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REKONSTRUKTION
bedeutet die "Wiederherstellung des ursprünglichen
Zustandes untergegangener oder nur in wenigen Teilen erhaltener
Kulturdenkmäler" (so wie z.B. die Sprache,
ist auch eine Bekleidungsform, in unserem Fall die Tracht,
als "Kulturdenkmal" anzusehen).
Die Altriper
Tracht ist tatsächlich ein "untergegangenes
Kulturdenkmal", denn wir haben nur wenige Hinweise.
Wir konnten zwei Fotos ausfindig machen und es existiert
ein kurzer Text mit sehr rudimentären Angaben zur Altriper
Tracht.
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Unsere Quellen:
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Maria Schweikert,geb. Baumann,
Bild um 1860/70
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Georg Hook, geb. 1816 und seine 2.
Frau Anna, geb. Hornig, geb. 1830
(Dieses Bild ist für uns in v.a. wegen des Herrenmantels
und des Halstuches des Mannes interessant).
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Eva Katharina Hornig, geb.
Hornig und Jakob Hornig III, Bild um 1870
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Schriftliche Quelle:
"...Interessanter war die Tracht,
die, obgleich sie sich im großen und Ganzen an diejenige
der umliegenden Dörfer anlehnte, doch durch die erwähnte
Abgeschlossenheit des Dorfes länger erhielt und in ihrer
Volkstümlichkeit auch viel ausgeprägter und exklusiver
erschien. "Mitzel" und armsdicke "Wörscht"
um die Hüften, "schimmerdaffete" Schürze
und die schmucke, besondere Art der Hauben waren charakteristische,
zum Teil recht kleidsame Frauentrachten, namentlich war die
weiße Bauernhaube mit fliegenden, langen Seidenbändern,
wertvollen weißen Spitzen ein reiches und schönes
Kleidungsstück;... Am typischsten waren die Altriper
Fischer. Wer sie so dastehen sah in ihren malerischen, reichfaltigen
schweren Mänteln, den Dreispitz oder den zerdrückten
breitkrämpigen Hut auf dem Kopf, den "Fisch=Hamme"
auf den Schultern,... dem lacht noch heute das Herz im Leibe
vor Freude an diesem wackeren, urwüchsigen, gesunden
Menschenschlage". Provo, Hermann: Altrip - eine kulturhistorische
Studie, 1907 /1910, S. 25
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Die Quellenlage läßt
deutlich werden, dass anhand dieser eine Rekonstruktion aller
Trachtenteile nicht möglich gewesen wäre.
Das "aktuelle" Trachtenbuch für die Pfalz
von Karl-August-Becker (1952 - ein neueres gibt es nicht...)
ließ uns jedoch neue Mosaiksteinchen aufstöbern:
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Es führte uns zunächst
nach Neuburg am Rhein; ebenfalls ein protestantisches,
von seiner Lage her sehr abgelegenes Fischerdorf, das nach Becker,
zum einen noch viele Originaltrachten besitzt, da bis in die
1960er Jahre hier Trachten getragen wurden und dessen Leibchen
zum anderen auch ein Hüftpolster hat; allerdings
sind an dem Modell hier links die Schößchen ausgestopft,
während wir uns nach Provos Beschreibung und nach Beratung
durch Jürgen
Hohl zu einer sog. "Leiwel-Worscht" entschlossen. |
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Leibchen aus Neuburg
mit ausgestopften Schößchen als Hüftpolster
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Frauentrachten
aus Neuburg
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u.a. die von Provo beschriebenen
Männerhüte:
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der Nebelsegler, urspr. ein Rund- oder
Schäferhut (dieser war nicht hochgekrempt), der auf einer oder
auf beiden Seiten mit Bändern hochgekrempt war; |
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der Dreispitz, der vielerorts und in den unterschiedlichsten
Gegenden der Pfalz und darüber hinaus getragen wurde. |
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Desweiteren orientierten wir uns was die
Schnitte betrifft, an der Männerweste/Gillet und dem
Wams (s. links).
Ein weiteres Puzzleteil war eine einzige, im Archiv vorhandene
schwarze Haube mit fliegenden langen Bändern und Spitzenbesatz,
die in Machart und Material als Vorbild zu unserer Haube diente
(s. rechts).
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Außerdem finden sich
im Archiv des Speyrer Landesmusuems noch etliche, mit kleinsten
Perlchen bestickte Strümpfe und Handschuhe,
sowie die Einstecktaschen, die unter der Schürze
getragen wurden und die wir uns für die Rekonstruktion
der Altriper Tracht zum Vorbild nahmen:
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Viele Hinweise und Tipps bekamen wir
auch von dem Trachtenexperten Jürgen
Hohl, der nicht nur auf den schwäbisch-alemanischen
Raum spezialisiert ist, sondern ein unerschöpfliches
Wissen über Trachten, bzw, "Volkskleidung"
und ihre Geschichte auf Lager hat.
Wie man an diesem kurzen Abriss unserer
Recherche bereits erkennt, war die Rekonstruktion der
Altriper Tracht ein - über Jahre dauerndes - Zusammensuchen
von Puzzleteilchen, das sich aber, wie wir finden, gelohnt
hat.
Über die Altriper Tracht, ihre
Rekonstruktion sowie einen kurzen Abriss zur Pfälzer
Tracht gibt es eine ausführliche Dokumentation,
die Sie als PDF-Datei downloaden
können.
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