Bulat Okudžava (1924 – 1997)

* * *

Es lebte einmal ein Soldat,
voll Mut, hoch dekoriert,
der nur ein Kinderspielzeug war, –
ein Söldner von Papier.

Die Welt verändern wollte er,
dass jeder glücklich hier,
doch hing an einem Fädchen er, –
der Söldner von Papier.

Den Tod zu suchen, wenn es kracht,
hätt' er sich nicht geziert,
doch ihr habt ihn nur ausgelacht, –
den Söldner von Papier.

Was er entdeckt, ihm keiner glaubt,
was er erforscht, erspürt …
Wer hätte jemals auch vertraut
auf Söldner von Papier.

Sein stummes Schicksal er verflucht,
nach mehr hat er gegiert,
»Feuer, Feuer!«, scholl der Ruf
des Kriegers von Papier.

Ins Feuer? Geh nur, wenn du willst!
Und er ist losmarschiert …
Es starb ganz unbemerkt und still –
ein Söldner von Papier.

1960


Das Liedchen von der Metro

In meiner Metro wird es niemals eng,
weil seit der Kinderzeit
ich an das Liedchen denk,
in dem es statt des Kehrreims heißt:
»Rechts wird gestanden, links geht's vorbei!«

Die Ordnung ist ewig, ein heiliges Schild:
die rechts stehen – stehn. Wer weitergehn will,
dem ist es beschieden: Komm zu dem Schluss,
wer weitergehn will, sich links halten muss!

(1968)


* * *

Und in der ersten Liebe – das Herz dir erglüht,
bis die zweite Liebe an die erste sich schmiegt,
doch die dritte Liebe ist der Schlüssel im Schloss,
der zittert und hakt – in der Hand schwankt der Koffer.

Und den ersten Krieg – hat keiner gewollt
und den zweiten Krieg – hat jemand gewollt,
doch der dritte Krieg ist ganz meine Schuld,
ein jeder kann sehn – ich allein trag die Schuld.

Und der erste Betrug ist ein nebliger Morgen,
und der zweite Betrug: betrunkene Sorgen,
doch der dritte Betrug ist die finsterste Nacht,
viel schlimmer als Krieg: die finsterste Nacht.

(1968)


* * *

Hätt' Peter seine Stadt am Schwarzen Meer errichtet,
Die Zarentränen einst zum Bosporus gesandt.
Wir lebten ohne Schwermut, ohne Kälte in den Blicken,
Sie stieg in unsrer Gunst, dem Schicksal wär' gedankt.

Und Nereiden würden in den Kanälen spielen,
Nicht diese Kreaturen im blaugefleckten Schnee,
Wir müssten träumen nicht, Beleidigung nicht fühlen,
Weil ein gesunder Geist in Göttern, Helden lebt.

Und würde Peters Stadt als Weinberg talwärts eilen,
Terrassen und Spaliere drängten Wellenschlag zurück,
Der Abgott überm Abgrund, der kupferfarbne Reiter
Zerträte keine Leiber mit erdenschwerem Tritt.

Kein Beil unter der Achsel, und kein Mantel,
Venedigs ewig freundschaftlicher Gruß,
Azurne Träume würden unter Lidern wandeln,
Die Säulen Herakles', die Flügel Ikarus' …

* * *

Wär' ich in Deutschland geboren, als man mich gebar,
oder in einem andern europäischen Land:
In Frankreich, in Österreich, Polen, – die Hölle aus Gas
hätt' mich erfasst, wie Reisig im Feuer verbrannt.
Doch hatte ich Glück – in Russland betrat ich die Welt,
eine Welt, so verwirrend, von Süße erfüllt keinen Tag,
unverbesserlich, schamlos, halbnackt, abgerissen, zerquält,
untragbar – und dennoch: mein Überleben – es gab's.

Doch auch: Arithmetik auf diese Art macht mich nicht stolz,
wie keine Frucht aus dem Boden unendlichen Leids.
Weine, mein glückliches Herz! Hast du's denn gewollt,
das Eintrittsbillet, das Siegel und Stempel vereint,
zum Meldebüro des Entsetzens? Man sagt: noch unter dem Gras,
noch stiller als Wasser. Zum sinnlosen Wirbeln der Sterne verdammt!
Und tränenlos schaut, der auch keine Antwort parat hat,
nicht der beliebteste Dichter, doch der ohne jegliche Angst.

Das Lied vom gefühlvollen Boxer

Ein Schlag, ein Schlag … und noch ein paar …
Ein weitrer Schlag – und batz!
Boris Butkeev (Krasnodar)
Schlägt seine Uppercuts.

Er hat mich in der Ecke drin,
Fast schafft' ich noch die Flucht …
Ein Uppercut – ich leg mich hin,
Denn mir geht's gar nicht gut!

          Es dachte Butkeev, der den Kiefer mir brach:
          Das Leben ist schön und bleibt wunderbar!

Bei sieben ruh ich mich noch aus –
Die Fans verzweifelt brüllen,
Dann steh ich, tauche, rücke aus
Und bräuchte eine Brille.

Es stimmt ja nicht, dass ich verschlagen
Kraft gesparet habe, –
'nem Menschen ins Gesicht zu schlagen,
Konnt ich schon nicht als Knabe.

          Es dachte Butkeev, der die Rippen mir brach:
          Das Leben ist schön und bleibt wunderbar!

Im Saal Gebrüll, im Saal Geschrei:
»Gib dem Feigling Keile!«
Butkeev schlägt mich kurz und klein –
Ich häng mich in die Seile.

Er pumpt sich aus, als Sibirjak
Fehlt's ihm an Kondition, –
Ich sprach: »Du wirkst ein bisschen schlapp,
Ruh aus, mein lieber Sohn!«

          Er wollte nicht hören und dachte wohl gar:
          Das Leben ist schön und bleibt wunderbar!

Er prügelt rum in einem fort –
Ich seh – das endet schlimm,
Denn Boxen ist nun mal ein Sport
Mit einem tiefern Sinn …

Schon bricht er ein – und eins, zwei, drei;
Er liegt am Boden klagend. –
Die Jury hebt des Siegers Hand,
Die Faust, die nie geschlagen.

          Da lag er und dachte:»Wie wunderbar ist's!
          Der eine kriegt alles, der andere – nichts!«

1966


* * *

Ein jeder Mensch hat mit der Zeit
Das, was ihn kränkte, ganz vergessen.
Wie das ewige Eis ist meine Traurigkeit:
Es will und will nicht schmelzen.

Selbst sommerliche Mittagsglut
Wird dieses Eis noch überstehn, –
Ich weiß: mit dem Jahrhundert nur
Kann mein Schmerz vergehn.

1966


Gebt doch den Hunden ihr Fresschen

Gebt doch den Hunden ihr Fresschen –
Sonst betteln sie, beißen und plagen.
Gebt auch den Trinkern ihr Fläschchen,
Damit sie nicht grundlos sich schlagen.

Damit nicht die Raben verfetten,
Stellt Vogelscheuchen auf.
Auch Liebende brauchen ein Eckchen,
Die Liebe nimmt dann ihren Lauf.

Pflanzt in die Erde den Samen,
Vielleicht wird er keimen, gedeihn.
Gebt mir nur endlich die Freiheit,
Dann will ich gehorsamer sein!

Die Köter bekamen ihr Futter
Und haben sich ruhig verhalten.
Den Trinkern reichte man Vodka –
Sie haben des Trunks sich enthalten.

Die Menschen verscheuchen den Raben,
Doch furchtlos ziehn Schwärme von Krähen.
Beisammen bleiben die Paare
Und sollten sich doch besser trennen.

Die Erde hat man befeuchtet
Mit Wasser – wo sind nun die Ähren?
Gestern erhielt ich die Freiheit,
Und weiß nicht, was soll nun werden?!

1967


Wolfsjagd

Ich zerre nach Kräften, mit allen Sehnen,
Doch heute ist's wieder wie gestern:
Man hat mich umkreist, will mich stellen –
Verweist mich erfreut auf die Plätze!

Hinter den Fichten sind Doppelläufe –
Dort warten die Jäger im Schatten versteckt, –
Im tiefen Schnee balgen sich Wölfe,
Als lebende Zielscheiben leicht zu entdecken.

      Denn es begann die Jagd, die Jagd nach Wölfen –
      Auf graue Räuber, auf den Isegrimm, den Welf.
      Es schreien Treiber, Meutehunde bellen,
      Der Schnee ist blutig, rote Fähnchen wehn.

Die Jäger – nie erzittern ihre Hände! –
Spieln mit den Wölfen nie ein faires Spiel,
Die Freiheit wird beschränkt mit roten Fähnchen;
Man tötet unbeirrt und gut gezielt.

Die Tradition ist heilig unter Wölfen –
Und noch als Welpen – offensichtlich blind –
Wir saugen's mit der Muttermilch der Wölfin
Und saugten: »Immer vor den Fähnchen hin!«

      Doch hier begann die Jagd, die Jagd nach Wölfen –
      Auf graue Räuber, auf den Isegrimm, den Welf.
      Es schreien Treiber, Meutehunde bellen,
      Der Schnee ist blutig, rote Fähnchen wehn.

Unsre Läufe und Kiefer sind schneller, –
Warum also, Leitwolf, – sag an –
Eiln wir zum Abschuss wie Kälber
Und fliehen nicht hinter das Band?!

Ein Wolf kann nicht wählen, muss immer
Voran, und fällt's ihm auch schwer:
Und jener, für den ich bestimmt war,
Grinste und hob sein Gewehr.

      Denn es begann die Jagd, die Jagd nach Wölfen –
      Auf graue Räuber, auf den Isegrimm, den Welf.
      Es schreien Treiber, Meutehunde bellen,
      Der Schnee ist blutig, rote Fähnchen wehn.

Ich hab den Gehorsam verweigert,
Wollt' leben – und floh hinters Seil!
Nur hinter mir hörte ich freudig
Der Leute erstauntes Geschrei.

Ich zerre nach Kräften, mit allen Sehnen,
Doch heute ist's nicht mehr wie gestern.
Man hat mich umkreist, will mich stellen;
Doch ich hab mich schnell abgesetzt!

      Denn es begann die Jagd, die Jagd nach Wölfen –
      Auf graue Räuber, auf den Isegrimm, den Welf.
      Es schreien Treiber, Meutehunde bellen,
      Der Schnee ist blutig, rote Fähnchen wehn.

1968


* * *

Один солдат на свете жил,
красивый и отважный,
но он игрушкой детской был, –
ведь был солдат бумажный.

Он переделать мир хотел,
чтоб был счастливым каждый,
а сам на ниточке висел, –
ведь был солдат бумажный.

Он был бы рад – в огонь и дым,
за вас погибнуть дважды,
но потешались вы над ним, –
ведь был солдат бумажный.

Не доверяли вы ему
своих секретов важных.
А почему? а потому,
что был солдат бумажный.

А он, судьбу свою кляня,
не тихой жизни жаждал
и всё просил: – Огня, огня! –
забыв, что он бумажный.

В огонь? Ну, что ж. Иди! Идешь?
И он шагнул однажды.
И там погиб он ни за грош, –
ведь был солдат бумажный.

(1960)


Песенка о метро

Мне в моем метро никогда не тесно,
потому что с детства
оно как песня,
где в место припева:
«Стойте справа, проходите слева!»

Порядок вечен, порядок свят:
те, что справа стоят – стоят,
но те, что идут, всегда должны
держаться левой стороны!

(1968)


* * *

А как первая любовь – она сердце жжёт,
а вторая любовь – она к первой льнёт,
ну, а третья любовь – ключ дрожит в замке,
ключ дрожит в замке, чемодан в руке.

А как первая война – да ничья вина,
а вторая война – чья-нибудь вина,
а так третья война – лишь моя вина,
а моя вина – она всем видна.

А как первый обман – на заре туман,
а второй обман – закачался пьян,
а как третий обман – он ночи темней,
он ночи темней, он войны страшней.

(1968)


* * *

Когда бы град Петров стоял на Черном море,
Когда бы царь в слезах прорвался на Босфор,
Мы б жили без тоски и холода во взоре,
По милости судьбы и к ней попав в фавор.
 
В каналах бы тогда плескались нереиды
Не так, как эта тварь в снегу и синяках,
Не снились бы нам сны, не мучили обиды,
И был бы здравый смысл в героях и богах.
 
Когда бы град Петров с горы, как виноградник,
Шпалерами сбегал к уступчатым волнам,
Не идол бы взлетел над бездной,– Медный Всадник
Не мчался б, приземлясь, по трупам, по телам.
 
Тогда б ни топора под мышкой, ни шинели,
Венеция б в веках подругой нам была,
Лазурные бы сны под веками пестрели,
Геракловы столбы, икаровы крыла…
 

* * *

Когда б я родился в Германии в том же году,
Когда я родился, в любой европейской стране:
Во Франции, в Австрии, в Польше,– давно бы в аду
Я газовом сгинул, сгорел бы, как щепка в огне,
Но мне повезло – я родился в России, такой,
Сякой, возмутительной, сладко не жившей ни дня,
Бесстыдной, бесправной, замученной, полунагой,
Кромешной – и выжить был все-таки шанс у меня.
 
И я арифметики этой стесняюсь чуть-чуть,
Как выгоды всякой на фоне бесчисленных бед.
Плачь, сердце! Счастливый такой почему б не вернуть
С гербом и печатью районного загса билет
На вход в этот ужас? Но сказано: ниже травы
И тише воды. Средь безумного вихря планет!
И смотрит бесслезно, ответа не зная, увы,
Не самый любимый, но самый бесстрашный поэт.


Песня о сентиментальном боксере

Удар, удар… Еще удар…
Опять удар – и вот
Борис Буткеев (Краснодар)
Проводит апперкот.

Вот он прижал меня в углу,
Вот я едва ушел…
Вот апперкот – я на полу,
И мне нехорошо!

          И думал Буткеев, мне челюсть кроша:
          И жить хорошо, и жизнь хороша!

При счете семь я все лежу –
Рыдают землячки.
Встаю, ныряю, ухожу –
И мне идут очки.

Неправда, будто я к концу
Я силы берегу, –
Бить человека по лицу
Я с детсва не могу.

          Но думал Буткеев, мне ребра круша:
          И жить хорошо, и жизнь хороша!

В трибунах свист, в трибунах вой:
«Ату его, он трус!»
Буткеев лезет в ближний бой –
А я к канатам жмусь.

Но он пролез – он сибиряк,
Настырные они, –
И я сказал ему: «Чудак!
Устал ведь – отдохни!»

          Но он не услышал – он думал, дыша,
          Что жить хорошо, и жизнь хороша!

А он всё бьет – здоровый, черт! –
Я вижи – быть беде.
Ведь бокс не драка – это спорт
Отважных и т. д.

Вот он ударил – раз, два, три –
И… сам лишился сил, –
Мне руку поднял рефери,
Которой я не бил.

          Лежал он и думал, что жизнь хороша.
          Кому хорошо, а кому – ни шиша!

1966


* * *

Свои обиды каждый человек –
Проходит время – и забывает.
А моя печаль – как вечный снег:
Не тает, не тает.

Не тает она и летом
В полуденный зной, –
И знаю я: печаль-тоску мне эту
Век носить с собой.

1966


Дайте собакам мяса

Дайте собакам мяса –
Может, они подерутся.
Дайте похмельным кваса –
Авось они перебьются.

Чтоб не жиреть воронам,
Ставьте побольше пугал.
Чтобы любить, влюбленным
Дайте укромный угол.

В землю бросайте зерна –
Может, появятся всходы.
Ладно, я буду покорным –
Дайте же мне свободу!

Псам мясные ошметки
Дали – а псы не подрались.
Дали пьяницам водки –
А они отказались.

Люди ворон пугают –
А воронье не боится.
Пары соединяют –
А им бы разъединиться.

Лили на землю воду –
Неты колосьев, – чудо!
Мне вчера дали свободу –
Что я с ней делать буду?!

1967


Охота на волков

Рвусь из сил – и из всех сухожилий,
Но сегодня – опять как вчера:
Обложили меня, обложили –
Гонят весело на номера!

Из–за елей хлопочут двустволки –
Там охотники прячутся в тень, –
На снегу кувыркаются волки,
Превратившись в живую мишень.

      Идет охота на волков, идет охота –
      На серых хищников, матерых и щенков!
      Кричат загонщики, и лают псы до рвоты,
      Кровь на снегу – и пятна красные флажков.

Не на равных играют с волками
Егеря – но не дрогнет рука, –
Оградив нам свободу флажками,
Бьют уверенно, наверняка.

Волк не может нарушить традиций, –
Видно, в детстве – слепые щенки –
Мы, волчата, сосали волчицу
И всосали: нельзя за флажки!

      И вот – охота на волков, идет охота, –
      На серых хищников, матерых и щенков!
      Кричат загонщики, и лают псы до рвоты,
      Кровь на снегу – и пятна красные флажков.

Наши ноги и челюсти быстры, –
Почему же, вожак, – дай ответ –
Мы затравленно мчимся на выстрел
И не пробуем – через запрет?!

Волк не может, не должен иначе.
Вот кончается время мое:
Тот, которому я предназначен,
Улыбнулся – и поднял ружье.

      Идет охота на волков, идет охота –
      На серых хищников, матерых и щенков!
      Кричат загонщики, и лают псы до рвоты,
      Кровь на снегу – и пятна красные флажков.

Я из повиновения вышел –
За флажки, – жажда жизни сильней!
Только сзади я радостно слышал
Удивленные крики людей.

Рвусь из сил – и из всех сухожилий,
Но сегодня не так, как вчера:
Обложили меня, обложили –
Но остались ни с чем егеря!

      Идет охота на волков, идет охота –
      На серых хищников, матерых и щенков!
      Кричат загонщики, и лают псы до рвоты,
      Кровь на снегу – и пятна красные флажков.

1968


Inhalt:  >>

Bulat Okudžava

Es lebte einmal ein Soldat
Один солдат на свете жил
 
Das Liedchen von der Metro
Песенка о метро
 
Und in der ersten Liebe
А как первая любовь

Aleksandr Kušner

Hätt' Peter seine Stadt …
Когда бы град Петров …
 
Wär' ich in Deutschland geboren …
Когда б я родился в Германии …

Vladimir Vysockij

Das Lied vom gefühlvollen Boxer
Песня о сентимент. боксере
 
Ein jeder Mensch hat mit der Zeit
Свои обиды каждый человек
 
Gebt doch den Hunden ihr Fresschen
Дайте собакам мяса
 
Wolfsjagd
Охота на волков

Gegenwart (1)