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Die Wikinger |
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Blauzahns geheimnisvolle Burgen Von den rauhen Nordmännern, die den zweifelhaften Ruf der Wikinger einst begründeten, ist heute wenig geblieben. Dafür lernen wir das Leben derjenigen "Wikinger" immer besser verstehen, die eigentlich gar keine waren, weil sie zu Hause blieben. Immer wieder stoßen Archäologen auf beachtliche Zeugnisse einer gut organisierten Gesellschaft. Zu den bedeutendsten wikingerzeitlichen Ingenieurleistungen zählen vier geheimnisvolle, nirgends erwähnte Ringburgen: Trelleborg auf Seeland, Aggersborg und Fyrkat in Nordjütland und Nonnebakken auf Fünen. Auf der Spitze einer flachen Landzunge, etwa sechs Kilometer westlich der Stadt Slagelse, liegt Trelleborg, eine sechs Hektar große Anlage von bestechender Geometrie: 16 Langhäuser innerhalb eines sechs Meter hohen kreisrunden Walles von 137 Metern Durchmesser. In der Mitte kreuzen sich zwei Bohlenwege. Sie verbinden die vier Tore des Ringwalls, welche nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet sind. In jedem Burgviertel stand ein Karree aus vier gleichartigen Langhäusern, die zusammen etwa 500 Menschen Platz boten. Wer auf den Holzplanken zwischen den markierten Pfosten der Häuser umherwandelt, spürt die schlichte Schönheit dieser kleeblattartigen Siedlung. Hier zeigen sich die Wikinger stilbewußt, selbst die Wände der Hallenhäuser passen sich harmonisch der Kreisform an. Der holzverstärkte gewaltige Ringwall verschlang 20 000 Kubikmeter Erde. Palisaden, Wehrgänge und zwei beachtliche Wallgräben boten zusätzlichen Schutz. Nach Schätzungen der Archäologen fielen dem Bau der Burg etwa 8000 Eichen zum Opfer. Bereits 1941 rekonstruierten die Ausgräber neben der Burganlage eines der knapp 30 Meter langen Hallenhäuser. Der dunkle Aufenthaltsraum versetzt uns in die Zeit der Wikinger. Besonders dann, wenn ein Mitarbeiter in historischer Tracht von Zwergen und Trollen erzählt. Jeweils am zweiten Wochenende im Juli treffen sich historisch Interessierte aus ganz Dänemark zum traditionellen Wikingermarkt. In einem beschaulichen Flußtal südwestlich von Hobro in Nordjütland liegt die Wikingerburg Fyrkat. Auch hier sind die ehemaligen Pfostenlöcher mit Zement markiert. Unweit des Ringwalls steht die moderne Rekonstruktion eines Wikingerhauses. In der ersten Junihälfte dient es als authentische Kulisse für das Wikingerschauspiel von Fyrkat. Im benachbarten Wikingerdorf kann man Brot backen oder den Frauen bei der Handarbeit zusehen. Die Burg Nonnebakken liegt inmitten der Stadt Odense auf Fünen. Leider hat ein mittelalterliches Nonnenkloster fast alle Spuren der ursprünglichen Ringburg ausgelöscht. Auch von der gewaltigen Aggersborg am Nordufer des Limfjord - sie mißt 240 Meter im Durchmesser - hat der Pflug nur wenig übriggelassen. Was bleibt, ist die Altersbestimmung der Eichenpfosten aus den vier Befestigungsanlagen. Die Abfolge der Wachstumsringe verrät, daß die Bäume um 980 n. Chr. gefällt wurden. Danach könnte Harald Blauzahn als Bauherr in Frage kommen. Sein Lebenswerk war die Einigung Dänemarks zu einem Reich, und dafür brauchte er Stützpunkte gegen seine inneren und äußeren Feinde. König Blauzahn kam bei einem Aufstand ums Leben. Mit seinem Tod verloren die teuren Prestigeobjekte an Bedeutung - bis die Archäologie dieser kurze Epoche der Wikingerzeit wieder zu neuem Leben verhalf. |