
Dort, wo die Wieseck ein an landschaftlichen Reizen nicht armes Tal bildet, das sich in seinem unteren Teile erweitert und in die breite Gießener Niederung der Lahn ausläuft, liegt inmitten von breiten, waldumsäumten Tälern, ca. 10 Km östlich von Gießen, Reiskirchen im sogenannten Busecker Tal.
Obwohl die Bezeichnung "Busecker Tal" heute für einen ganz bestimmten abgegrenzten Bezirk kaum noch gebraucht und verstanden wird, so erinnert sie doch an ein früher stark vorhandenes Zusammengehörigkeitsgefühl dieser Bewohner, das durch die Jahrhunderte einer ernsten geschichtlichen Vergangenheit mehr und mehr verblaßt ist.
Durch dieses Tal führe einst auch eine der wichtigsten Handelsstraßen von Gießen über Alsfeld nach Thüringen. Auch heute noch führt die inzwischen anders verlaufende Fernverkehrsstraße (Bundesstraße 49) durch Reiskirchen. Diese Straße, die Autobahnen A5 und A480, sowie die Eisenbahn von Gießen nach Fulda halten die Gemeinde geschäftlich und kulturell mit der Außenwelt in Verbindung.
Reiskirchen gehört mit zu den wenigen Orten des Kreises Gießen, die schon vor dem Jahre 1000 n. Chr. Ins Licht der Geschichte getreten sind. Urkundlich wird es am 24. Mai 975 n. Chr. erstmals genannt, wo Kaiser Otto II. eine "proprietas Richolveschircha" in der Grafschaft Hildilins seinem Getreuen Otbrecht für treue Dienste schenkte. Wie nun dieses Gebiet in die Hände des Kaisers kam, läßt sich nur daraus herleiten, daß der Kaiser nach der Katastrophe des Frankenherzogs Eberhard , der im Lahn- und Hessengau Graf gewesen war, im Jahre 939 einen Teil seines Nachlasses einzog.
Der Name Reiskirchen, hat selbstverständlich, wie dies bei all den Ortsnamen der Fall ist, mehrere Wandlungen erfahren.
975 noch Richolveschircha genannt, bezeichnet man es zwischen 1197 und 1208 als Richolveskirchen; 1305 Richolfiskirchen; Ende des 14. Oder Anfang des 15. Jahrhunderts Rüchelinskirchen; 1443 Richelinskirchen und seit 1558 Reiskirchen.
Die Herkunft des Namens ist gemäß dem bis zur Kirchenreform im 11. Und 12. Jahrhundert geltenden Eigenkirchenrecht zu erklären, wo die Kirche nach ihrem Herren (Erbauer) benannt wurde: "Von Richolf gestiftete Kirche". Dieser Name ist dann wahrscheinlich auf die Siedlung übergegangen. Das ist auch ein Beweis dafür, daß der Ort schon in der Zeit der Christianisierung bestanden haben muß, wofür auch die altertümlichen Funde und verschiedene Flurnamen zeugen.
Es war eine für Siedlungszwecke klimatisch äußerst günstige Lage und zum anderen führte ja die Handelsstraße von Gießen über Alsfeld weiter nach Thüringen. Zeugen, die für das hohe Alter unserer Gemeinde sprechen, sind die zahlreichen Funde an Hünengräbern am Schlehberg ( in der Nähe der Autobahn) die bereits der jüngeren Bronzezeit angehören (Hügelgräberbronzezeit 1800 - 800 v Chr.), in denen unter anderen neben Skelettresten ein Spiralring und ein Armreif gefunden wurde. Noch älteren Ursprungs sind die aufgefundenen, von bandcheramischen Siedlern stammenden Schuhleistenkeile aus der Jungsteinzeit (Neolithikum 400 - 1800 v.Chr.). Auch die Bezeichnung Walbergsberg zeugt aus vorchristlicher zeit, der nach den Walküren (Schlachtenjungfrauen) benannt wurde und den damaligen Bewohnern sehr wahrscheinlich für besondere heidnische Bräuche diente.
Ob nun Reiskirchen, durch seine Lage an der Wieseck begünstigt, nahezu während allen Kulturperioden besiedelt war, kann im einzelnen nicht genau gesagt werden; Es ist jedoch als sicher anzunehmen, während die gegen den Vogelsberg hin gelegenen Gemeinden nur vorübergehende Besiedelung aufzuweisen haben.
Gelegentlich wird zwar die Ansicht vertreten, daß es sich bei der Urkunde aus dem Jahre 975 n. Chr. um Reiskirchen bei Wetzlar handeln könnte. Das kann aber nicht gut der Fall sein, da es zu jener Zeit kirchlich schon zum Sendbezik Buseck des Archidiakonats St. Stephan zu Mainz gehörte und Buseck ebenfalls als im Lahn- und Hessengau befindlich aufgeführt wird.
In der Zeit von 975 n. Chr. bis ins 12. Jahrhundert fehlen uns sichere Aufzeichnungen über Reiskirchen. Erst gegen Ende des 12. Jahrhunderts fängt es wieder an hell zu werden. Zu dieser zeit wurden die Grafen Eppstein mit Reiskirchen belehnt. In der Folgezeit finden sich hier eine Reihe hessischer Adeliger im Besitz von Reiskirchen und bis zum Jahre 1827, der Abtretung an Hessen, stand den Herren von Buseck (Vierern und Ganerben) die Patrimonalgerechtsbarkeit zu.
In damaliger Zeit muß auch die Burg erbaut worden sein, von der heute allerdings nichts mehr zu sehen ist. Nur noch die Flurbezeichnungen, wie beim Schloßgarten, vor dem Burgtor, das Hofdriesch der Burgköppel, auf der vorderen Warte, auf der hinteren Warte usw. erinnern daran. Sicher hat diese Burg nicht allein Wohnzwecken gedient, sondern auch dem Schutze der Ortsbewohner in Kriegszeiten. Auch war Reiskirchen von einem Haingraben umgeben, wofür nicht nur die Bezeichnung Häge, Häggraben, Haingraben, Hain, Falltorgraben, sowie die auch hier und da noch erkennbaren Spuren desselben sprechen, sondern auch der erst im Jahre 1876 abgelöste Haingrabenzins.
1226 gehörte die Burg dem Ritter Gisbert von Aschenburnen und seinem Oheim Ernst. In einer Urkunde vom 1. Juli 1307 wird Elyzabeth von Richolfskirchen, in einer anderen vom 1. April 1325 Nicolaus von Gruniberg und von 1340 Inge von Saassen als Eigentümerin ausgewiesen. Die in dem einzelnen Urkunden erwähnten Besitzer waren teils Auswärtige, so daß es ungewiß ist, ob die Burg von dem jeweiligen Besitzern stets bewohnt wurde. Sehr wahrscheinlich wurde sie aber von den Reiskircher Ortssprechern (heute Gemeindevertretung) in Abwesenheit des Eigentümers verwaltet und nur von Zeit zu Zeit bei Besuch der adeligen Güter, die zur Burg gehörten, bewohnt. Sichere Nachrichten, daß sie stets bewohnt wurde, stammen aus dem Jahre 1591, wo Hans Hermann Ösch von Molnheim zu Reiskirchen erwähnt wird.
Diesem, hier zu Reiskirchen wohnhaft war, sein Stammgut aber zu Molnheim hatte, gehörte auch das alte Pfarrhaus, welches er 1591 gegen Keßlers Haus zur Pfarrwohnung an die Gemeinde abtrat.
So befand sich auch zu damaliger Zeit auf dem heutigen Friedhof ein Weinkeller, der zur Burg gehöre.
Die Burg selbst muß zwischen der Wieseck und der Kirche gestanden haben, so daß der sogenannte Hinterborn noch im Burghof war.
In de Folgezeit, vielleicht auch durch die Einflüsse des 30-jährigen Krieges, in dem bekanntlich etwa 80 mal feindliche und freundliche Truppen, sich durch nichts unterscheidend, plündernd unsere Gegend durchzogen, muß die Burg dann allmählich verfallen sein, so daß 1829 die Überreste abgebrochen werden mußten, da bei Regenwetter und stärkerem Wind oft Steine herabrollten und somit eine stete Gefahr darstellten. Später wurde dann damit die Kirchhofsmauer ausgebessert. Das adelige Gut, das zur Burg gehörte, befindet sich seit Beginn des 18. Jahrhunderts im Besitze der Freiherren von Nordeck zur Rabenau. An diese ist es durch Heirat gekommen über Herrn Zwirnlein zu Schweinsberg.
Selbstverständlich wurde durch die vielen Jahrhunderte Reiskirchen in Kriegszeiten keineswegs verschont, sondern es teilte auch mehr oder weniger das Schicksal des Busecker Tales. Zuverlässige Nachrichten darüber stammen aus dem Jahre 1280. Damals wurde u. a. auch Reiskirchen von den Heerscharen des Erzbischofs von Mainz heimgesucht, desgleichen so in den Jahren 1324 und 1327. Ähnlich ging es, als der hessische Landgraf Heinrich II. mit dem sogenannten Sternenbund in Fehde lag (1370 und 1377).
Kaum war dieser letzte Schlag überwunden, wurde das Gebiet wieder von den kurfürstlichen Scharen von Mainz 1401 und 1405 belagert und verwüstet. Diese Schrecknisse wiederholten sich auch im Bauernkrieg.
Im 30-jährigen Krieg wurde die Gegend bis zu 80 mal verwüstet. Auch der sogenannte Hessenkrieg zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt von 1645 bis 1648 brachte Mord, Raub und Verwüstungen mit sich. Dabei wurden die sich in unserer nähe befindlichen Burgen Gleiberg und Staufenberg ebenfalls zerstört. Weitere Bedrängnisse herrschten in den Jahren 1688 bis 1697, 1716 bis 171, 1740 bis 1748 und 1790.
Ein Ereignis, das Reiskirchen zu Anfang des 17. Jahrhunderts besonders schwer traf, war ein Großfeuer, dem in der Osternacht des Jahres 1613 der ganze Ort samt Kirche und Pfarrhaus bis auf 9 Häuser und wenigen Scheunen zum Opfer fiel.
Nun kann man das damalige Reiskirchen keineswegs mit dem von heute vergleichen, denn die Orte waren klein im Vergleich zu heute, dennoch war es ein schwerer Schicksalsschlag für alle Bewohner.
So hatte Reiskirchen zum Beispiel nach dem "Verzeichnis aller Menschenseelen von 1669" 38 Ehepaare, 1 Witwer, 10 Witwen, 99 Kinder und 2 Dienstboten, also zusammen 188 Einwohner. Im Jahre 1885 konnte dagegen Reiskirchen in 139 Wohnhäusern 323 männliche und 376 weibliche Einwohner nachweisen, wovon 23 Juden waren. 5 männliche Einwohner wohnten vorübergehend auswärts; Die Einwohnerzahl war somit vom Jahre 1669 bis 1885 um 520 gestiegen.
Im Jahre 1861 ließ die Gemeinde den Wald auf dem Schlehberg (Schlieberg, heute an der Autobahn) roden und versteigerte den Boden parzellenweise zur landwirtschaftlichen Nutzung unter die einzelnen Ortsbürger. Aus dem dabei erzielen geldlichen Überschuß wurde eine Glocke angeschafft.
1862, am 29. / 30. Juli trat nach einem starken Wolkenbruch die Wieseck über die Ufer, so daß das Wasser auf der einen Seite bis an die Bersöderstaße und auf der anderen Seite bis an den sogenannten Burg- oder Bornküppel reichte.
Seit dem 15. Mai 1881 hat Reiskirchen eine Posthilfstellte.
Die Ereignisse des 1. Weltkrieges, seine Nachwehen und die nachfolgende wirtschaftliche Konjunkturzeit, die Periode des 3. Reiches und seine Folgen sollen hier nicht erörtert werden, da sie zum größten Teil bekannt sind.
Die Kirche liegt hoch im nordöstlichen Teil des Ortes. Ihre Erbauung muß also schon in die Jahre vor 975 fallen. Sie diene nach Einführung der Reformation noch ungefähr 240 Jahre lang ihrer Bestimmung, bis sie in den Jahren 1769 - 1771 abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt wurde. In dieser Zeit wurde das Gotteshaus auch mehrfach größeren Reparaturen, deren bedeutendste in die Zeit vor 1618 fällt, unterzogen.
Sie war dadurch notwendig geworden, da bei dem Ortsbrand von 1613 alle Holzteile bis auf das Gewölbe abgebrannt, und zwei Glocken zerschmolzen waren.
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche derart baufällig, daß die dem Einsturz drohte. Es wurde deshalb beschlossen, das ganze Kirchengebäude, abgesehen vom Turm und dem in ihm befindlichen Chor, der in seinem unteren Geschossen noch aus der Zeit um 1300 stammt, abzubrechen und neu zu erbauen. Damit wurde dann auch im Jahr 1769 begonnen. Diese in den Jahren 1769 - 1771 erbaute Kirche dient auch heute noch ihrer Aufgabe.
Unter den Veränderungen, die in den Jahren seit der Erbauung an der Kirche vorgenommen wurden, verdient eine Umgestaltung des Turmhelmes in Jahre 1859 und eine Instandsetzung der ganzen Kirche erwähnt zu werden. So wurde der Turm um 11 Fuß erhöht und erhielt an Stelle seiner bis dahin aus der zeit nach 1613 stammenden unschönen Kuppel, offenbar einer welschen Haube, den jetzigen Helm.
Bei der in den Jahren 1898 / 1899 durchgeführten Renovation wurde der alte Dachstuhl abgenommen und da der neue noch nicht fertig war, regnete es 4 Wochen lang in die dachlose Kirche, so daß das Kircheninnere derart Not litt und somit eine gründliche Erneuerung nicht mehr zu umgehen war. Es wurden bei ihr der aus dem 15. Jahrhundert stammende gotische Chor, der bis dahin die im Schiff vor ihm aufgebaute Orgelbühne von dem Langhaus getrennt war, freigelegt, der mitten in der Kirche stehende Altar an den vorderen Rand des Chores versetzt, die aus dem 18. Jahrhundert stammenden Bilder der Apostel und Evangelisten wieder hergestellt, und die Kirche im Inneren ausgemalt. Die nächste Instandsetzung erfolgte 1934. Weitere Renovierungen und Instandsetzung, unter anderem der Einbau einer Heizung, folgten. In den 90ziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden die Bilder der Apostel und Evangelisten entfernt und der Innenraum renoviert.
Als Pfarrer wirkten in Reiskirchen unter anderen z.B. vor 1591 Johannes Mengel; Hermann Tümperus von Rauschenberg von 1591 - 1605; Christian Raid von Hersfeld 1605 bis 1606, und Ludwig Haberkorn von Ortenberg von 1606 bis 1613. Nach dem großen Brand von 1613 war dann die Pfarrstelle unbesetzt. Erst ab 1619 wieder wirkte Johannes Armbruster bis 1629 als Pfarrer.
Das erste Pfarrhaus, 1591 von Ritter Hans Hermann Lösch von Molnheim zu Reiskirchen an die Kirchengemeinde gegen Keßlers Haus abgetreten, muß in seinem Grundriß sowie im seinem Äußeren nicht zum besten gewesen sein. Wie von früheren Geistlichen übermittelt, hatte es nur eine Stube und ein Stübchen, in der aber wegen der steten Feuergefahr und der starken Beengtheit ein nur so kleiner Ofen anzubringen war, der die Wohnung nicht genügend erwärmte.
Einem Bericht des Herrn Pfarrer Beck ist zu entnehmen, daß das jetzige alte Pfarrhaus an der Kirche in den Jahren 1740 und 1781 erbaut worden sein muß. Dieses diene dann bis zum Jahre 1907 als Pfarrwohnung, bis es durch das neu erbaute ersetzt wurde.
Soweit zu erfahren, war in Reiskirchen schon im Anfang des 7. Jahrhunderts eine Schule vorhanden. Die älteste genauere Nachricht darüber ist in dem Abschied der Generalvisitation von 1628 enthalten, in dem es unter anderem heißt:
"Ingleichen so sollen die Kirchenseniors daran sein, daß die Eltern ihre Kinder, so tuchtig darzu sein und etwas lernen können, zur Schul schicken oder, da etzliche Eltern das nicht tun wöllen, sondern die Kinder vorsetzlich daheim behalten, so sollen sie dem Schulmeister die Gebuer gleichwohl vor vollents bezahlen, als wenn sie ihre Kinder zur Schul gehalten hetten. Doch wird dem Schulmeister auch hiermit anbefohlen un deingebunden, da etwa die Eltern arm und unvermögend sein, daß er hierbei gute Discretion gebrauche, die Kinder vergeblich lehre und die Eltern des gewohnlichen Lehrgeldes erlasse."
Von der Errichtung der Schule an waren die Reiskircher Lehrer verpflichtet, den Glöcknerdienst zuversehen, sowie bei den Gottesdiensten und deren Handlungen als Vosrsinger oder Ordgelspieler tätig zu sein. Als erster Lehrer wirkte damals in Reiskirchen Kaspar Jünger bis zum Jahre 1684.
Untergebracht war die Schule zunächst im jetzigen Wohnhaus der Familie Eisenfeller (bereits einige Jahre abgerissen), direkt an der Kirche. Dazu bemerkte der damalige Pfarrer Beck im Jahre 1740, daß es sich im einem schlechten Zustand befand, aber dennoch bis zum Jahre 1837 dazu dienen mußte, wo dann die Gemeinde das jetzt als alte Schulhaus auf dem Wasen erbauen ließ. (abgerissen, heute Standort der Postfiliale). Dieses Schulhaus wurde 1888 aufgestockt und durch das am 15. Oktober 1911 eingeweihte neu erbaute Schulgebäude erweitert, da die vorhandenen zwei Unterrichtsräume nicht mehr ausreichten. Ab 1889 wirkten erstmals zwei Lehrer.
Weiter verdient erwähnt zu werden, daß das ehemalige Backhaus in der Burkhardsfelder Straße früher als Rathaus bezeichnet wurde, denn oberhalb der Backstube befand sich ein Zimmer, das man die Gemeindestube nannte. Einzelne Ältere Leute wissen noch davon zu berichten, daß dort von ihren Eltern die Steuern bezahlt wurden (nach einem Unfall mit LKW abgebrochen).
Das alte Spritzenhaus stand im Oberdorf an der Stelle wo sich jetzt das Backhaus befindet, und zwar gegenüber der ehemaligen Wohnung des Heinrich Nürnberger. Es muß sich dabei um der Platz handeln, der sich heute im Besitz der Familie Karl Damm befindet. Dieses Haus gehörte dann Herrn von Zwirnlein zu Schweinsberg, der es an die hiesigen Juden zur Einrichtung einer Synagoge vermietet hatte.
Im Jahre 1558 wurde auch von Heinrich Neukastell, dem Gatten des adligen Fräuleins Anna von Trohe, eine Mühle zu Reiskirchen erbaut, die aber von den Vierern und Ganerben des Busecker Tales mit Gewalt abgebrochen wurde, weil er wahrscheinlich seine Unabhängigkeit gegen diese hatte behaupten wollen. Wo die von ihm erbaute Mühle gestanden hat ist zwar ungewiß, jedoch ist anzunehmen, daß sie zwischen Bahnlinie und Bersröder Straße, etwa in der Höhe des Hauses von Herrn Karl Stock gestanden hat. Zwar wird von Herrn Pfarrer Beck berichtet, daß es sich um eine Windmühle gehandelt haben muß, da die Wieseck hier nur geringes Gefälle aufweist und somit kein Wasserrad trieben konnte. Ausgrabungen nach 1900 haben aber ergeben, daß etwa 100 m östlich des Festplatzes das Wasser aus der Wieseck abgezweigt und im Bogen nach der Bersröder Straße über zwei Staustufen der Mühle zugeleitet wurde. Auch die Flurnamen wie die Mühläcker und die Bezeichnung "Weihere" (Wasserstauung) deuten noch heute auf diese Mühle hin.
Nach diesem kurzen geschichtlichen Ausflug nun noch einiges zur heutigen Zeit.
Seit dem Abschluß der Gebietsreform 1977 besteht Die Gemeinde aus folgenden ehemals selbständigen Orten (Einwohner): Reiskirchen (4174), Bersrod (834), Burkhardsfelden (1108), Ettingshausen (1889), Hattenrod (650), Lindenstruth (992), Saasen (1189) und dem kleinsten Ortsteil mit nur 38 Einwohnern Winnerod.
Die Einwohnerzahl wuchs von 195 Leuten im Jahre 1665 auf 10873 Personen (30.06.2000), die auf einer Gesamtfläche von ca. 4497 ha (davon ca. 1248 ha Wald) leben. Die einst landwirtschaftlich geprägte Bevölkerungsstruktur hat sich im Laufe der Jahre doch erheblich gewandelt. Heute überwiegen eindeutig Handel und Gewerbe. Es finden sich nur noch einige Vollerwerbslandwirte in unsrer Gemeinde, sowie Pferdepensionen und Reiterhöfe bzw. Reitanlagen. Handel und Gewerbe stellen heute die meisten Arbeitsplätze. Die Struktur reicht von kleinen Handwerksbetrieben, mittelständige Industrieunternehmen bis zum Groß- und Einzelhandel. Das einst dörfliche Erscheinungsbild der Gemeinde hat sich auch sehr verändert. Die in den letzten Jahren entstandenen Neubaugebiete sind teilweise nur noch reine "Schlafstätten". Dieser Trend kommt auch durch die verkehrsgünstige Anbindung der Gemeinde zustande (Autobahnen A5, A480, Bundesstraße B49, Bahnlinie Gießen-Fulda). Unsere Gemeinde zählt heute zum Einzugsbereich des Rhein-Main-Gebietes.
Das Vereinsleben in der Gemeinde ist sehr aktiv. Innerhalb der Gemeinde finden sich freiwillige Feuerwehren, Gesangvereine, Kegelklubs, Heimatvereinigungen, Kleintierzuchtvereine, Sportvereine, Tennis- und Golfklub und einige andere Gruppierungen und Vereine. Die Vereine betreiben, neben der Jugendpflege der Gemeinde, eine mehr oder weniger aktive Jugendarbeit.
Im Gemeindeparlament herrscht seit der Kommunalwahl am 18.03.2001 folgende Sitzverteilung: SPD 14, CDU 13, FWG 6, GRÜNE 2, CSWU und die FDP je 1 Sitz.