LK Französisch |
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| Lehrer: Herr Ring |
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| Schüler: W. Bodziony, S. Clemens, C. Dick, A. Giesen, J. Heitmann, V. Hirschberg, D. Hoven, A. Kamp, R. Leuthardt, S. Lieser, E. Lühl, W. Türks, V. Klinkenberg, H. Plath |
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Madame
König - Nickel: |
Das
gängige Klischee des Französisch-Lk? Auf jeden Fall weiblich
dominiert, oder sogar das schöne Geschlecht unter sich.
Unser Franz-Lk hingegen fiel aus dem üblichen Rahmen. So standen
den neun Frauen im Kurs immerhin fünf wackere Monsieurs
gegenüber. Sie hatten es sich vorgenommen, herauszufinden, warum
das Fach üblicherweise von Männern gemieden wird. Bald merkten
wir: Frau König-Nickels Lieblings-Sujet, Frauenschicksale,
sollte uns die gesamte Oberstufe über begleiten.
Den Anfang bildete hierbei Flauberts Meisterwerk "Madame
Bovary". Bei der ausführlichen Besprechung lernten wir die
zahlreichen und unverständlichen Launen der (weiblichen)
Hauptperson kennen, die letztlich sich selbst und ihre Familie in
den Untergang treibt. Hierbei versäumten es jedoch gerade die
weiblichen Kursteilnehmer nicht, auf die Teilschuld des Mannes,
Monsieur Bovary, hinzuweisen, was ihre männlichen Kollegen aus
Solidarität mit diesem natürlich nicht gelten lassen konnten.
Einigkeit herrschte im Kurs jedoch wieder in der Erleichterung,
als dieses tragische Kapitel französischer Literatur zu den
Akten gelegt wurde.
Jetzt ging es nämlich zur Sache: Blut floss und Köpfe rollten
bei der Behandlung von Albert Camus' revolutionärem Drama
"Les Justes". Diesmal zeigten sich die Kursteilnehmer
ausnahmsweise einmal nicht gespalten bei den Diskussionen rund um
Liebe und Hass, Verrat und Tyrannenmord.
Klar, dass uns dies gefiel. Auch der anschließende Exkurs zu
Sartres und Camus' Existentialismus stieß auf reges Interesse
und fand großen Anklang bei uns Schülern. Denn noch behandelten
wir in erster Linie den "l'homme révolté".
Frau König-Nickel ließ es jedoch nicht nur beim Mann bewenden:
Mit "la femme révoltée" rückte sie erneut die Frau
in den Mittelpunkt des Unterrichts.
"Le féminisme moderne en vingtième siecle" war
plötzlich und ohne Vorwarnung das Kursthema und ließ den alten
Geschlechterkampf wieder auflodern. Ein Text, in dem eine
Erzählerin ihren Alltag rund ums Kinderabholen, Kochen und
Putzen schildert, heizte die Diskussion an. Unglücklicherweise
übersah Frau König-Nickel jedoch, dass der Verfasser dieses
Textes ein Mann war.
Weiterhin lernten wir in einem Interview von Alice Schwartzer mit
Simone de Beauvoir, dass die Wissenschaften, wie z.B. Mathematik,
zwar recht nützlich, aber auf männliche Art gleichzeitig subtil
und hinterhaltig seien.
Frau König-Nickel wunderte sich oftmals, dass diese Problematik
auch bei den Frauen im Kurs nicht immer auf emanzipatorische
Euphorie stieß. Die Probleme von '68 entbehren wohl heute ein
Stück ihrer damaligen Dramatik.
Aufgelockert wurde das Kursklima durch die unkonventionellen
Tafelbilder. Diese wurden erst mühsam erstellt, anschließend
von Sabrina ("Da fehlt noch ein 'e' ") korrigiert und
lösten zuletzt völlige Verwirrung bei den Schülern und
selbstkritische Lachanfälle bei unserer Lehrerin aus.
Wenn es ums Arbeiten ging, zeigte sich Madame von ihrer harten
Seite. Mit "Ihr seid heute wieder so was von renitent",
würgte sie alle unsere zaghaften Versuche, Kaffeetrinken zu
gehen, schon im Ansatz ab.
Dennoch versäumte sie nicht, ihren Schülern das französische
"savoir vivre" näherzubringen. Höhepunkt war hierbei
ein Wochenendausflug in das Herz Frankreichs: Paris, mon amour!
Auch bei den Kurstreffen bei Frau König Nickel in Heerdt
herrschte immer gute Stimmung, wenn die männlichen
Kursteilnehmer französischen Wein verköstigten, während die
Frauen ihre Kochkünste unter Beweis stellten. (Sorry, Wolfgang!)
Theaterbesuche beim Petit Prince oder bei Molières Menschenfeind
lockerten die Besprechung der französischen Literatur
zusätzlich noch auf. Und wer kennt nicht Frau König-Nickels
Kassettenrekorder, der uns mit Brel, Piaf oder Brassens Chansons
der Grande Nation naher brachte? Abschließend lässt sich
festhalten, dass das Kursklima immer angenehm war, woran auch
Frau König-Nickel durch ihre sympathische Art großen Anteil
hatte. Der Franz-Lk hat sich gelohnt- auch für Männer. Und
hätte Sartre an unserem Kurs teilgenommen, er wäre bestimmt
nicht zu dem Schluss "L'enfer, c'est les autres"
gekommen!
Christian Dick
und
Sebastian Lieser