[W. Burljuk: Welimir Chlebnikow (1913)]

Velimir Chlebnikov (1885 – 1922)

Finsteres

Ich werfe zu Zeiten der inneren Öde
Mich in die glänzende goldene Sonne.
Mein Flügeln mischt rauschend in lichter Höhe
Hiesigen Hohn mit heiliger Wonne.
Ich starb, ich starb, in reißendem Strome
Bedeckte die Rüstung mein blutiger Schrecken.
Manchmal dann, wenn ich erneut zu mir komme,
Mustert euch kritisch das Auge des Recken.

1907 – 1914

* * *

Dort, wo Seidenschwänze weilten,
Wo die stillen Tannen steilten,
Flogen fort, im Flug enteilten
Schwärme leichter Flatterzeit.
Wo sich stille Tannen bauschten,
Wo Singanten schreiberauschten,
Flogen fort, mit Flügeln rauschten
Schwärme leichter Flatterzeit.
Im Gewirre wilder Schattheit,
Wo wie Wust von Tagen alt,
Kreise zogen, Klänge kreißten
Schwärme leichter Flatterzeit.
Schwärme leichter Flatterzeit!
Du bist singendlich, lockpfeifig
Und berauschst die Seelen saitig,
Dringst ins Herz wie Wellen ein!
Auf, ihr klanglichten Singanten,
Rühmt die leichte Flatterzeit!

Anfang 1908

* * *

Bobäobi sangen Lippen,
Wääomi sangen Blicke,
Piääo sangen Brauen,
Liäääj sang das Antlitz,
Gsi-gsi-gsäo sang die Kette.
So lebt auf der Leinwand voller Entsprechung
Den Dimensionen entrückt das Gesicht.

1908 – 1909

Das Heupferd

Flügelchen hämmernd die Goldschrift
Feinster Tracheen,
Stopfte sich's Heupferd den Futterkorb wanstvoll
Mit Ufernem viel von Kräutern und Gräsern.
»Tritt, tritt, tritt!«, tarantellte der Glaubisch.
O, schwane Wunder!
O, dämmer herauf!

1908 – 1909


Chlebnikovs berühmtestes Zaum-Gedicht, wobei Zaum (sprich:sa-uhm) etwa so viel wie: hinter dem Verstand gelegener Unsinn, metaphysisch bedeutsamer Blödsinn bedeutet. Im Russischen ist das Heupferd (der Grashüpfer) ein Schmiedchen, weshalb Chlebnikov das Tierchen als einen heidnischen Feuergott verstanden wissen wollte; wohl in Anspielung auf den antiken Hephaistos (röm. Vulcanus), der im Ätna als Schmied der Götter tätig war.
Allerdings wird der Grashüpfer im russischen Sprichwort häufig als ein Pferd mit sechs Beinen verstanden, weshalb auch russische Interpretatoren ihn als Pferdchen ansehen (bis hin zum Trojanischen Holzpferd: in russischen Kräutern (trav) verbirgt sich der Verrat (travlja)).
Vers 1: Die Goldschrift kann auch ein Goldbrief sein, der auf die längliche Form der Flügel anspielt, die im Licht glänzen. Jedenfalls wollte Chlebnikov wohl andeuten, dass sich in den Signaturen der Tracheen eine göttliche Botschaft verbirgt.
Vers 2: die "feinsten Tracheen" (eigentlich Adern), könnten auch als "lebte vom Feinsten" übersetzt werden.
Vers 5: Das russische "pin'" wird allgemein als reine Lautmalerei interpretiert, aber es scheint ein verkürztes "pinat'" (treten) in imperativer Form zu sein, weshalb ich es mit "tritt" übersetzt habe. Der Glaubisch ist wie im Russischen Chlebnikovs eine Zusammenziehung aus Glaube und Eibisch (zinziver'(Eibisch) enthält den Wortstamm von "vera" (Glaube)); im Deutschen erscheint jetzt auch noch ein "glaub ich", was im Russischen nicht enthalten ist.
(E. B.)

Beschwörung durch Lachen

O, brecht in Lachen aus, ihr Lacher!
O, fangt zu lachen an, ihr Lacher!
Was Lachen lacht, das lachet lachend,
O, fangt zu lachen an, verlachend!
Für auslachende Anlacher ist Lach verlachend ein Lachmacher!
O, zerlache lachausbrechend die Lache ausgelachter Lachender!
Lachig, lachig,
Lach weg, lach aus, Lacherige, Lacherige,
Lachendige, Lachendige.
O, brecht in Lachen aus, ihr Lacher!
O, fangt zu lachen an, ihr Lacher!

1910 (Er)


* * *

Das Gesetz von der Schaukel besagt,
Dass Schuhe zu weit sind, oder zu schmal.
Dann ist es entweder Nacht oder Tag.
In der Welt herrscht der Mensch oder aber das Nashorn.

1912

* * *

Wenn Pferde sterben – Schaum und Schnaufen,
Wenn Gräser sterben – trocknen Haufen,
Wenn Sonnen sterben – dunkelt's wieder,
Wenn Menschen sterben – singt man Lieder.

1913

* * *

Wenn sich das Hirschgeweih über das Grünende hebt,
Sieht es so aus wie vertrocknete Bäume.
Doch wenn das Herz nächtlich Worte erlebt,
Eiapopeiern sie: er ist verrückt.

1912

* * *

Heute geh ich neuerlich,
Wo Leben, und Handel, und Markt sich verdingen,
Und bringe Lieder kriegerisch
Mit der Brandung des Marktes zum Klingen.

1914

Мрачное

Когда себе я надоем,
Я брошусь в солнце золотое,
Крыло шумящее одем,
Порок смешаю и святое.
Я умер, я умер, и хлынула кровь
По латам широким потоком.
Очнулся я, иначе, вновь
Окинув вас воина оком.

1907 – 1914

* * *

Там, где жили свиристиели,
Где качались тихо ели,
Пролетели, улетели
Стая легких времирей.
Где шумели тихо ели,
Где поюны крик пропели,
Пролетели, улетели
Стая легких времирей.
В беспорядке диком теней,
Где, как морок старых дней,
Закружились, зазвенели
Стая легких времирей.
Стая легких времирей!
Ты поюнна и вабна,
Душу ты пьянишь, как струны,
В сердце входишь, как волна!
Ну же, звонкие поюны,
Славу легких времирей!

Начало 1908

* * *

Бобэоби пелись губы,
Вээоми пелись взоры,
Пиээо пелись брови,
Лиэээй – пелся облик,
Гзи-гзи-гзэо пелась цепь.
Так на холсте каких-то соответствий
Вне протяжения жило Лицо.

1908 – 1909

Кузнечик

Крылышкуя золотописьмом
Тончайших жил,
Кузнечик в кузов пуза уложил
Прибрежних много трав и вер.
«Пинь, пинь, пинь!» – тарарахнул зинзивер.
О, лебедиво!
О, озари!

1908 – 1909

Заклятие смехом

О, рассмейтесь, смехачи!
О, засмейтесь, смехачи!
Что смеются смехами, что смеянствуют смеяльно,
О, засмейтесь усмеяльно!
О рассмешищ надсмеяльных – смех усмейных смехачей!
О, иссмейся рассмеяльно смех надсмейных смеячей!
Смейво, смейво,
Усмей, осмей, смешики, смешики,
Смеюнчики, смеюнчики.
О, рассмейтесь, смехачи!
О, засмейтесь, смехачи!

(1910)

* * *

Закон качелей велит
Иметь обувь то широкую, то узкую.
Времени то ночью, то днем,
А владыками земли быть то носорогу, то человеку.

1912

* * *

Когда умирают кони – дышат,
Когда умирают травы – сохнут,
Когда умирают солнца – они гаснут,
Когда умирают люди – поют песни.

1913

* * *

Когда рога оленя подымаются над зеленью,
Они кажутся засохшее дерево.
Когда сердце ночери обнажено в словах,
Бают: он безумен.

1912

* * *

Сегодня снова я пойду
Туда, на жизнь, на торг, на рынок,
И войско песен поведу
С прибоем рынка в поединок!

1914

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Finsteres
Мрачное
 
Dort, wo Seidenschwänze weilten
Там, где жили свиристиели
 
Bobäobi sangen Lippen
Бобэоби пелись губы
 
Das Heupferd
Кузнечик
 
Beschwörung durch Lachen
Заклятие смехом
 
Das Gesetz von der Schaukel besagt
Закон качелей велит
 
Wenn Pferde sterben
Когда умирают кони
 
Wenn sich das Hirschgeweih...
Когда рога оленя...
 
Heute geh ich neuerlich
Сегодня снова я пойду

>>Chlebnikov – Teil 2

Velimir Chlebnikov (1)