![[Walt Whitman]](images/whitman.jpg)
Durch das sperrangelweit offene Tor der friedlichen Scheune,
Eine sonnige Weide mit grasenden Rindern und Pferden,
Und Dunst und Einblick, und der weite Horizont verblassend.
1865
Als ich dem gelehrten Astronomen zuhörte,
Als die Beweise, die Zahlen vor mir aufgereiht standen,
Als mir Tabellen und Diagramme gezeigt wurden, addiert, dividiert und gemessen,
Als ich sitzend dem Astronomen zuhörte dort, wo er unter vielem Beifall im Hörsaal eine Vorlesung hielt,
Da wurde ich schnell unbezifferbar müde und krank,
Immer weiter aufsteigend und schwebend verließ ich mich selbst
In die mystische feuchte Nachtluft und schaute von Zeit zu Zeit
In die vollendete Stille der Sterne am Himmel.
1865
Schließt nicht eure Türen vor mir, stolze Bibliotheken,
Denn das, was euren gut gefüllten Regalen fehlt, gerade das Notwendigste, bringe ich,
Vom Krieg auf- und angeregt, habe ich ein Buch geschaffen,
Dessen Worte nichts, dessen Verbreitung alles ist,
Ein ganz eigenes Buch, unverbunden mit dem Rest, unerwünscht vom Intellekt,
Dessen unerhörte Latenzen euch Seite für Seite erschüttern werden.
1865
Das Wort über alles, wie der Himmel so schön,
Schön dass der Krieg und all seine verbrecherischen Gemetzel rechtzeitig restlos verloren gehen müssen,
Dass die Hände der Geschwister Tod und Nacht unablässig sorgsam diese schmutzige Welt immer und immer wieder reinwaschen;
Denn mein Gegner ist tot, ein Mensch so begnadet wie ich selbst ist tot,
Ich schaue wie er bleichgesichtig und ruhig im Sarg liegt ich trete näher heran,
Beuge mich hinunter und berühre mit meinen Lippen leicht das bleiche Gesicht im Sarg.
1865-6
Auf einer flachen Straße läuft der durchtrainierte Läufer,
Er ist hager und sehnig mit kräftigen Beinen,
Er ist dünn bekleidet, beugt sich vorwärts im Laufen
Mit leicht geballten Fäusten und teils erhobenen Armen.
1867
Wenn ich das Buch lese, die hochgelobte Biographie,
Und das ist also (sprach ich) was der Autor ein Menschenleben nennt?
Und so wird jemand, wenn ich tot und gestorben bin, mein Leben beschreiben?
(Als ob irgend jemand etwas von meinem Leben wüsste,
Wo ich doch für mich selbst häufig denke, dass ich wenig bis gar nichts von meinem wahren Leben weiß,
Nur ein paar Hinweise, ein paar undeutliche, schwache Haken und Umleitungen
Möchte ich um Meinetwillen als Spur hier zurücklassen.)
1867
Eine geduldige Spinne lautlos,
Bemerkte ich auf kleinem Vorgebirgsplateau, wo es einsam und verlassen war,
Erkannte, wie die Umgebung, die wüste Wildnis, zu erforschen sei,
Denn sie schoss heraus Faden um Faden um Faden,
Spulte die Fäden beständig ab, sie unermüdlich beschleunigend.
Und du O meine Seele an deinem Standort,
Verloren in deiner Umgebung, dem maßlosen Weltmeer des Alls,
Endlos grübelnd, Vorstöße wagend, im Fluge versuchend den Sphären Verbindung zu geben,
Bis die ersehnte Brücke gefunden, bis der haltende Anker fasst,
Bis die geschleuderten Spinnwebfäden irgendwo Halt finden, O meine Seele.
1868
Diese Lieder gesungen die Reise zu preisen durch die Welt, die ich sehe,
Widme ich der Vollständigkeit halber der Unsichtbaren Welt.
1871
Mach's gut, mein Schätzchen!
Leb wohl, alter Kumpel, stets junge Geliebte!
Ich hau jetzt ab, weiß selbst nicht wohin,
Welchem Schicksal entgegen, weiß nicht einmal, ob ich dich wiedersehn werde,
Also Mach's gut, mein Schätzchen.
Vor meinem letzten Schnaufer lass mich noch kurz zurückblicken;
Langsamer, leiser tickt diese Uhr jetzt in mir,
Abgang, Vorhang der Nacht, und bald setzt das Herzklopfen aus.
Wir haben lange zusammen gelebt, einander erfreut und liebkost;
Wunderbar! jetzt folgt die Trennung Mach's gut, mein Schätzchen.
Lass mich noch nicht übereilen,
Tatsächlich haben wir lange gelebt, geruht, sind durch Filter zusammengeflossen;
Und wenn wir sterben, dann sterben wir gemeinsam (ja, wir bleiben eins,)
Dann werden wir zusammen dorthin gehen, wo wir dem Schicksal begegnen,
Vielleicht sind wir dann besser dran und heiterer, und lernen noch was,
Vielleicht bist es du selbst jetzt, die mich zu den wahren Liedern begleitet, (wer weiß?)
Vielleicht löst du ja selbst den tödlichen Knopf, drückst wirklich die letzte Klinke und deshalb nun endlich,
Mach's gut und grüß dich! mein Schätzchen.
1891
Through the ample open door ot the peaceful country barn,
A sunlit pasture field with cattle and horses feeding,
And haze and vista, and the far horizon fading away.
1865
When I heard the learn'd astronomer,
When the proofs, the figures, were ranged in columns before me,
When I was shown the charts and diagrams, to add, divide, and
measure them,
When I sitting heard the astronomer where he lectured with much
applause in the lecture-room,
How soon unaccountable I became tired and sick,
Till rising and gliding out I wander'd off by myself,
In the mystical moist night-air, and from time to time,
Look'd up in perfect silence at the stars.
1865
Shut not your doors to me proud libraries,
For that which was lacking on all your well-fill'd shelves, yet needed most, I bring,
Forth from the war emerging, a book I have made,
The words of my book nothing, the drift of it every thing,
A book separate, not link'd with the rest nor felt by the intellect,
But you ye untold latencies will thrill to every page.
1865
Word over all, beautiful as the sky,
Beautiful that war and all its deeds of carnage must in time be utterly lost,
That the hands of the sisters Death and Night incessantly softly wash again, and ever again, this soil'd world;
For my enemy is dead, a man divine as myself is dead,
I look where he lies white-faced and still in the coffin I draw near,
Bend down and touch lightly with my lips the white face in the coffin.
1865-6
On a flat road runs the well-train'd runner,
He is lean and sinewy with muscular legs,
He is thinly clothed, he leans forward as he runs,
With lightly closed fists and arms partially rais'd.
1867
When I read the book, the biography famous,
And is this then (said I) what the author calls a man's life?
And so will some one when I am dead and gone write my life?
(As if any man really knew aught of my life,
Why even I myself I often think know little or nothing of my real life,
Only a few hints, a few diffused faint clews and indirections I seek for my own use to trace out here.)
1867
A noiseless patient spider,
I mark'd where on a little promontory it stood isolated,
Mark'd how to explore the vacant vast surrounding,
It launch'd forth filament, filament, filament, out of itself,
Ever unreeling them, ever tirelessly speeding them.
And you O my soul where you stand,
Surrounded, detached, in measureless oceans of space,
Ceaselessly musing, venturing, throwing, seeking the spheres to connect them,
Till the bridge you will need be form'd, till the ductile anchor hold,
Till the gossamer thread you fling catch somewhere, O my soul.
1868
These carols sung to cheer my passage through the world I see,
For completion I dedicate to the Invisible World.
1871
Good-bye my Fancy!
Farewell dear mate, dear love!
I'm going away, I know not where,
Or to what fortune, or whether I may ever see you again,
So Good-bye my Fancy.
Now for my last let me look back a moment;
The slower fainter ticking of the clock is in me,
Exit, nightfall, and soon the heart-thud stopping.
Long have we lived, joy'd, caress'd together;
Delightful! now separation Good-bye my Fancy.
Yet let me not be too hasty,
Long indeed have we lived, slept, filter'd, become really blended into one;
Then if we die we die together, (yes, we'll remain one,)
If we go anywhere we'll go together to meet what happens,
May-be we'll be better off and blither, and learn something,
May-be it is yourself now really ushering me to the true songs, (who knows?)
May-be it is you the mortal knob really undoing, turning so now finally,
Good-bye and hail! my Fancy.
1891