Marina Cvetaeva (1892 – 1941)

* * *

           Für Boris Pasternak

Die Ent – fernung: Werste, Meilen …
Auseinander – gesetzt, auseinander – gestellt,
Dass sich still verhalten beide
An zwei verschiedenen Enden der Welt.

Die Ent – fernung: Werste, Weiten …
Unsere Klebung, die Lötung – zertrennt,
Zwei Arme weit zum Kreuz gespreitet.
Sie wussten nicht, dass dies nicht hemmt

Den Strom von Geist und Sehnenzügen …
Nicht zerstritten – nur verstreut;
Graben hüben …
                           Mauer drüben,
Zersiedelt – wir, doch ungebeugt

Orlov-Verschwörer: Werste, Weiten …
Nicht zerteilt – doch aufgeteilt.
Ins Heim gesteckt, wie arme Waisen
Übers Erdenrund verteilt.

Was ist nun? März?! Wie lang noch warten
Als aus – ge – teil – ter Stapel Karten!

24. März 1925


* * *

Bruder karger Liedertafel –
Wie ich dich beneide grade.
Mög sich's so erfüllen immer
– Zu krepiern im Einzelzimmer! –
Wie alt ich bin? Einhundert Jahr?
Jeden Tag mein Traum das war.
                   _____

Kein Bedauern: wenig lebt' er,
Keine Trauer: wenig gab er.
Viel nur lebt – in unsern Tagen:
Wer in Liedern alles gab.
Leben (klar ist das nicht neuer
Als der Tod!) trotz Lebensadern.
Und zu irgendwas geeignet –
Haken aus der Decke ragen.

Anfang Januar 1926


Gespräch mit dem Genius

Ein Fels ist der Stirn
Der Lorbeer des Lobs.
»Kann singen nicht mehr!«
– »Sing!« – »Ich verlor

(Wenn ich auch Grützmehl
Fressen muss!)
Wie Muttermilch –
Den Klang aus der Brust.

Leer. Ausgedörrt.
Ein Dürregefühl
Mitten im Frühling.«
– »Wie oft schon gehört!

Das alte Lied!«
»Dann lieber versetzt
In den Steinbruch, wie'n Dieb!«
– »Sing, grade jetzt!«

»Was bin ich, ein Dompfaff,
Der tag-täglich singt?«
– »Auch wenn du's nicht schaffst,
Vögelchen, sing

Den Feinden zum Trotz!«
»Kein Vers, der sich lohnt,
Den weiteren lockt.«
– »Wer hätt's je – gekonnt?!«

»Folter!« – »Erträgst es!«
»Die Kehle ist rau
Wie'n Acker!« – »Dann krächze:
Ist auch – ein Laut!«

»Der Löwen, aber nicht Sache
Der Fraun.« – »Zuletzt
Kinder schaffen's –
Sang Orpheus zerfetzt!«

»Im Sarg dann nicht mehr?«
– »Auch als Würmerfrass.«
»Kann singen nicht mehr!«
– »Dann besing das

4. Juni 1928
Meudon


Land

Mit Laternen spart nicht
Unterm Mond zu schaun!
Dies Land auf einer Karte? –
Nein! auch nicht im Raum.

Wie im leeren Tässchen
Glänzt der Grund und blitzt.
Kann man nach dem Abriss
In sein Haus zurück?

Lass dich neu gebären
In ein neues Land.
Spring einfach aufs Pferdchen,
Das dich kurzerhand

Abgeworfen! Knochen
Sind doch heil – und nun?
Einem Gast, 'nem solchen
Gibt der Bäcker nur

Krümel, und der Tischler
Keinen Sarg ihm reicht!
Dieses – so unendlich
Weite Himmelreich,

Dieses, wo auf Münzen
Meine Jugend währt,
Dieses Russland gibt es

– Wie auch mich – nicht mehr.

Ende Juni 1931


Der Dichter und der Zar

1

Im überirdischen
Saal hoher Zarn:
»Und wen stellt der unwirsche
Marmormann dar?«

Mit goldenem Umhang
Thront er so stumm.
»Kleiner Gendarm
Des Puschkin'schen Ruhms.«

Den Autor begeifernd
Strich er Manuskripte;
Als grausamer Fleischer
Er Polen zerstückte.

Schau nur genauer!
Niemals vergiss:
Der Mörder des Dichters,
Zar Nikolaj ist's,
Der Erste.

12. Juli 1931


Der Dichter und der Zar

2

Und laut schlug die Trommel des Corpsgeists verhetzt,
Als wir den Führer beerdigt:
Die zarischen Zähne hat jener gefletscht,
Dem Sänger, dem Toten, zur Ehre.

Bei solch einer Ehre bleibt nicht einmal Platz
Für Freunde. Die Bettpfosten schützen
Von links und von rechts – die Hand an der Naht –
Gendarmenvisagen und -brüste.

Wie wunderbar – noch auf dem Lager, ganz leis,
Ein Kindlein zu sein, wohl behütet!
Und wie er – und wie er – ihm Achtung erweist,
Geziemende Achtung und Güte!

Land, schau nur genau, wie er Dichter verehrt,
Der Kaiser; und du hast gezweifelt?
Er achtet und achtet und achtet und er
Achtet ihn noch bis – zum Teufel!

Und wer wird hier wohl wie ein Gauner verscharrt,
Wer ist es, der hier solchen Schluss fand?
Ein erschossener Hund? Nein! Vom Hof wird gekarrt
Der klügste Mann von ganz Russland.

19. Juli 1931
Meudon


Der Tisch

1

Mein treuer Tisch, an dem ich schrieb!
Hab Dank, dass du stets bei mir bliebst,
Bist jeden Weg mit mir gegangen
Und hast mich bewahrt wie 'ne Schramme.

Mein Muli fürs Schreiben, du hast,
Hab Dank, getragen die Last
Der Träume und knicktest nicht ein
Und trugst – dafür Dank dir allein.

Du strengster der Spiegel im Land!
Auch dafür sei dir gedankt,
(Du Schwelle zur lockenden Welt)
Dass Freuden du Einlass gewährt,

Gemeinheit von mir abgewehrt!
Du eichenes Gegengewicht
Dem Hasslöwen, den Elefanten
Der Kränkung – und allem verwandten.

Mein Sterbebrett durch's ganze Leben!
Hab Dank für dein Wachstum und Streben
Mit mir, dass den Anforderungen
Du Weite und Platz stets gefunden,

Dich weitend in unserm Bund,
Dermaßen, dass offenen Munds
Ich häufig zur Tischkante griff …
– Mein Fels in der Brandung, mein Riff!

An dich genagelt schon früh –
Ich danke dir für deine Müh
Mir zu folgen! Du warst immer da,
Wenn ich fliehen gewollt – wie der Schah

Bei der Flüchtigen.
                                 – »Setz dich, zurück!«
Hab Dank, dass du mich bedrückt
Und gebeugt. Vor zu kurzem Glück
Du mich – wie ein Zaubrer – beschützt

Beim Schlafwandeln.
                                     Narben des Kampfs
Sind auf dir zu Zeilen entflammt,
Es brannte das Purpur des Bluts
Als das, was ich schrieb, du ertrugst!

Du Säule des Heiligen, Maulsperre du –
Du warst für mich Thron, mein Ausguck dazu –
Du warst für mich, wie der jüdischen Menge,
Die Feuersäule in der Bedrängnis!

So sei auch gerühmt –
Die Stirn, Elle, Knie
Prüfte – deine Kante, die Säge,
Die tief in die Brust – Landstriche prägte!

Juli 1933


* * *

Pulsadern offen: unaufhaltsam,
Unwiederbringlich sprudelt das Leben,
Teller stellt unter, Schüsseln, Tassen!
Jeglicher Teller: nur ein Gefäßchen,
Selbst Schüsseln: zu eben.
          Über den Rand – in die Ebene –
In schwarze Erde, Schilf zu nähren.
Unumkehrbar, unaufhaltsam,
Unwiederbringlich sprudelt der Vers.

6. Januar 1934

Der Garten

Mir Höllenbraten,
Mir Fiebertraumfalter
Her einen Garten
Fürs hohe Alter.

Fürs hohe Alter
In Armut – als Bahre:
Für Jahre der Arbeit,
Gebeugte Jahre …

Für die hündischen Jahre
Einen Schatz, um zu graben:
Den hitzigen Jahren –
Erfrischend – den Garten …

Dem Flüchtling gebt
Einen Garten – für mich:
Wo sonst keiner lebt,
Keine Seele sonst spricht!

Garten: kein Schrittchen!
Garten: kein Blickchen!
Garten: kein Lachen!
Garten: kein Pfeifen!

Hör nicht auf Gerüchte!
Einen Garten herbei:
Ohne schlechte Gerüche.
Keine Seele dabei!

Sag – genug der Qual'n – hinaus
In dies einsame Gartenhaus.
(Doch pflanz dich selbst nicht nebenhin!)
Ein Garten, so einsam, wie ich es bin.

Im hohen Alter mit Rosen bestellt …
Im Garten? Vielleicht auch – in jener Welt? –
Fürs hohe Alter – her damit! –
Damit die Seele dort entflieht.

1. Oktober 1934


* * *

Wir sind nicht weggefahren – du und ich –
Die Meere verebbten durch Spalt und Riss.
Wir könnten 'nen Fünfer zusammenschmeißen –
Den Ozean – Nein! – können wir uns nicht leisten.

Der Armut all-ewiges Wasser und Brot!
Vertrocknete Rinden der Sommer uns bot!
Das Meer zur Sandbank verebbte:
Unser Sommer – andern gut schmeckte!

Die sich durch's Fett schaufeln: Fett ist ihr »Stoff«,
Sie leben gebuttert – mit Hirn vollgestopft,
Dem unsern – in Versen, Sonaten, Breviern:
Die Menschenfresser in Haute Couture!

Dass sie uns naschen: Eintritt? Ein Franc.
Du, Missgeburt, spülst, wie mit Eau de Cologne,
Dein Mäulchen ein bisschen – mit Liedern, unsterblich!
Verflucht seid ihr – für meine kärgliche

Scham: die Hand euch zu geben, obwohl es mich juckt
In allen fünf Fingern – anstatt dieses Drucks
– Zur Mahnung an Puschkins erhabne Visionen –
Meine Handschrift sogleich ins Gesicht euch zu donnern!

1932 – Sommer 1935
Vauvert


* * *

            Б. Пастернаку

Рас – стояние: версты, мили …
Нас рас – ставили, рас – садили,
Чтобы тихо себя вели,
По двум разным концам земли.

Рас – стояние: версты, дали …
Нас расклеили, распаяли,
В две руки развели, распяв,
И не знали, что это – сплав

Вдохновений и сухожилий …
Не рассорили – рассорили,
Расслоили …
                        Стена да ров.
Расселили нас как орлов-

Заговорщиков: версты, дали …
Не расстроили – растеряли.
По трущобам земных широт
Рассовали нас, как сирот.

Который уж – ну который – март?!
Разбили нас – как колоду карт!

24 марта 1925


* * *

Брат по песенной беде –
Я завидую тебе.
Пусть хоть так она исполнится
– Помереть в отдельной комнате! –
Скольких лет моих? лет ста?
Каждодневная мечта.
                   _____

И не жалость: мало жил,
И не горечь: мало дал.
Много жил – кто в наши жил
Дни: всё дал, – кто песню дал.
Жить (конечно не новей
Смерти!) жилам вопреки.
Для чего-нибудь да есть –
Потолочные крюки.

Начало января 1926


Разговор с гением

Глыбами – лбу
Лавры похвал.
«Петь не могу!»
– «Будешь!» – «Пропал,

(На толокно
Переводи!)
Как молоко –
Звук из груди.

Пусто. Суха.
В полную веснь –
Чувство сука».
– «Старая песнь!

Брось, не морочь!»
«Лучше мне впредь –
Камень толочь!»
– «Тут-то и петь!»

«Что я, снегирь,
Чтоб день- деньской
Петь?»
              – «Не моги,
Пташка, а пой!

Не зло врагу!»
«Коли двух строк
Свесть не могу?»
– «Кто когда – мог?!» –

«Пытка!» – «Терпи!»
«Скошенный луг –
Глотка!» – «Хрипи:
Тоже ведь – звук!»

«Львов, а не жен
Дело». – «Детей :
Растропошен –
Пел же – Орфей!»

«Так и в гробу?»
– «И под доской».
«Петь не могу!»
– «Это воспой!»

Медон, 4 июня 1928


Страна

С фонарем обшарьте
Весь подлунный свет!
Той страны на карте –
Нет, в пространстве – нет.

Выпита как с блюдца, –
Донышко блестит.
Можно ли вернуться
В дом, который – срыт?

Заново родися –
В новую страну!
Ну-ка, воротися
На спину коню

Сбросившему! Кости
Целы-то – хотя?
Эдакому гостю
Булочник – ломтя

Ломаного, плотник –
Гроба не продаст!
Той ее – несчетных
Верст, небесных царств,

Той, где на монетах –
Молодость моя,
Той России – нету.

– Как и той меня.

Конец июня 1931


Поэт и царь

1

Потусторонним
Залом царей.
– А непреклонный
Мраморный сей?

Столь величавый
В золоте барм.
– Пушкинской славы
Жалкий жендарм.

Автора – хаял,
Рукопись – стриг.
Польского края –
Зверский мясник.

Зорче вглядися!
Не забывай:
Певцоубийца
Царь Николай
Первый.

12 июля 1931


Поэт и царь

2

Нет, бил барабан перед смутным полком,
Когда мы вождя хоронили:
То зубы царёвы над мертвым певцом
Почетную дробь выводили.

Такой уж почет, что ближайшим друзьям –
Нет места. В изглавьи, в изножьи,
И справа, и слева – ручищи по швам –
Жандармские груди и рожи.

Не диво ли – и на тишайшем из лож
Пребыть поднадзорным мальчишкой?
На что-то, на что-то, на что-то похож
Почет сей, почетно – да слишком!

Гляди, мол, страна, как, молве вопреки,
Монарх о поэте печется!
Почетно – почетно – почетно – архи-
Почетно, – почетно – до черту!

Кого ж это так – точно воры вора
Пристреленного – выносили?
Изменника? Нет. С проходного двора –
Умнейшего мужа России.

19 июля 1931
Медон


Стол

1

Мой письменный верный стол!
Спасибо за то, что шел
Со мною по всем путям.
Меня охранял – как шрам.

Мой письменный вьючный мул!
Спасибо, что ног не гнул
Под ношей, поклажу грез –
Спасибо, что нес и нес.

Строжайщее из зерцал!
Спасибо за то, что стал
(Соблазнам мирским порог)
Всем радостям поперек,

Всем низостям – наотрез!
Дубовый противовес
Льву ненависти, слону
Обиды – всему, всему.

Мой заживо смертный тёс!
Спасибо, что рос и рос
Со мною, по мере дел
Настольных – большал, ширел,

Так ширился, до широт –
Таких, что, раскрывши рот,
Схватясь за столовый кант …
– Меня заливал, как штранд!

К себе пригвоздив чуть свет –
Спасибо за то, что – вслед
Срывался! На всех путях
Меня настигал, как шах –

Беглянку.
                   – Назад, на стул!
Спасибо за то, что блюл
И гнул. У вевечных благ
Меня отбивал – как маг –

Сомнамбулу.
                         Битв рубцы,
Стол, выстроивший в столбцы
Горящие: жил багрец!
Деяний моих столбец!

Столп столпника, уст затвор –
Ты был мне, что морю толп
Еврейских – горящий столп!

Так будь, же благословен –
Лбом, локтем, узлом колен
Испытанный, – как пила
В грудь въевшийся – край стола!

Июль 1933


* * *

Вскрыла жилы: неостановимо,
Невосстановимо хлещет жизнь,
Подставляйте миски и тарелки!
Всякая тарелка будет – мелкой,
Миска – плоской.
                    Через край – и мимо
В землю черную, питать тростник.
Невозвратно, неостановимо,
Невосстановимо хлещет стих.
 
6 января 1934

Сад

За этот ад,
За этот бред
Пошли мне сад
На старость лет.

На старость лет,
На старость бред:
Рабочих – лет,
Горбатых – лет …

На старость лет
Собачьих – клад:
Горячих лет –
Прохладный сад …

Для беглеца
Мне сад пошли:
Без ни – лица,
Без ни – дущи!

Сад: ни шажка!
Сад: ни глазка!
Сад: ни смешка!
Сад: ни свистка!

Без ни-ушка
Мне сад пошли:
Без ни-душка !
Без ни-души!

Скажи: – Довольно муки, – на
Сад одинокий, как сама.
(Но около и сам не стань!)
Сад одинокий, как я сам.

Такой мне сад на старость лет …
– Тот сад? А может быть – тот свет? –
На старость лет моих пошли –
На отпущение души.

1 октября 1934


* * *

Никуда не уехали – ты да я –
Обернулись прорехами – все моря!
Совладельцам пятерки рваной –
Океаны не по карману!

Нищеты вековечная сухомять!
Снова лето, как корку, всухую мять!
Обернулось нам море – мелью:
Наше лето – другие съели!

С жиру лопающиеся: жир – их «лоск»,
Что не только что масло едят, а мозг
Наш – в поэмах, в сонатах, в сводах:
Людоеды в парижских модах!

Нами лакомящиеся: франк – за вход.
О, урод, как водой туалетной – рот
Сполоснувший – бессмертной песней!
Будьте прокляты вы – за весь мой

Стыд: вам руку жать, когда зуд в горсти, –
Пятью пальцами – да от всех пяти
Чувств – на память о чувствах добрых –
Через всё вам лицо – автограф!

1932 – лето 1935
Фавьер

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Die Ent – fernung: Werste, Meilen
Рас – стояние: версты, мили
 
Bruder karger Liedertafel
Брат по песенной беде
 
Gespräch mit dem Genius
Разговор с гением
 
Land
Страна
 
Der Dichter und der Zar
1. Im überirdischen
1. Потусторонним
2. Und laut schlug die Trommel …
2. Нет, бил барабан …
 
Der Tisch (1)
Стол (1)
 
Pulsadern offen: unaufhaltsam
Вскрыла жилы: неостановимо
 
Der Garten
Сад
 
Wir sind nicht weggefahren – du und ich –
Никуда не уехали – ты да я

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