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Rheinpfalz, Freitag, 06. 09. 2002
| ALTRIP: |
In mühsamer Kleinarbeit
rekonstruieren Elke Knöppler und Heike Just historische
Kleider |
Elke Knöppler, die 1999 das "Altriper
Wörterbuch" publizierte, arbeitet an einem neuen Projekt:
Die Altriperin rekonstruiert derzeit die Tracht, die früher
in der Rheingemeinde getragen wurde. Mit der Damenschneidermeisterin
Heike Just will die Heimatforscherin die historischen Kleidungsstücke
Anfang kommenden Jahres präsentieren.
In dem Projekt steckt eine jahrelange Fleißarbeit.
Inspiriert durch einen Hinweis in dem 1910 erschienenen Geschichtsbändchen
"Altrip - eine kulturhistorische Studie" von Hermann Provo,
nahm sich Knöppler vor, die dort beschriebene Tracht zu rekonstruieren.
Nachdem Elke Knöppler in der RHEINPFALZ von einer Trachtentanzgruppe
in Mutterstadt gelesen hatte, knüpfte sie mit der dortigen
Trachten-Expertin Eva Maria Auer Kontakt und fuhr mit ihr
nach Neuburg. Nach intensiver Beschäftigung mit Karl August
Beckers "Pfälzer Trachtenbuch" zeigte sich, dass
Neuburg wohl eine ähnliche Entwicklung wie Altrip durchlaufen
hatte.
In diesem einst rechtsrheinisch
und "abseits" gelegenen, protestantischen Fischerdorf
wurde das alte Brauchtum lange bewahrt und die Tracht bis in die
1960er Jahre getragen. Die bei Provo beschriebenen "Mitzel"
(Leibchen), armdicke "Wörscht" um die Hüften,
fanden die beiden Frauen tatsächlich im dortigen Heimatmuseum.
In der 36-jährigen Altriper
Damenschneidermeisterin Heike Just fand Elke Knöppler eine
begeisterte Mitstreiterin für das Trachten-Projekt. Die beiden
Altriperinnen machten sich auf die Suche nach der von Provo beschriebene
weißen Bauernhaube mit fliegenden, langen Seidenbändern
und wertvollen weißen Spitzen. Bei einem Besuch von einigen
alten Mitgliedern des Evangelischen Frauenbundes hörte Elke
Knöppler den Namen für die Kopf-Bedeckung: "Schilje-Haube".
Nun ging es an die Rekonstruktion
der Trachtenhaube. Als Vorlage diente ein altes Foto. Bei der
Stoffsuche wollten die beiden Altriperinnen möglichst Material
aus heimischen Gefilden verwenden, was sich allerdings als unmöglich
erwies.
Nun kam Heike Just so richtig
in Fahrt. Aufgrund ihrer Beziehungen zu Österreich fand
sie in Salzburg einen Teil der gesuchten Stoffe. Gewünscht
war eine Mischung aus Leinen und Wolle in grün-blauer Farbe
- typisch für die protestantischen Orten der Pfalz. In einem
Wiener Fachgeschäft für Modistenbedarf fand die Schneiderin
den Seidentaft, der dem überlieferten "schimmerdaffeten"
Material wohl ähnlich war. Über das Internet bekam die
junge Meisterin Zugang zu Trachtenmärkten und damit auch zu
Satinbändern und von Hand bearbeiteten Perlenbändern.
Wichtig war auch, dass Haube
und Schürze vom selben Stoff war. In München fand
die Schneiderin schließlich den "richtigen" weißen
Stoff. Nahezu ein Jahr lang dauerte auch die Suche nach zwei Puppen-Gestellen
für eine Frauen- und Männertracht. Die Menschen im 18.
Jahrhundert waren nicht nur kleiner, auch die Hüften der Frauen
waren schmaler. Doch ein Altriper Dekorateur wusste Rat und beschaffte
Puppen-Gestelle aus Kunststoff. Nun konnte die Tracht Gestalt annehmen.
Dazu bekam das Team Verstärkung. Heike Just sorgte für
die Konzeption der Haube und die Modistin Liane Willersinn gab ihr
eine Form und übernahm auch die Bespannung. Einen Teil der
Verzierungen besorgte die pensionierte Grundschullehrerin Heide
Hook. Detailgenauigkeit wird bei den "Altriper Trachtendamen"
groß geschrieben. Noch wird eifrig gearbeitet. Ende Januar
2003 ist es dann soweit: Am Vortag der Ausstellung des Heimat- und
Geschichtsvereins werden die Trachten vorgestellt und in einer Dokumentation
beschrieben.
Von unserem Mitarbeiter : Wolfgang
Schneider
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