[Marina Cvetaeva]

Marina Cvetaeva (1892 – 1941)

Der Komödiant

1

Nicht Liebe, eine Wunde ist's!
Verlogner Kampf mit leichtem Degen.
Heut verbittert, morgen süß,
Heute tot – und morgen lebend.

Es tobt der Kampf. Es lachen beide:
Wie ist er klug – und sie versiert!
Wenn Held und Heldin trefflich streiten
Bin gleichermaßen ich verführt.

Den Hirtenstab als Schwert gezückt?
Tanzt man Gavotte – ist's ein Kampf?
Ein Schrittchen vorwärts – drei zurück,
Ein Schritt zurück – und drei voran.

Sein Honigmund, treu Augen leuchten,
Er zieht die Braue hoch, da, sieh!
Das ist nicht Liebe, das ist Täuschung,
Nicht Liebe – das ist Clownerie!

Im Ausgang der (in Klammern sag ich's –
Gar nicht vollzognen!) Sünden – mehrt
Sich wieder so ein leichter Stapel
Bezaubernder, verzückter Verse.

20. November 1918


Der Komödiant

2

Man schließt mit mir nicht Freundschaft, kann mich auch nicht lieben!
Ihr schönen Augen müsst euch in Vorsicht üben!

Schwimmen muss das Schiff, sich die Mühle drehen.
Bringst du dieses Herz, den Kreisel hier, zum Stehen?

Wer nur mit Heften bürgt – wird nicht zum Herrn erhoben!
Was soll denn dies Geseufze, wenn Komödianten toben?

Der Liebe Kreuz wiegt schwer – wir rühren es nicht an.
Das Gestern liegt im Grab – ein neuer Tag bricht an.

20. November 1918


Der Komödiant

3

Das reinste Küssen ist ihr zarter Mund …
– Das war's dann wohl, zur Neige ging der Rausch.
Wer bin ich jetzt? – Die Einzige? – Nein, 's Tausend!
Bin ich der Eroberer? – Nein, die Eroberung!

Ist das nun Liebe – Liebelei?
'ne Laune der Feder – als tiefster Grund
Die Sehnsucht nach Engelsgesängen – und
Aus Berufung – etwas Heuchelei …

– Der Seelenschmerz, in den Augen blitzt's,
Ein Schnörkel der Feder – ach! – mir ist nicht bange,
Wie Lippen heißen – mir gleich! – solange
Ihr zarter Mund das reinste Küssen ist!

Dezember 1918


Der Komödiant

4

Man langweilt sich nach dem Gelage.
Hoffe nicht – ich bleibe heiter!
Du bist ein Herr – und ich die Dame,
Doch Hauptsache, dass wir uns gleichen!

Täusche dich nicht! Dir wird doch klar
Am kalten Frosch, den im Hals du gefangen,
Dass ich für deine Lippen nur war
Der Schaum von den Hügeln der Champagne!

Goldene gibt es, Gelage.
Und meins zeigt in goldener Klarheit:
Wo Liebe gelogen, enthält ihr Champagner –
Keinerlei Sirup von Liebeswahrheit!


* * *

Du wirst es nicht schaffen, mich zu verjagen:
Den Frühling zu bannen, hat keiner geschafft!
Mich anzufassen, wirst du nicht wagen:
Viel zu zärtlich sing ich im Schlaf!

Du schaffst es auch nicht, mich in Worte zu fassen:
Mein Name ist Wasser den Lippen – und aus!
Du wirst es nicht schaffen, mich zu verlassen:
Die Tür ist geöffnet – und leer ist dein Haus!

Juli 1919


Irdische Vorzeichen (8)

Schluchzend fließt die Lethe blind
– Schuldig – doch vergeben: rinn
Lethisch, – doch nur lebend kaum
Flüsternder silbern zerfließender Baum.

Lethischer silberverplätschernder Ruf
Weinender … In der blindfließenden Gruft
Quälendes, was als Erinnerung plagt:
Silberne Weiden lethisch beklagt.

Mantel an – silbern ergraut der Stoff,
Ältlich mit trockenem Efeu gestopft.
Lege dich – Qualen geschultert – Mach
Weihrauch in lethisch erblindeter Nacht.

Schlafmohn! …
                    – Denn die Farbe Rot
Altert – Grau dem Purpur droht.
Sinnend – wenn's getrunken ist,
Trockenheit weiter fließt.

Leblosigkeit: wenn die Ader reißt,
Geizen sie, junge Sibylle weiß
Blindheiten, taubem Kopf als Gruß
Grau wie das Blei: der Schuss.

31. Juli 1920


Dem Fremden

Dein Banner ist nicht meines! Uns
Trennt himmelweit der Glaube.
Denn es verlässt im Drachenschlund
Der Geist mich nicht – die Taube.

Kein roter Reigentanz mit mir,
Um keinen Maibaum spring ich,
Hoch über jeder Erdentür
Steht meine Pforte – himmlisch.

Dein Siegen ist nicht meines! Denn
Mir träumten andre Siege.
Uns trennt mehr als ein Kontinent,
Wir andre Sterne lieben!

Obwohl von einem andern Stern,
Bleib ich mit dir bekannt.
Ich überquer die Brücke gern
Und reich dir stolz die Hand.

Viel dringlicher als jeden Schatz,
Lockt's mich, Ikonen anzusehn.
Hör zu: es gibt da ein Gesetz,
Dem die Gesetze unterstehn.

Vor ihm verblasst der Brilliant,
Das Messer lässt die Kehle,
Gesetz der ausgestreckten Hand,
Der weit gespannten Seele.

Es richtet uns, – so wisse dies, –
Nach einem Maß. Vom Staube
Erhebt es uns ins Paradies,
An das ich einzig glaube.

Moskau,
28. November 1920


* * *

Ich weiß, ich sterbe bei Dämmerung! Bei welcher von beiden?
Mit welcher von beiden? – Das ist vorherbestimmt nicht zu entscheiden!
Ach, könnt ich das Sterben gleich zweimal erleiden!
Mit Morgen- und mit Abendrot das Löschen der Fackel zu teilen!

Den Erdkreis habe ich tanzend durchschritten! – Tochter des Lichts!
Die Schürze mit Rosen gefüllt! – Kein Spross ist zerdrückt!
Ich weiß, ich sterbe bei Dämmerung! Keinen Habicht der Nacht
Hat Gott meiner Seele aus Schwänen zu schicken!

Das Kreuz, das ungeküsste, ich weise es zärtlich zurück,
Doch stürz ich zum Himmel, den letzten Gruß auszurichten.
Der Spalt in der Dämmerung antwortet lächelnd als Riss.
– Im Todesseufzer bleib ich zuletzt noch – ein Dichter.

Dezember 1920

Hamlets Dialog mit dem Gewissen

»Am Grund liegt sie, im Schlamm jetzt,
Bei Algen …           Ist schlafen
gegangen, – als fänd man dort Schlaf!«
»Ich liebte sie stets,
Wie zigtausend Brüder
Die Liebe nicht fühlen!«
                                        »Hamlet!

Am Grund liegt sie, im Schlamm:
Schlamm! … Wo ihr Kranz, der gezauste,
Durchs Treibholz ans Ufer schwamm …«
»Ich liebte sie stets
Wie vierzig Tausend …«
                                        »Weniger,
als jeder liebende Mann.

Am Grund schläft sie, wo Schlamm liegt.«
»Ich aber hab sie …
              (verlegenes Stammeln
                                                   »… geliebt??«

5. Juni 1923


Dem Leben

1

Mein Wangenrot wirst du nicht stehlen –
Es ist zu stark – ein reißender Fluss!
Nie werd' ich mich dir, dem Jäger, ergeben,
Du bist die Jagd, doch ich bin die Flucht.

Fängst nicht meine Seele lebend!
So im Galopp, aus vollem Lauf
Beißt ein Pferd, das stürzte, lieber
Sich die Halsschlagader auf

Als Vollblutaraber.

25. Dezember 1924


Dem Leben

2

Fängst nicht meine Seele lebend,
Dies Gefieder setzt sich nicht.
Leben, reimst dich oft auf: Lügen, –
Sängers Ohr erkennt den Schlich!

Nein, kein Trick von alten Vetteln!
Zum fremden Ufer lass mich ziehn!
Leben, saugst dich voll mit Fetten,
Fettes Leben, drückst mich tief.

Grausam plagt die Fesselknochen
Rostfraß aus dem Ringelschloss!
Lebens Schneide: auf dir offen
Tanzt,
          die auf das Messer hofft!

28. Dezember 1924


Комедьянт

1

Не любовь, а лихорадка!
Легкий бой лукав и лжив.
Нынче тошно, завтра сладко,
Нынче помер, завтра жив.

Бой кипит. Смешно обоим:
Как умен – и как умна!
Героиней и героем
Я равно обольщена.

Жезл пастуший – или шпага?
Зритель, бой – или гавот?
Шаг вперед – назад три шага,
Шаг назад – и три вперед.

Рот как мед, в очах доверье,
Но уже взлетает бровь.
Не любовь, а лицемерье,
Лицедейство – не любовь!

И итогом этих (в скобках –
Несодеянных!) грехов –
Будет легонькая стопка
Восхитительных стихов.

20 ноября 1918


Комедьянт

2

Дружить со мной нельзя, любить меня – не можно!
Прекрасные глаза, глядите осторожно!

Баркасу должно плыть, а мельнице – вертеться.
Тебе ль остановить кружащееся сердце?

Порукою тетрадь – не выйдешь господином!
Пристало ли вздыхать над действом комедийным?

Любовный крест прошел – и мы его не тронем.
Вчерашний день прошел – и мы его схороним.

20 ноября 1918

Комедьянт

3

Ваш нежный рот – сплошное целованье …
– И это всё, и я совсем как нищий.
Кто я теперь? – Единая? – Нет, тыща!
Завоеватель? – Нет, завоеванье!

Любовь ли это – или любованье,
Пера причуда – иль первопричина,
Томленье ли по ангельскому чину –
Иль чуточку притворства – по призванью …

– Души печаль, очей очарованье,
Пера ли росчерк – ах! – не всё равно ли,
Как назовут сие уста – доколе
Ваш нежный рот – сплошное целованье!

Декабрь 1918

Комедьянт

4

Скучают после кутежа.
А я как веселюсь – не чаешь!
Ты господин, я – госпожа,
А главное – как ты, такая ж!

Не обманись! Ты знаешь сам
По злому холодку в гортани,
Что я была твоим устам –
Лишь пеною с холмов Шампани!

Есть золотые кутежи.
И этот мой кутеж оправдан:
Шампанское любовной лжи –
Без патоки любовной правды!


* * *

Ты меня никогда не прогонишь:
Не отталкивают весну!
Ты меня и перстом не тронешь:
Слишком нежно пою ко сну!

Ты меня никогда не ославишь:
Мое имя – вода для уст!
Ты меня никогда не оставишь:
Дверь открыта, и дом твой – пуст!

Июль 1919


Земные приметы (8)

Леты слепотекущий всхлип.
Долг твой тебе отпущен: слит
С Летою, – еле-еле жив
В лепете сребротекущих ив.

Ивовый сребролетейский плеск
Плачущий … В слепотекущий склеп
Памятей – перетомилась! – спрячь
В ивовый сребролетейский плач.

На плечи – сребро-седым плащом
Старческим, сребро-сухим плющом
На плечи – перетомилась! – ляг,
Ладанный, слеполетейский мрак.

Маковый …
                      – ибо красный цвет
Старится, ибо пурпур – сед
В памяти, ибо, выпив всю –
Сухостями теку.

Тусклостями: ущербленных жил
Скупостями, молодых сивилл
Слепостями, головных истом
Седостями: свинцом.

31 июль 1920


Чужому

Твои знамена – не мои!
Врозь наши головы.
Не изменить в тисках Змеи
Мне Духу – Голубю.

Не ринусь в красный хоровод
Вкруг древа майского.
Превыше всех земных ворот –
Врата мне – райские.

Твои победы – не мои!
Иные грезились!
Мы не на двух концах земли –
На двух созвездиях!

Ревнители двух разных звезд –
Так что же делаю –
Я, перекидывая мост
Рукою смелою?!

Есть у меня моих икон
Ценней – сокровище.
Послушай: есть другой закон,
Законы – кроющий.

Пред ним – все клонятся клинки,
Все меркнут – яхонты.
Закон протянутой руки,
Души распахнутой.

И будем мы судимы – знай –
Одною мерою.
И будет нам обоим – Рай,
В которой – верую.

Москва,
28 ноября 1920


* * *

Знаю, умру на заре! На которой из двух,
Вместе с которой из двух – не решить по заказу!
Ах, если б можно, чтоб дважды мой факел потух!
Чтоб на вечерней заре и на утренней сразу!
 
Пляшущим шагом прошла по земле! – Неба дочь!
С полным передником роз! – Ни ростка не наруша!
Знаю, умру на заре! – Ястребиную ночь
Бог не пошлет по мою лебединую душу!
 
Нежной рукой отведя нецелованный крест,
В щедрое небо рванусь за последним приветом.
Прорезь зари – и ответной улыбки прорез …
– Я и в предсмертной икоте останусь поэтом!

Декабрь 1920

Диалог Гамлета с совестью

– На дне она, где ил
И водоросли … Спать в них
Ушла, – но сна и там нет!
– Но я ее любил,
Как сорок тысяч братьев
Любить не могут!
                               – Гамлет!

На дне она, где ил:
Ил!.. И последний венчик
Всплыл на приречных бревнах …
– Но я ее любил
Как сорок тысяч …
                               – Меньше,
Все ж, чем один любовник.

На дне она, где ил.
– Но я ее –
                 (недоуменно)
                                   – любил??

5 июня 1923


Жизни

1

Не возьмешь моего румянца –
Сильного – как разливы рек!
Ты охотник, но я не дамся,
Ты погоня, но я есмь бег.

Не возьмешь мою душу живу!
Так, на полном скаку погон –
Пригибаюшийся – и жилу
Перекусывающий конь

Аравийский.

25 декабря 1924

Жизни

2

Не возьмешь мою душу живу,
Не дающуюся, как пух.
Жизнь, ты часто руфмуешь с: лживо, –
Безошибочен певчий слух!

Не задумана старожилом!
Отпусти к берегам чужим!
Жизнь, ты явно руфмуешь с жиром.
Жизнь: держи его! жизнь: нажим.

Жестоки у ножных костяшек
Кольца, к кость проникает ржа!
Жизнь: ножи, на которых пляшет
Любящая.
                    – Заждалась ножа!

28 декабря 1924


Inhalt:  >>

Der Komödiant
1. Nicht Liebe, eine Wunde ist's
1. Не любовь, а лихорадка
2. Man schließt mit mir nicht Freunschaft
2. Дружить со мной нельзя, …
3. Das reinste Küssen ist ihr zarter Mund
3. Ваш нежный рот – сплошное …
4. Man langweilt sich nach dem Gelage
4. Скучают после кутежа
 
Du wirst es nicht schaffen, …
Ты меня никогда не прогонишь
 
Irdische Vorzeichen (8)
Земные приметы (8)
 
Dem Fremden
Чужому
 
Ich weiß, ich sterbe bei Dämmerung!
Знаю, умру на заре!
 
Hamlets Dialog mit dem Gewissen
Диалог Гамлета с совестью
 
Dem Leben
1. Mein Wangenrot wirst du nicht stehlen
1. Не возьмешь моего румянца
2. Fängst nicht meine Seele lebend
2. Не возьмешь мою душу живу

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