Kultur oder Chaos - 10 Tage Toskana

Am 05.August 1999 trafen sich 30 Schüler und Schülerinnen der Lk's Mathe und Chemie, zusammen mit ihren Lehrkörpern Dr. Dietsch und Fr. Heitzer an der Schule um die ca. 20 stündige Busfahrt in die schöne Toskana in Angriff zu nehmen.
Sowohl die Stimmung der Lehrer, als auch die der Kurse war trotz der bevorstehenden Strapazen doch sehr gut. Dies mag zum Einen am reichlich vorhandenen Platz (50 Sitze für 32 Leute) als auch am noch reichlicher vorhandenen Bier gelegen haben. Als wir es zu späterer Stunde endlich geschafft hatten im deutlich überklimatisierten Bus einzuschlafen, wurden wir auch schon durch unseren Busfahrer, mit Hilfe von WDR 4, wach gequält. Knapp der Lynchjustiz entgangen, wurde er von Herrn Meier, der uns nun die nächsten Tage ertragen durfte, abgelöst.

Am Hotel angekommen, wussten wir nicht was schlimmer war, das "Hotel" oder die Hitze. Es war kaum vorzustellen, wie viele Zimmer man in ein Haus, dieser Größe, hinein bekommen kann:

Doch in den Genuss dieser Platzverhältnisse kamen wir erst nach diversen Bettentauschaktionen.
Des weiteren fanden sich in Form der Flure unglaubliche Platzressourcen, welche zu den allabendlichen Feten ausgiebig genutzt wurden. Dies konnte auch die italienische Jugend-Rennradnationalmannschaft nicht verhindern.
Der von uns ausgewählte Ort Montecatini Terme entpuppte sich jedoch als mondäner (d.h. teurer) Kurort, so zusagen das Sylt Italiens. Doch schon bald lernten wir den Einfluss des mediterranen Klimas auf Bevölkerung und Gewerbe kennen. Sämtliche Geschäfte schlossen pünktlich um 11.30h und öffneten nicht vor 16.00h erneut ihre Pforten. Auf der hoffnungslosen Suche nach einem geöffneten Supermarkt oder Restaurant waren die einzigen menschlichen Wesen andere Kursfahrtteilnehmer.
Nach dem Genuss (?) eines, durch selbst erstandene Nutella und Salami, nicht wirklich reichhaltig und genießbar gewordenen Frühstücks ("Was ist frischer das Brot oder die Marmelade ?"), machten wir die Toskana unsicher.
Auf unseren zahlreichen, zugegebener Maßen wider Erwarten doch recht interessanten,
Exkursionen besuchten wir Florenz, Pisa, Lucca, Vinci, Pistoia (Geisterstadt ??) sowie Montecatini Alto. Bei der Planung dieser Besuche bildeten sich drei Parteien. Zum ersten
Fr. Heitzer, ihres Zeichens Kultur-Junkie: "Wir müssen das Museum wirklich besuchen, das soll ganz toll sein." Ergebnis: Besichtigung von mindestens 10 Kirchen, 4 Museen, 7 "berühmten" Bauwerken sowie unzählige andere Brücken, Plätze und Stadtmauern. Die zweite Partei setzte sich zusammen aus sämtlichen Kursteilnehmern der LK's. "Fr. Heitzer wenn wir jetzt schon wieder zuerst die ganzen Dinger besuchen, haben wieder alle Restaurants geschlossen !" Ergebnis: Frau Heitzer setzt sich durch ("In der Schule gibt es keine Demokratie !") und sämtliche Restaurants haben geschlossen. Doch wer jetzt meint, dann geht doch zu McDonalds, dem sei gesagt, es gibt trotz anderer Meinung ("Es gibt Mäckes in Pisa, meine Mutter war da schon auf Toilette !") nur in Florenz McDonalds, dafür aber direkt 5x. Last but not least die dritte Partei bestehend aus Dr. Dietsch ("Ist mir eigentlich egal was wir machen.") welche zur Freude aller Schüler als Bremser für Fr. Heitzer (Name ist Programm) fungierte. Doch Dank der fast immer pünktlichen Abfahrt des Busses (Ja, Herr Dietsch Lucca ist eine große Stadt: "Und Thomas sagt mir auch nicht, das wir hier nicht richtig sind!") kamen wir meistens pünktlich zum Abendessen in unser mittlerweile liebgewonnenes Heim zurück.
Das Abendessen war, auch wenn es das Frühstück nicht vermuten ließ, außerordentlich gut. Meistens bekamen wir, dank der netten Bedienungen oder waren es Verständigungsprobleme, "Alta Pasta ?" "Basta Pasta ?" , wobei die Antwort meistens in Form von Nudeln auf dem Teller landete, reichliche Portionen.
Unbestrittene Höhepunkte der Fahrt waren jedoch unsere beiden Strandtage und die Entdeckung des IperCoop, ein riesiges Einkaufsparadies mit 50 Kassen, welches grundsätzlich total überfüllt war (Fr. Heitzer: "Ihr habt eine Viertelstunde, beeilt euch mal was!"). Hier fanden sich jedoch alle zum Überleben notwendigen Sachen, von B wie Bier über L wie Lasagne bis zu W wie Weinkanister (5l).
So ausgerüstete machten wir uns auf zum Strand. Dort verbrachten wir mit die beste Zeit des ganzen Urlaubes, wozu auch die perfekt zu sehende Sonnenfinsternis beitrug.
Dieses wohl einmalige und eindrucksvolle Ereignis zeigte sich uns in seiner 93%igen Pracht. Es wurde von uns mit gutgeschütztem Auge und (noch nicht so) warmen Bier gefeiert.
Obwohl (oder gerade deswegen) wir für die Italiener wie typische deutsche Pauschaltouristen ausgesehen haben müssen, wollten uns irgendwelche komischen Typen (JallaJallas) immer wieder ihren Schund andrehen (Dr. Dietsch: "Nix Kollege, nix kaufen, jalla jalla !"). Denn dank Frau Heitzers rudimentären italienisch Kenntnissen konnte sie uns sagen was "Hau ab !" auf italienisch bedeutet. Doch auch in anderer Hinsicht halfen uns unsere Tutoren, so zum Beispiel bei der Vernichtung lauwarmen Bieres, zur Gewinnung von Material für unsere Vernissage "Kunst aus Dosen" (Dr. Dietsch: "Kann ich euch auch bauen helfen ?"):
Nicht zu vergessen sind natürlich unsere beiden Weinproben, welche sehr interessant waren. Obwohl die erste Weinprobe leider nur von 28 Schülern besucht wurde, war sie doch sehr schön und reichlich. Wobei sich Essig nicht nur als relativ lecker, sondern auch als Magen-Darm-Kur erwies (Olaf: "Der Essig muss weg ! Mach das Glas ruhig voll ... Prost !" bzw. Essig contra Durchfall). Auch die Lehrkörper waren dem Rebensaft nicht abgeneigt, so hatten sogar Mathelehrer(innen) ihre Probleme mit dem Zahlenraum von 1-28. (Fr. Heitzer: "1, 2, 3,
4, ...30. Alle Schüler da, wir können fahren !). Doch auch die zweite Weinprobe war recht amüsant, wenn auch nicht so gemütlich wie die Erste.
Während wir am ersten Abend noch voller Hoffnung auf der Suche nach Discos, Bars oder jungen Leuten im Allgemeinen waren, hielten wir uns, aufgrund des enttäuschenden Ergebnisses, an den weiteren Abenden bevorzugt im Hotel auf. Auch das nach einigen Tagen entdeckte Stadion, wo sich abends sogar Jugendliche trafen, war nicht so berauschend. So blieb uns nichts anderes übrig, als mit oder ohne Spiele den Abend zu verbringen und dabei mehr oder weniger viel Alkohol zu vernichten ("Lass noch mal die Luft aus dem Glas !", "Da sag ich nicht nein." , "Bevor ich mich schlagen lasse...."). Der Spaß kam nie zu kurz und wurde teilweise sogar durch den Hotelier ("Papa Reggio"), der uns Vandalismus und mutwillige Zerstörung seines Hotels vorwarf erheblich gesteigert. (Dr. Dietsch: "Der hat dann Terz gemacht, wegen Alkohol auf den Zimmern, obwohl er selbst so breit war wie eine dreispurige Autobahn.")
Trotz all dieser Sachen fiel uns am Schluss der Abschied doch schwer, schließlich hatten wir das Hotel gerade unseren Bedürfnissen angepasst.
Die Rückfahrt gestaltete sich bis auf eine Ausnahme erheblich ruhiger als die Hinfahrt. So fand Dr. Dietsch im Gang, genau vor der Toilette, einen äußerst bequemen Platz zum schlafen und teilte dies durch penetrantes Dauerschnarchen (man hört ihn sogar durch Holztüren) auch dem Rest des Busses mit.

Abschließend kann man sagen, dass nicht nur gutes Wetter und gute Stimmung in den Kursen selbst, sondern auch das Verhalten der Lehrer (Nähkästchengeschichten und ähnliches) sehr zum gelingen der Fahrt beigetragen haben.

Zum Schluss möchten wir uns noch bei unseren beiden Begleitern bedanken.


Markus Möske, Michael Römer