die betrogen,
Auf Sterbenskälte in den Augen,
Darauf, dass grausam, leer die Welt,
Darauf, dass Gott nicht half.

27. Juli 1934
Haus der Šeremetevs


* * *

Я улыбаться перестала,
Морозный ветер губы студит,
Одной надеждой меньше стало,
Одною песней больше будет.
И эту песню я невольно
Отдам на смех и поруганье,
Затем, что нестерпимо больно
Душе любовное молчанье.

17 марта 1915
Царское Село

* * *

Нам свежесть слов и чувства простоту
Терять не то ль, что живописцу – зренье
Или актеру – голос и движенье,
А женщине прекрасной – красоту?

Но не пытайся для себя хранить
Тебе дарованное небесами:
Осуждены – и это знаем сами –
Мы расточать, а не копить.

Иди один и исцеляй слепых,
Чтобы узнать в тяжелый час сомненья
Учеников злорадное глумленье
И равнодушие толпы.

23 июня 1915
Слепнево


* * *

Я знаю, ты моя награда
За годы боли и труда,
За то, что я земным отрадам
Не предавалась никогда,
За то, что я не говорила
Возлюбленному: «Ты любим»,
За то, что всем я все простила.
Ты будешь Ангелом моим.

28 апреля 1916
Царске Село


* * *

Тебе покорной? Ты сошел с ума!
Покорна я одной Господней воле.
Я не хочу ни трепета, ни боли,
Мне муж – палач, а дом его – тюрьма.

Но видишь ли! Ведь я пришла сама …
Декабрь рождался, ветры выли в поле,
И было так светло в твоей неволе,
А за окошком сторожила тьма.

Так птица о прозрачное стекло
Всем телом бьется в зимнее ненастье,
И кровь пятнает белое крыло.

Теперь во мне спокойствие и счастье.
Прощай, мой тихий, ты мне вечно мил
За то, что в дом свой странницу пустил.

Август 1921
Царское Село


* * *

Не с теми я, кто бросил землю
На растерзание врагам.
Их грубой лести я не внемлю,
Им песен я своих не дам.

Но вечно жалок мне изгнанник,
Как заключенный, как больной.
Темна твоя дорога, странник,
Полынью пахнет хлеб чужой.

А здесь, в глухом чаду пожара
Остаток юности губя,
Мы ни единого удара
Не отклонили от себя.

И знаем, что в оценке поздней
Оправдан будет каждый час …
Но в мире нет людей бесслезней,
Надменнее и проще нас.

Июль 1922
Петербург

Муза

Когда я ночью жду ее прихода,
Жизнь, кажется, висит на волоске.
Что почести, что юность, что свобода
Пред милой гостьей с дудочкой в руке.

И вот вошла. Откинув покрывало,
Внимательно взглянула на меня.
Ей говорю: «Ты ль Данту диктовала
Страницы Ада?» Отвечает: «Я».

(Март) 1924
Петербург, Казанская, 2


Памяти Сергея Есенина

Так просто можно жизнь покинуть эту,
Бездумно и безбольно догореть,
Но не дано Российскому поэту
Такою светлой смертью умереть.
Всего верней свинец душе крылатой
Небесные откроет рубежи,
Иль хриплый ужас лапою косматой
Из сердца, как из губки, выжмет жизнь.

(25 февраля) 1925                    (После 28 декабря 1925)


Последний тост

Я пью за разоренный дом,
За злую жизнь мою,
За одиночество вдвоем,
И за тебя я пью, –
За ложь меня предавших губ,
За мертвый холод глаз,
За то, что мир жесток и груб,
За то, что Бог не спас.

27 июля 1934
Шереметевский дом


Inhalt:  >>

Mein Lächeln hat jetzt aufgehört
Я улыбаться перестала
 
Sind frische Worte, einfaches Gefühl
Нам свежесть слов …
 
Ich weiß, du bist meine Belohnung
Я знаю, ты моя награда
 
Du bist verrückt! Soll dir gehorsam sein?
Тебе покорной? Ты сошел с ума!
 
Mit denen bin ich nicht, …
Не с теми я, кто бросил землю
 
Die Muse
Муза
 
Zum Gedenken an Sergej Esenin
Памяти Сергея Есенина
 
Der letzte Toast
Последний тост

>> [1] [2] [3] [4] [5] [6] <<

Anna Achmatova (2)