![[Osip Mandelstam, 30er Jahre]](images/mandel2.jpg)
Höchst gleichgestellt mit andern
Erstreb ich deinen Dienst,
Mit trocknen Lippen Wahres
Der Eifersucht entziehnd.
Das Wort, es kann nicht lindern,
Dass Feuchtigkeit entbehrt
Mein Mund, um dich vermindert
Bleibt meine Traumluft leer.
Bin nicht mehr eifersüchtig,
Jedoch: ersehne dich
Und lege auf den Richtblock
Ganz als ein Opfer: mich.
Ich hab dir weder Freude,
Noch Liebe eingehaucht;
Mein Blut hat man mit Fremdem,
Mit Grausamem vertauscht.
Noch wenig Augenblicke
Und ich gestehe dir:
Nicht Freuden, sondern Tücke
Entdecke ich in dir.
Es klingt wie ein Verbrechen:
Mich zieht in unsern Bund
Dein wirr-zerbissnes Lächeln,
Dein zarter Kirschenmund.
Ich fühle mich so schrecklich,
Kehr schnell zu mir zurück.
Ich habe niemals stärker
Dein Nahesein vermisst.
All das, was ich ersehne,
Ich seh es klar vor mir.
Bin nicht mehr eifersüchtig,
Doch rufe ich nach dir.
1920
Habe mich des nachts im Hof gewaschen,
Sternenrau erstrahlt die Himmelsfeste.
Sternenstrahl und, wie das Salz auf Äxten,
Kann das Fass das Kühle nicht mehr fassen.
Durch ein Schloss die Pforte fest verschlossen,
Bleibt die Erde auch gewissensblind,
Frisches Leinen lässt auf Wahrheit hoffen,
Wie man jemals kaum sie wiederfindet.
Lösen sich im Fass, wie Salz, die Sterne,
Wird das Wasser heiß und tiefer schwarz,
Reiner als der Tod und salziger als ärmlich,
Wird der Erde Schrecken wieder wahr.
1921
Mit rosigem Schaum der Erschöpfung auf zartweichen Lippen
Wühlt sich durch grünliche Wellen zornig der Stier,
Er schnaubt, kein Freund des Geruders, doch weiblicher Hüften;
Dem Nacken ist neu diese Last, die Arbeit fällt schwer.
Nur selten durchspringt er den Reifen gleich dem Delfin
Oder begegnet des Meeres so stachligem Igel.
Zärtliche Arme Europas, nehmt alles hin!
Wo fändest du's Joch, den Hals des Ersehnten zu zügeln?
Voll Bitterkeit lauscht Europa dem mächtigen Plätschern,
Das neblige Meer braust rings als Springquell hinauf,
Sichtlich erschreckt sie des Meeres öliges Glitzern,
Wie gern glitte sie diesen Steilhang herunter, der rau.
Um wie vieles mehr wär ihr lieber der Dollen Gequietsche,
Der breite Schoß eines Decks, einer Schafherde Fron,
Hinter dem Heck, dem hohen, das Schimmern von Fischen,
Doch freudlos zieht weiter der Ruderer mit ihr davon.
1922
Nein, niemals war ich jemands Zeitgenosse,
Diese Ehre blieb mir unbekannt,
Jedweden Namensvetter hab ich längst verstoßen,
Das war nicht ich, das war ein andrer Mann.
Zwei Äpfel voller Träume hat der Zeit-Erhalter
Und einen wunderschönen Mund aus Ton,
Zu der ertaubten Hand des Sohnes, der gealtert,
Neigt er sich tief im Tod.
Ich hab mit dem Jahrhundert die Lider krank geöffnet
Zwei große Äpfel voller Träumerei,
Bis rauschend mir die Ströme laut erzählten
Den wehen Gang der Menschenstreiterei.
Es warn vor hundert Jahren Kissen weißer Färbung
Im leichten und adrett gemachten Bett,
Aus Ton zog man heraus, wie seltsam, einen Körper,
Der erste Rausch der Zeit hat sich gelegt.
Welch federleichte Bettstatt steht da noch inmitten
Des feldzüglichen Quietschens dieser Welt.
Und wollen wir uns zeitig keine andre schmieden,
Wird diese Zeit als unsre eingestellt.
In glühendheißen Zimmern, in Jurten und in Zelten
Stirbt diese Zeit und zwei
Äpfel voller Träume auf gehörnter Hostie
Leuchten fedrig dann im Feuerschein.
1924
Meine Stadt sah ich wieder, den Tränen bekannt,
Den geschwollenen Drüsen, dem ersten Zahn.
Du kehrtest zurück nun schlucke mit Lust
Das Fischöl von Leningrads Lampen am Fluss!
Diesen Tag im Dezember nun schnell noch verzehr,
Wo mit Eigelb sich mischt der bedrohliche Teer.
Mein Petersburg! Noch will ich nicht in das Grab:
Du kennst alle Rufnummern, die ich gehabt.
Mein Petersburg! Noch sind Adressen im Buch,
Die Toten zu hören, komm ich zu Besuch.
Ich wohne auf tiefschwarzen Treppen, die Stirn
Am Kabelgedärm die Klingeln berührn.
Auf liebwerte Gäste die Nacht lang ich wart'
Und rüttle die Fesseln der Türketten zart.
Dezember 1930
Leningrad
Du und ich, wir sitzen in der Küche,
Kerosin verströmt süße Gerüche;
Scharfes Messer, und das Rundbrot auch …
Wenn du willst, füll' ich den Primus auf,
Nimm doch dieses Band hier, es ist länger,
Um den Korb zu binden bis zum Dämmern,
Damit wir zum Bahnhof noch gelangen,
Wo's niemand mehr schafft, uns einzufangen.
Januar 1931
Leningrad
Hilf mir, Herr, die Nacht zu überleben,
Ich fürchte um das Leben deines Sklaven …
In Petersburg zu leben, heißt: im Sarg zu schlafen.
Januar 1931
Nach der Mitternacht stiehlt sich das Herz
Direkt aus den Händen verbotene Stille,
Voller Übermut lebt es ganz ruhig
Du liebst du liebst nicht: vergleichst es mit nichts.
Du liebst du liebst nicht, verstehst Unverstandnes …
Was zitterst du hier wie ein Findling, vermisst?
Nach der Mitternacht nährt sich das Herz
Und hält eine silbrige Maus im Gebiss.
März 1931
Moskau
«Ma voix aigre et fausse...»
Paul Verlaine
Ich sag es dir ganz offen:
Engelein,
Alles kirschbranntweinbesoffne
Träumerein.
Wo Hellenen Frauenschönheit
Strahlte an,
Gähnt mich tief aus schwarzen Höhlen
Schande an.
Über Wellen zerrten Griechen
Helena,
Doch schon längst an meinen Lippen
Salzschaum nagt.
Meine Lippen voll Erbarmen
Nichts bestreicht,
Mir mit strengem Daumen Armut
Feigen zeigt.
Ach und krache, sing und lache
Alles eins
Kipp die Cocktails, Engel Mary,
Trink den Wein.
Und ich sag es dir ganz offen:
Engelein,
Alles kirschbranntweinbesoffne
Träumerein.
März 1931, Moskau,
Museum für Zoologie.
Я наравне с другими
Хочу тебе служить,
От ревности сухими
Губами ворожить.
Не утоляет слово
Мне пересохших уст,
И без тебя мне снова
Дремучий воздух пуст.
Я больше не ревную,
Но я тебя хочу,
И сам себя несу я
Как жертву палачу.
Тебя не назову я
Ни радость, ни любовь;
На дикую, чужую
Мне подменили кровь.
Еще одно мгновенье,
И я скажу тебе:
Не радость, а мученье
Я нахожу в тебе.
И, словно преступленье,
Меня к тебе влечет
Искусанный, в смятеньи,
Вишневый нежный рот.
Вернись
ко мне скорее:
Мне страшно без тебя,
Я никогда сильнее
Не чувствовал тебя,
И всё, чего хочу я,
Я вижу наяву.
Я больше не ревную,
Но я тебя зову.
1920
Умывался
ночью на дворе,
Твердь сияла
грубыми звездами.
Звездный луч
как соль на топоре,
Стынет бочка
с полными краями.
На замок закрыты
ворота,
И земля
по совести сурова.
Чище правды
свежего холста
Вряд ли где отыщется
основа.
Тает
в бочке, словно
соль, звезда,
И вода студеная
чернее,
Чище
смерть, соленее
беда,
И земля
правдивей и страшнее.
1921
С розовой
пеной усталости
у мягких губ
Яростно волны
зеленые роет
бык,
Фыркает,
гребли не любит
женолюб,
Ноша
хребту непривычна,
и труд велик.
Изредка выскочит
дельфина колесо
Да повстречает
морской колючий
еж.
Нежные руки
Европы, берите
все!
Где ты для
выи желанней
ярмо найдешь?
Горько внимает
Европа могучий
плеск,
Тучное
море кругом закипает
в ключ,
Видно,
страшит ее вод
маслянистый
блеск,
И соскользнуть
бы хотелось с
шершавых круч.
О, сколько раз
ей милее уключин
скрип,
Лоном
широкая палуба,
гурт овец.
И за
высокой кормою
мельканье рыб,
С нею безвесельный
дальше плывет
гребец!
1922
Нет, никогда
ничей я не был
современник,
Мне не с руки
почет такой.
О, как противен
мне какой-то соименник,
То был не я, то
был другой.
Два
сонных яблока
у века-властелина
И глиняный прекрасный
рот,
Но к млеющей
руке стареющего
сына
Он, умирая,
припадет.
Я с
веком поднимал
болезненные
веки
Два сонных
яблока больших,
И мне гремучие
рассказывали
реки
Ход воспаленных
тяжб людских.
Сто лет тому
назад подушками
белела
Складная
легкая постель,
И странно вытянулось
глиняное тело,
Кончался века
первый хмель.
Среди скрипучего
похода мирового
Какая легкая
кровать!
Ну, что
же, если нам не
выковать другого,
Давайте с веком
вековать.
И в
жаркой комнате,
в кибитке и в палатке
Век умирает
а потом
Два сонных
яблока на роговой
облатке
Сияют
перистым огнем.
1924
Я вернулся в мой
город, знакомый
до слез,
До прожилок,
до детских припухлых
желез.
Ты вернулся
сюда, так глотай
же скорей
Рыбий
жир ленинградских
речных фонарей.
Узнавай же скорее
декабрьский
денек,
Где к зловещему
дегтю подмешан
желток.
Петербург!
Я еще не хочу умирать:
У тебя телефонов
моих номера.
Петербург! У
меня есть еще
адреса,
По которым
найду мертвецов
голоса.
Я на лестнице
черной живу, и
в висок
Ударяет
мне вырванный
с мясом звонок,
И всю ночь напролет
жду гостей дорогих,
Шевеля кандалами
цепочек дверных.
1930
Мы с тобой
на кухне посидим,
Сладко пахнет
белый керосин;
Острый нож
да хлеба каравай …
Хочешь, примус
туго накачай,
А не то веревок
собери
Завязать
корзину до зари,
Чтобы нам уехать
на вокзал,
Где
бы нас никто не
отыскал.
1931
Помоги, Господь,
эту ночь прожить,
Я за жизнь боюсь,
за твою рабу …
В Петрограде
жить словно
спать в гробу.
1931
После полуночи
сердце ворует
Прямо из рук
запрешеную тишь.
Тихо живет хорошо
озорует,
Любишь
не любишь: ни
с чем не сравнишь …
Любишь не любишь,
поймешь не поймаешь.
Не потому ль,
как подкидыш,
молчишь,
Что
до полуночи сердце
пирует,
Взяв
на прикус серебристую
мышь?
Март 1931
Москва
«Ma voix aigre et fausse...»
Paul Verlaine
Я скажу тебе
с последней
Прямотой:
Все лишь бредни
– шерри-бренди,
–
Ангел мой.
Там, где эллину
сияла
Красота,
Мне из черных
дыр зияла
Срамота.
Греки сбондили
Елену
По волнам,
Ну, а мне – соленой
пеной
По губам.
По губам меня
помажет
Пустота,
Строгий кукиш
мне покажет
Нищета.
Ой-ли, так-ли,
дуй-ли, вей-ли
–
Все равно;
Ангел
Мэри, пей коктейли,
Дуй вино.
Я скажу
тебе с последней
Прямотой:
Все
лишь бредни –
шерри-бренди,
–
Ангел мой.
1931