GK Philosophie

 
     
  Lehrer:
Herr Peltzer
 
     
 

Spiel mir das Lied vom Paul

 

In einer fernen Zeit, in einem fernen Raum,
die Stadt Korschenbroich, ein Bürgertraum.
Das Land freier Menschen, so könnte es sein,
doch mischte sich immer auch Böses mit ein.
Ein Mann der Wahrheit kam irgendwo her,
mit der Ausdauer wie ein Wolf und ein Bär;
Beschützer der Schwachen, er trotzt jeder Gefahr
als der Lucky Didi bekannt er nun war.

Wer von uns kennt ihn nicht, diesen Anblick? Ein Schal und ein Hütchen zum Schutz gegen die "Scheiß-Kälte" in den Niederungen der Schule, ein Korb mit Tee und Dokumenten sowie ein Blick, aus dem alles Leid der Welt zu sprechen scheint. So geht er dem Sonnenaufgang entgegen. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer: Hans-Dieter Peltzer, alias Lucky Didi, verwegener Philo-Cowboy im Auftrag der Gerechtigkeit ist in der Stadt! Gefolgt von einer Bande Gesetzloser, bekannt als "Philo-GK", gleitet sein Blick unerschrocken über die Weiten seiner Anhänger (ca. zehn). Lucky Didi, der Mann, der für jeden (rhetorischen ) Gegner nur eine Patrone braucht, zieht schneller als man "Kant" sagen kann. Ein geschulter Totengräber erkennt Didis Handschrift sofort, denn auf jeder seiner Kugeln steht ein Name, Namen wie Aristoteles, Platon, Aquin oder Heidegger, eine präziser und treffsicherer als die andere. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, seinen Anhängern das Schießen (Nachdenken und Klausuren und Referate schreiben) beizubringen. Dabei steht von Anfang an fest: Sein Name ist Gesetz, auch wenn er die Zügel locker hält. "Zuerst muß die Distanz zum Ziel mit dem roten Faden abgemessen werden", raunt er durch die rauchgeschwängerte Luft. "Nur so kann man den Zweck (für wahre Cowboys: die Zielscheibe) treffen." Allerdings ist Lucky Didi dabei klar, dass seine Bande von Vogelfreien angemessen verpflegt sein will, zum Beispiel mit selbst geschossenen Schokoriegeln oder dem inzwischen berühmten "Philo - Kaffee", einem Destillat des Irokesenhäuptlings "Heiße Luft" (alias Meisterreferent Johannes Daners) und seiner Squaw "Kleiner Becher" (alias Meisterkritikerin Christina Heupts). "Ist erst einmal für das leibliche Wohl gesorgt", denkt Lucky Didi, "dann läßt sich auch das Zielen viel besser üben." Die richtige Entscheidung, denn so ist der Philo-Gk bereit, bis zu 90 Minuten am Lagerfeuer zu sitzen und seinen Geschichten von dem Stamm der Korschenbroicher Beamten- Indianer oder dem "alten Lied" über seinen Freund Paul Cremer zu lauschen. Geschichten von längst vergangenen, berühmten, historisch aufgearbeiteten Cowboylegenden (Philosophen), die Didis Bande jedoch nicht alle versteht (denn Griechisch, das ist nicht ihr Ding). "Betrachtet die Herde", meint Lucky Didi und lehrt die Gruppe zum Beispiel, dass nach dem guten alten Friedrich - Wilhelm Nietzsche der Mensch seinem Vieh doch ziemlich ähnlich sein kann. Aber obwohl sich unser Held die größte Mühe gibt, schaffen es manche, bei den Zielübungen nicht immer den Zweck zu treffen, sondern vielmehr, sich die eigenen Füsse wegzuschießen. (Nicht wahr, Peter H.?). Andere wiederum legen sogar an, ohne geladen zu haben (Nicht wahr, Frank E.?). Lucky Didi kennt jedoch die Gefahren des Daseins in der Philo-Prärie, lässt dabei stets die sogenannte "clementia" sowie die "humanitas" (für die wahren Cowboys: Milde und Menschlichkeit) walten. Ein Trick, den nur wenige kennen, und den er von seinem Galgenbruder und Mentor Professor Doktor Volkmann-Schluck gelernt hat. Gerade diese Art der Zielübung bringt ihm hohes Ansehen bei seinen Anhängern ein. So beliebt wie er ist, so wird er jedoch auch von der Schar seiner Feinde gefürchtet. Denn Lucky Didi ist dafür bekannt, bei den Klüglingen, die seinen Kopf fordern, immer wieder den Hals aus der Schlinge zu ziehen. Und dies sogar noch mit einem lockeren Spruch, wie "Da sträuben sich dem Philosophen die Haare oben und unten!". "Scherentaktik", nennt er dies. "man muß sich immer einen Weg offen halten."
Wenn der Tag dann ein Ende findet, sucht unser Held Erholung und Muße in den Armen seines geliebten Cowgirls Reny Freshcorn (alias Renate Frischkorn), die er nur liebevoll "Pütti" nennt. Oder bei seinem Gaul "Jolly Otto" (Schildkröte Otto, eigentlich Ottilie). Bei ihnen schöpft er Kraft, um seine Bande ertragen und schulen zu können. Und so kann der erkennende Betrachter guten Gewissens berichten, dass Cowboy Didi in den zwei Jahren Zielübung immer ein offenes Ohr und einen "nervösen Zeigefinger" am Abzug der Philo-Winchester für seinen Grundkurs parat hatte, so dass man sich bald vielleicht auch in Utah und Laramie die Geschichte von Lucky Didi und seinen gesetzlosen Schießschülern erzählt...

Der Philosophie - Grundkurs