Haus Eich - Die Tage der Besinnung
Am ersten Februar, im Jahre 1999 des Herrn, brachen wir,
die damalige Religionsgrundkurse Ring, Steinhauer, Bubolz und der
Philosophiegrundkurs Pelzer, zu unseren Tagen der Besinnung im
Aachener Haus Eich auf.
Die Anreise mit dem Zug lief, bis auf einen kleinen tierischen
Zwischenfall am Mönchengladbacher Hauptbahnhof (wo sich eine
Taube dreister Weise erlaubte ihre Fäkalien auf dem, zugegeben
sehr einladenden, Kopf eines bereits vorbelasteten Mitschülers
(der anonym bleibt) zu deponieren), durchweg glatt ab.
Im Haus Eich angekommen, begann auch sofort der Kampf um die
Zimmerverteilung, welcher anschließend jedoch noch genug Zeit
für eine ausgiebige Inspektion der Unterkunft und des Geländes
ließ, bevor wir zu unserem ersten Essen in der Mensa
zusammenkamen. Trotz unterschiedlicher Rückmeldungen, denke ich
behaupten zu können, dass das Essen im großen und ganzen über
die Tage respektabel war.
Auf die Nahrungsaufnahme folgte sofort eine Zusammenkunft in der
Aula des Hauses, wo der grundlegende Ablauf der Tage, gewisse
Regeln und die Einteilung der Gruppen besprochen wurde. Die
GruppenleiterInnen waren sowohl von ihrem Alter, als auch von dem
äußeren Erscheinungsbild auf den ersten Blick, im positiven
Sinne, nicht das was wir erwartet hatten. Schließlich sollten
wir in den folgenden Tagen feststellen, das uns unser erster
Eindruck nicht getäuscht hatte. Denn die jungen
GruppenleiterInnen waren keine spießig konservativ kirchen
gebundenen Priesteranwärter, sondern ganz normale
Durchschnittsmenschen, die mit unkonventionellen Methoden
überraschten. In den Gruppen setzten sie nur die äußeren
Rahmenbedingungen, in denen wir unsere Gedanken frei entfalten
konnten. Ablauf und Inhalt der Gespräche und Aktionen konnten
wir selber festlegen. So waren die meisten Themen hauptsächlich
ethisch- moralisch ausgelegt und nicht streng kirchlich-
religiös. Diese uns überlassene Freiheit sprengte letztlich
auch unsere vorurteilsbehafteten Vorstellungen der Exerzitien und
band fast alle in die Diskussion mit ein, was ein streng
kirchlicher Ablauf gewiss nicht erreicht hätte.
Aufgelockert wurden die Grundsatzdiskussionen, die recht liberal
abliefen, außerdem noch durch eine Reihe kleiner Spielchen, die
zwar nichts mit Besinnung zu tun hatten, aber eine willkommene
Auflockerung zu den langen Sitzungen waren.
Durch die Möglichkeit der freien Themengestaltung und die
ungezwungene Atmosphäre, so denke ich, hatten die Gruppenstunden
für viele einen durchaus besinnenden Effekt!
Doch wenn ich hier von den Tagen in Haus Eich berichte, so muss
ich auch die Abende und Nächte beschreiben. Denn nach dem
Abendessen standen uns auch mehrere Möglichkeiten zur Gestaltung
des Abends zur Wahl. Am frühen Abend lockte Herr Steinhauer mehr
als die Hälfte der Mitgereisten in einen Raum zu seiner
Meditationsstunde, die für viele Schüler eine neue Art der
Bewußtseinserweiterung darstellte und ein voller Erfolg war.
Eine andere Form der Ausdehnung des Bewußtseins, die
wahrscheinlich allen bereits bekannt war, war uns auch gestattet,
der Konsum von minderprozentigem Alkohol, im Volksmund auch Bier
genannt. Für die Abende stand uns die hauseigene Disco zur
Verfügung, die außer einer dürftigen Anlage auch noch eine gut
ausgerüstete Bar vorweisen konnte. So feierten wir jeden Abend
in lockerer Atmosphäre mit Beteiligung des Lehrkörpers, bis wir
schließlich um etwa ein Uhr den Saal zu räumen hatten und alle
brav auf ihre Zimmer gingen um tot müde in die Betten zu fallen
und sofort einzuschlafen, da uns ja der Konsum von Alkohol auf
den Zimmern untersagt war, woran wir uns auch strengstens
hielten.
Leider wurden die Tage von einer Grippeepedimie überschattet,
die neben Herrn Bubolz auch mehrere Schüler zur Strecke
brachten.
Alles in allem betrachtet fiel das Resümee der meisten
Teilnehmer doch recht positiv aus. Die lockere Gestaltung der
Gruppenstunden, die unkonventionellen Gottesdienste, die reiche
Ausstattung an Freizeitmöglichkeiten, die feuchtfröhlichen
Abende sowie die ein oder andere lustige Aktion, machten diese
Veranstaltung für uns unvergessen und sicherlich auch für die
zukünftigen Stufen attraktiv. Ich hoffe, dass wir mit diesem
Artikel vielleicht auch bestimmte Vorurteile zu unseren
Exerzitien abgebaut haben: "Eich dat iss nur saufen, saufen,
saufen!" oder: "Näää, da wird nur brav gebetet und
um 7 geht das Licht aus!" Ich denke diese beiden
Vorstellungen sind so nicht haltbar. Haus Eich, das ist die
gelungene Kombination aus feierlichem Sein und nachdenklichen
Bewußtsein.
Mathias
Kluth