[O. Kipr: Iwan Krylow]

Ivan Krylov (1769 – 1844)

Schwan, Hecht und Krebs

          Wenn unter Freunden Einigkeit nicht herrscht,
               Läuft ihre Sache meist verkehrt,
     Am Ende stehen dann die Dinge schlecht.

          Einmal wollten Schwan und Krebs und Hecht
          Mit einem Leiterwagen eine Fuhre machen
     Und luden auf zusammen alle ihre Sachen;
Sie ziehn mit aller Kraft – die Last rührt sich kein Stück!
Zwar würde sich der Wagen leicht bewegen lassen,
          Doch zieht der Hecht hinab ins Wasser,
Der Schwan will zu den Wolken hin, es kriecht der Krebs zurück.
Wer recht hat oder nicht, wer will's von uns entscheiden?
          Bis heute muss die Last jedoch an selber Stelle bleiben.

(1814)

__________
Die Fabel spielt auf die bekannte Trojka an, die den russischen
Staat symbolisiert. Der Schwan vertritt die orthodoxe Geistlichkeit
(himmelstrebend), der Krebs den zur uneingeschränkten Monarchie
zurückstrebenden Zaren und der Hecht die zum Volk strebenden
Adligen, die raubfischgleich die kleinen Fische verschlingen.
(E. B.)


Auf Goethes Porträt

Hat sich den Mut zur Freiheit zum Gesetz erkoren,
Und trat über die Welt mit allwissendem Gesicht.
     Er hat sich in der Welt das Machbare erworben –
     Und unterwarf sich endlich – niemandem und nichts.

1819


Der tote Puschkin

Er lag bewegungslos, als hätte er die Arme
Nach schwerer Arbeit etwas hochgelegt. Still das Haupt gesenkt,
Stand ich lange bei ihm, allein, und schaute aufmerksam
Dem Toten direkt in die Augen, die geschlossen waren.
Es schien mir sein Gesicht so sehr vertraut, und es wurde deutlich,
Dass sich darin etwas ausdrückte, das wir im Leben
Nie in diesem Gesicht bemerkt hatten. Es brannte nicht die Flamme
Der Inspiration darin; es leuchtete nicht der scharfe Verstand;
Nein! Doch ein Gedanke, ein tiefer, erhabener Gedanke
Hatte es erfasst: es kam mir so vor, als ob ihm
In diesem Moment eine einzigartige Erscheinung bevorstand,
Etwas geschah über ihm, und ich wollte ihn fragen: Was siehst du?

1837


Antwort

      Ein Dichter bin ich nicht, bin Partisan, Kosak,
War manchmal auf dem Pindus, doch nur auf die Schnelle
          Und unbekümmert, irgendwie zack-zack,
      Schlug ich mein Lager auf bei der Kastal'schen Quelle,
          Ein unabhängiges Biwak.
          Nein, habe nie ein Kunstpferd aufgezäumt
Zu singen, faul im Sessel ausgestreckt, gemütlich in der Stille...
      Doch wenn die Kriegsgewitter über Russland brüllen –
          Stimmt auch mein Lied in diesen Chor mit ein.

1826


* * *

Honig willst du, Sohn? – dann fürchte nicht den Stachel;
        Den Siegerkranz? – dann mutig losgekämpft!
Du gierst nach Perlen? – dann spring in den Rachen
        Des Abgrunds, wo das Krokodil im Wasser gähnt.
Hab keine Furcht! Gott wird es richten. Den Mutigen belohnt er ganz
Als Vater dann mit Perlen, Honig oder Untergang ... und Kranz.

(1821)


Die Äußerung Melchisedechs

        Weißt du, was ihm von den Lippen kam,
Dem grauen Melchisedech, als er vom Leben Abschied nahm?
        Als Sklave wird der Mensch geboren,
        Als Sklave legt er sich ins Grab,
        Und selbst der Tod vermag ihm kaum zu sagen,
Warum in diesem Tal der Tränen wundersam
        Er litt, und weinte, duldete, entschwand.

(1821)


Lieben. Beten. Singen

Lieben. Beten. Singen. Die heilige Bestimmung
Der Seele, die sich im Exile quält,
Das heilige Geheimnis getragen in die Welt,
Das Vorgefühl, die Trauer um irgendeinen Himmel,
Das einstmals Klare, das durchs Dunkel schimmert,
Die Freude, das man bald es neu erlangt;
Die Seele, die des Einklangs mit dem Schönen sich erinnert,
Drei ewge Saiten: Lieben, Beten und Gesang!
Das Glück kennt, wer um eure Tröstung weiß,
Wer den Kelch der Freude und den Kelch des Leids
Mit Liebe und Gebeten stets gesegnet,
Als eine Harfe klingend, tief im Innern lebte!

(1839)


Rätsel

Man hat mich vor ein Buch gesetzt,
Es liest sich nicht mit Freuden:
Erdachtes und Gewesenes
Vermischt mit Langeweile.

So vieles wurde falsch gedruckt!
So viel nicht zu verstehen!
Schon bald fehlt einem Kraft und Lust
In einem Zug zu lesen.

Obschon die Lampe niederbrennt
Und Dunkelheit sich zeitigt,
Les ich voll Schmerz im Dokument
Die allerletzten Seiten.

Dies zu erfahren, wird versichert,
Ist unbedingtes Muss und Soll,
Und zur Ermutigung verspricht man,
Dass eine Fortsetzung bald folgt.

Ich danke sehr! Und mit Verlaub:
Das erste Buch war leidlich schlecht;
So dass es mich im Voraus graust,
Dass man mich vor ein zweites setzt.

1876

* * *

Der heilgen Saiten Feuerklänge
Haben unser Ohr erreicht.
Das Schwert ergriffen unsre Hände,
Doch schlug man sie in Ketten gleich.

Sei ruhig, Barde, denn wir hadern
Mit dem Schicksal nicht. Es lacht
Eingezwängt in Kerkerhaft
Unser Geist laut über Zaren.

Unser schweres Werk – es bleibt;
Aus dem Funken schlägt die Flamme –
Unser Volk wird mit der Zeit
Sich ums heilge Banner sammeln.

Ketten schmieden wir zum Schwert,
Durchs Feuer, das die Freiheit zündet,
Wird die Zarenmacht zerstört.
Freude dann die Völker bindet.

(1828 – 1829?)

__________
Das Gedicht ist die Antwort der Dekabristen auf Puschkins Sendschreiben,
in dem er ihnen seine Anteilnahme an ihrem schweren Schicksal mitteilte.
Die Zeile »Aus dem Funken schlägt die Flamme« wurde später zum
Motto von Lenins Zeitschrift »Iskra« (Der Funke).
(E. B.)

Лебедь, Щука и Рак

          Когда в товарищах согласья нет,
               На лад их дело не пойдет,
     И выйдет из него не дело, только мука.
 
          Однажды Лебедь, Рак и Щука
          Везти с поклажей воз взялись,
     И вместе трое все в него впряглись;
Из кожи лезут вон, а возу все нет ходу!
Поклажа бы для них казалась и легка:
          Да Лебедь рвется в облака,
Рак пятится назад, а Щука тянет в воду.
Кто виноват из них, кто прав, – судить не нам;
          Да только воз и ныне там.

(1814)

К портрету Гёте

Свободу смелую приняв себе в закон,
Всезрящей мыслию над миром он носился.
     И в мире все постигнул он –
     И ничему не покорился.

1819

<А. С. Пушкин>

Он лежал без движенья, как будто по тяжкой работе
Руки свои опустив. Голову тихо склоня,
Долго стоял я над ним, один, смортря со вниманьем
Мертвому прямо в глаза; были закрыты глаза,
Было лицо его мне так знакомо, и было заметно,
Что выражалось на нем, – в жизни такого
Мы не видали на этом лице. Не горел вдохновенья
Пламень на нем; не сиял острый ум;
Нет! Но какою-то мыслью, глубокой, высокою мыслью
Было объято оно: мнилося мне, что ему
В этот миг предстояло как будто какое виденье,
Что-то сбывалось над ним, и спросить мне хотелось: что видишь?

1837


Ответ

      Я не поэт, я партизан, казак.
Я иногда бывал на Пинде, но наскоком
          И беззаботно, кое-как,
      Раскидывал перед Кастальским током
          Мой независимый бивак.
          Нет, не наезднику пристало
Петь, в креслах развалясь, лень, негу и покой...
      Пусть грянет Русь военною грозой –
          Я в этой песни запевало!

1826


* * *

Ты хочешь меду, сын? – так жала не страшись;
        Венца победы? – смело к бою!
Ты перлов жаждешь? – так спустись
        На дно, где крокодил зияет под водою.
Не бойся! Бог решит. Лишь смелым он отец,
Лишь смелым перлы, мед, иль гибель... иль венец.

(1821)

Изречение Мельхиседека

        Ты знаешь, что изрек,
Прощаясь с жизнию, седой Мельхиседек?
        Рабом родится человек,
Рабом в могилу ляжет,
        И смерть ему едва ли скажет,
Зачем он шел долиной чудной слез,
        Страдал, рыдал, терпел, исчез.

(1821)

Любить. Молиться. Петь

Любить. Молиться. Петь. Святое назначенье
Души, тоскующей в изгнании своем,
Святого таинства земное выраженье,
Предчувствие и скорбь о чем-то неземном,
Преданье темное о том, что было ясным,
И упование того, что будет вновь;
Души, настроенной к созвучию с прекрасным,
Три вечные струны: молитва, песнь, любовь!
Счастлив, кому дано познать отраду вашу,
Кто чашу радости и горькой скорби чашу
Благословил всегда с любовью и мольбой
И песни внутренней был арфою живой!

(1839)

Загадка

Меня за книгу засадили,
С трудом читается она:
В ней смесь и вымысла и были,
Плох вымысел, и быль скучна.
 
Как много в книге опечаток!
Как много непонятных мест!
Сил и охоты недостаток
Читать ее в один присест.
 
Пред догорающей лампадой
И в ожиданье темноты
Читаю с грустью и досадой
Ее последние листы.
 
Все это опыт, уверяют,
Терпенье надобно иметь,
И в ободренье обещают,
Что будет продолженье предь.
 
Благодарю! С меня довольно!
Так надоел мне первый том,
Что мне вперед и думать больно,
Что вновь засяду на втором.

1876

* * *

Струн вещих пламенные звуки
До слуха нашего дошли,
К мечам рванулись наши руки,
И – лишь оковы обрели.

Но будь покоен, бард! – цепями,
Своей судьбой гордимся мы,
И за затворами тюрьмы
В душе смеемся над царями.

Наш скорбный труд не пропадет,
Из искры возгорится пламя,
И просвещенный наш народ
Сберется под святое знамя.

Мечи скуем мы из цепей
И пламя вновь зажжем свободы!
Она нагрянет на царей,
И радостно вздохнут народы!

(1828 – 1829?)


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Ivan Krylov

Schwan, Hecht und Krebs
Лебедь, Щука и Рак

Vasilij Žukovskij

Auf Goethes Porträt
К портрету Гёте
Der tote Puschkin
<А. С. Пушкин>

Denis Davydov

Antwort
Ответ

Konstantin Batjuškov

Honig willst du, Sohn?
Ты хочешь меду, сын?
Die Äußerung Melchisedechs
Изречение Мельхиседека

Pëtr Vjazemskij

Lieben. Beten. Singen
Любить. Молиться. Петь
Rätsel
Загадка

Aleksandr Odoevskij

Der heilgen Saiten Feuerklänge
Струн вещих пламенные звуки

Romantik