LK Mathe

 
     
  Lehrer:
Herr Dr. Heiß
 
     
  Schüler:
W. Bodziony, C. Dick, P. Huy, S. Kemper, P. Kohlbecher, S. Lieser,
M. Möske, D. Obeloer, A. Pielka, M. Römer, C. Schmitz, A. Szczepanski
 
     
   
     
 

Mathematik als interessantes Phänomen in Raum und Zeit
oder: Der ROBODOC

 

Von Schülern, die einen Mathe-Leistungskurs belegen, hatten wir auch schon in der 11.1 gehört: "Komische Leute!", "Die haben ja nur Zahlen im Kopf!", "Fachidioten und Überflieger!" - solche Statements hört man in einer Schule allerorten. Und etwas unsicher waren wir deshalb schon, als wir uns nun selbst über dieses Urteil hinwegsetzten, Mathe auf dem Lk- Wahlzettel ankreuzten und uns zur ersten Mathestunde mit Herrn Dr. Heiß zusammenfanden.

Ziemlich bald stellten wir fest: Im Mathe- LK ticken die Uhren anders. Erfahrungen, die wir über Jahre in geisteswissenschaftlichen Fächern gemacht haben, erwiesen sich schnell als völlig nutzlos. Und da Herr Heiß als guter Mathematiker unmathematisches Denken hinter jedem Stein wittert und gnadenlos aufdeckt, waren abschätzige Sprüche wie "Ihr könnt doch höchstens Sozialpädagogen werden." oder "Das gibt aber eine 1+ in Politikwissenschaft!" an der Tagesordnung. Herrn Heiß bewegten ganz andere Dinge: Mathematik und Naturwissenschaften natürlich, denen er einen gewissen Alleinvertretungsanspruch zugestand und deshalb andere Fächer meist ignorierte. Mit dem Spruch "Ihr seid ja in der bedauernswerten Situation, keinen Physik- LK zu haben!" leitete Herr Heiß oft genug eine geistige Exkursion in physikalische Gefilde ein, um wenigstens die größten unserer Bildungslücken zu schließen.

Welch trauriges Bild bot sich aber den männlichen Schülern in unserem Kurs! Denn sie waren geradezu in einer erdrückenden Überzahl: Befanden sich am Anfang der 11/2 noch Julia und Susanne in unseren Reihen, so sahen wir bald mit Entsetzen, dass sie


noch vor Beginn der 12/1 das Weite suchten. Seither ist das schöne Geschlecht in unserem Kurs lediglich durch Anne vertreten.

Die Uhren im Mathe- LK gingen nicht nur anders, sondern oft auch digital und vernetzt: Alles, was etwas mit Computer im Allgemeinen oder Internet im Besonderen zu tun hatte, war per se wichtig. Auf unseren virtuellen Reisen durch das World Wide Web lernten wir so unsere Freunde von der Alvirne High School kennen. Mit ihr natürlich auch die dort formulierten Aufgaben, von denen Herr Heiß bis heute behauptet, die Amerikaner schrieben sie in ihrer Freizeit. Der Protagonist dieser Aufgaben, Joe Physics, riskiert, nicht immer politisch korrekt, aber doch recht unterhaltsam, ständig sein Leben im Auftrag der Analysis. Spannender als ein Elfmeterschießen im Pokalendspiel, war es dann, herauszubekommen, ob Joe Physics die Funktion überlebt oder grausam zu Grunde geht. Durch diese Aufgaben veranschaulichte sich so das erste Heißsche Axiom: Es gibt nichts Interessantes, außer: Man kann es ausrechnen.
Wir lernten bald: Da Mathe an sich schon so spannend ist, ist es völlig überflüssig, sich auch noch mit anderen Dingen zu beschäftigen. Zugegeben, Schützenfeste und rheinischer Frohsinn haben meist nichts mit Mathematik zu tun, doch Herr Heiß folgert daraus dann unglücklicherweise, dass bei zeitlichen Kollisionen zwischen Brauchtum ("Ausbruch des Schwachsinns", O-Ton Heiß) und Mathematik, letztere den Vorzug zu erhalten habe. Christian G. konnte sich dieser Meinung nicht anschließen und tauschte nach der 12 die Schulbank mit dem Bürosessel eines Autohauses.

Als uns Herr Heiß in 13/1 eröffnete, dass er zusammen mit Schülern und Herrn Menzel an einem Roboter bastelt, fiel uns zunächst ein Stein vom Herzen: Uns war natürlich nicht entgangen, dass Herr Heiß in den Fünfminutenpausen schon seit einiger Zeit mit Dominik über Elektronik und Informatik fachsimpelte, und wir machten uns große Sorgen, ob unser Lehrer nicht insgeheim an einer neuen Generation von Atomraketen bastelt. Erleichtert konnten wir aber feststellen, dass unser Meister vorbildlich sein technisches Wissen ausschließlich der zivilen Nutzung zur Verfügung stellt: Denn sein Roboter sollte einmal Golfbälle sammeln können. Wirkte diese sehr mühselige Arbeit des Meisters auf Außenstehende teilweise befremdlich, so fand der Roboter gerade in uns seine größten Fans. Gerne stellten wir seinen Programmierern Zeit innerhalb der Mathestunden für ausgedehnte Briefings zur Verfügung. Und es sollte sich zeigen, dass die Schöpfung unseres Meisters gut wird. Sie besiegte nämlich sämtliche Konkurrenten und sicherte Herrn Dr. Heiß mit dem Gewinn der WDR - Computernacht auf Jahre den Titel RoboDoc.

Unser Kurs war eben ein Kurs der Superlative: Dominiks "kleines" Referat, mit dem er seine misslungene Klausur wiedergutmachen wollte, erstreckte sich schließlich über vier (!!) Schulstunden. Selbst unsere Kurselite wurde gefordert: Damit ist hauptsächlich Philipp gemeint, der nach seinem USA-Aufenthalt in der 12/1. zu uns stieß. Er ist es, der bei mathematischen Herleitungen nicht den Überblick verliert und (vermeintliche (!)) Denkfehler des Meisters aufdeckt. Übrigens war Herr Heiß auch mit ihm nie ganz zufrieden. Es zeigte sich: Auch einem Landessieger der Mathematik gibt Herr Heiß keine 1+, jedenfalls solange dieser sein Schüler ist. Die Uhren gehen in unserem Kurs eben sehr genau.

A propos Zeit: Der beste Unterricht findet bekanntlich nach Stundenende statt. Mehr als einmal war es so, dass in den letzten fünf Minuten einer Stunde noch schnell ein neues Thema begonnen wurde ("Das ist eigentlich eine recht simple Sache ..."), um weiteren Stoff für ausgedehnte Nachmittagsbeschäftigungen zu bekommen. Dabei zeigte sich das Talent des Kursleiters, immer noch eine neue Variante ("Das ist doch trivial!") aus dem Ärmel zu schütteln. Beendet wird die Stunde dann meist mit einem freundlichen: "So das muss geübt werden. Da machen wir mal eine Aufgabe zu, die Nr.1 a, b, c sowie die 2 und die 5".


Man erkennt, die Anforderungen waren hoch und trieben uns oft genug zur Verzweiflung. Aber wir haben alle viiiiiiel gelernt. Über Internet, Netzwerke und Roboter, aber sicherlich besonders auch über Mathematik. Die mathematische Denkfähigkeit hat allgemein zugenommen, Lösungsvorschläge wie Christian D.s "Das ist doch ein interessantes Phänomen" wurden im Laufe der Zeit immer seltener. Wir sind nun auf ein Leben voller Mathematik vorbereitet.
Die schwierigen Matheaufgaben schweißten den Kurs irgendwie zusammen. Schön waren auch unsere Kurstreffen: Das Grillen bei Peter oder auch das ausgefallenste aller Kurstreffen - bei Pizza in den Informatikräumen unserer Schule bei einer Runde Command & Conquer 2 über das schulinterne Netz ...


Christian Dick und Michael Römer