Die Saga vom Pfeile-Odd
Der folgende Text stammt aus einer Wikingersaga, die bereits Ende
des 13. Jahrhunderts von einem unbekannten isländischen Verfasser
aufgeschrieben wurde. Der Held Pfeile-Odd (Örvar-Odd) erregt schon
als Kind Aufsehen durch seinen geschickten Umgang mit Bogenpfeilen und
erlebt auf seinen Wikingzügen blutrünstige Abenteuer. Und als das
Winterhalbjahr fast verstrichen ist, machen Odd und seine Leute ihre
Schiffe für eine Fahrt außer Landes bereit. Sie haben jetzt fünf
Schiffe. Odd wählt jetzt die Mannschaft sorgfältig aus und als sie
fertig waren, geht er zu seinem Vater und sprach: Nun sollst du uns
den Wikinger zeigen, den du für den schlimmsten und schwierigsten hältst.
Grím sagt: Es verhält sich nunmehr sowohl so, daß ihr bedeutend
seid, als auch, daß ihr euch dafür haltet. Ich möchte euch nun den
Weg zu jenen beiden Wikingern zeigen, von denen ich weiß, daß sie
die größten und die besten sind. Der eine heißt Hjálmar en Hugumstóri
und der andere or Stafngláma. Odd sprach: Wo halten sie sich in
Friedenszeiten auf, und wieviel Mannschaft haben sie? Grím sprach:
Sie haben fünfzehn Schiffe und hundert Mann auf jedem Schiff, und sie
haben ihre Heimat in Schweden. Dort herrscht ein König, der Ingjald
Illrá i heißt. Sie haben dort ihre Landbefestigung, und jeden Sommer
sind sie auf dem Meer auf Heerfahrt.
Odd und seine Leute sagen seinem Vater nun Lebewohl. Sie segeln jetzt
in östlicher Richtung am Land entlang. Es wird nichts von ihrer Fahrt
berichtet, bis sie vor Schweden ankamen und sich dort an eine
Landzunge legten, die sich in die See hinausstreckte. Sie spannten
Zeltplanen über ihre Schiffe, und dann gingen sie an Land auf die
Landzunge. Und dort lagen jene auf der anderen Seite an der Landzunge
mit fünfzehn Schiffen, Hjálmar und or . Und sie hatten Feldzelte an
Land und waren dort in der Nähe der Zelte bei Wettkämpfen. Odd geht
nun mit seinen Leuten zurück zu ihren Schiffen, und sie erzählen
dort die Neuigkeit. Gu mund fragte, was sie nun machen sollten. (...)
Odd sprach: Diese Männer kann man nicht unerwartet angreifen. Wir
werden die Nacht über lagern.
Kampf mit Hjálmar
Nun machen sie es so, und sobald es hell genug war, legen Odd und
seine Männer die Rüstungen an und gehen an Land zum Kampf mit Hjálmar.
Und sobald Hjálmar und seine Leute Wikinger in voller Rüstung an
Land sehen, wappnen sie sich, und die ganze Mannschaft ging auch an
Land, Odd und seinen Männern entgegen, und sobald er einen Zuruf erhält,
fragt Hjálmar, wer das Kommando über die Männer führe. Odd sagt,
er sei es. Hjálmar sprach: Bist du der, der vor einigen Wintern nach
Bjarmaland fuhr, was ist das Ziel deiner Fahrt hier? Odd sagt: Ich
will herausfinden, wer von uns beiden der Bessere ist. Hjálmar sagt:
Wie viele Schiffe hast du? Odd sprach: Wir haben fünf Schiffe und
hundert Männer auf jedem, und wieviel habt ihr? Wir haben fünfzehn
Schiffe , sagt Hjálmar, und hundert Mann auf jedem, aber das wird für
dich nichts zu bedeuten haben. Hier werden zehn Schiffe im Hafen
bleiben, und ein Mann soll jeweils einem Mann entgegentreten. Odd
sagt: Anständig ist das gesprochen.
Und danach rüsten sich beide Seiten, ordnen ihre Mannschaft zum
Kampf, und dann kämpfen sie, solange es Tag ist. Da wird der
Friedensschild emporgehoben, und Hjálmar fragt Odd, wie er denke, daß
es den Tag über gegangen sei. Odd äußerte sich zufrieden. Willst du
das Spielchen öfter? sagt Hjálmar. Ich habe nichts anderes vor ,
sagt Odd, weil ich noch nie zuvor einen so streitbaren Kerl getroffen
habe. Nun verbinden die Männer ihre Wunden am Abend, und beide Seiten
begeben sich zu den Feldzelten.
Törichte Männer?
Aber am Morgen ordnen beide Seiten ihre Leute zur Schlacht, sie rüsten
zum Kampf und schlagen sich den zweiten Tag. Am Abend wurde der
Friedensschild emporgehoben, und da fragt Odd, wie er denke, daß es
gegangen sei. Hjálmar äußerte sich zufrieden: Und willst du dieses
Spiel noch einen dritten Tag? Ja , sagt Odd, jetzt gilt es, zwischen
uns die Entscheidung zu suchen. Da sprach or : Gibt es große Aussicht
auf Beute auf deinen Schiffen? Das ist nicht der Fall , sagt Odd, da
wir den Sommer über keinen Besitz angesammelt haben. Ich habe noch
nie von törichteren Männern gehört , sagt or , als hier, weil wir
uns nur aus Übereifer und Ehrgeiz schlagen. Was willst du tun
deswegen? sagt Odd. Ich will , spricht or , daß wir eine gemeinsame
Streitmacht gründen. Das gefällt mir sehr , sagt Odd, aber ich weiß
nicht, was Hjálmar darüber denkt. Hjálmar sprach: Ich bestehe nur
auf die Wikingergesetze, die wir schon immer hatten. Odd sagt: Ich möchte
sie hören, bevor ich zustimme.
Hjálmar sprach: Weder ich noch meine Mannschaft wollen je rohes
Fleisch essen noch Blut trinken. Es ist die Sitte vieler Männer,
Muskelfleisch in einem Tuch auszuwringen und es dann gekocht zu
nennen, aber mir kommt es so vor, als ob dieser Fraß für die Wölfe
sei. Ich will weder Kaufleute überfallen noch von Bauern mehr rauben,
als ich an Schlachtvieh am Strand für die Schiffe als Verpflegung
brauche, und danach jedoch den Preis dafür rechtmäßig festsetzen.
Ich will außerdem nie Frauen ausrauben lassen, auch nicht, wenn sie
mit großem Vermögen ausgestattet sind. Weiterhin wird keiner meiner
Männer eine Frau nötigen oder gegen ihren Willen zum Schiff bringen
. Solch ein Mann soll nichts weniger als sein Leben einbüßen, sei er
reich oder arm.
Odd sprach: Deine Gesetze scheinen mir gut, und ich will mich ihnen
allen beugen.
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