I. EinleitungEinblick in die EntwicklungDie gregorianische Messe (8. Jahrhundert) wurde einstimmig von Männern und ohne Instrumentalbegleitung gesungen. Ab dem 10. Jahrhundert wurde das Proprium mehrstimmig vertont und weiterhin nur von Männern gesungen. Ab dem 14. Jahrhundert begann die mehrstimmige Vertonung des Ordinariums. Im ausgehenden Mittelalter (15. Jahrhundert) verwilderte das musikalische Wesen der Messe so stark, daß sich die römische Kirche dazu veranlaßt sah, die Wiederherstellung der Textverständlichkeit und der liturgischen Feierlichkeit zu fordern. Als "Retter der Kirchenmusik" setzte Palestrina (16. Jahrhundert / Renaissance) diese Forderungen um - sein Stil gilt seitdem als beispielhaft. Seine Kompositionen bilden den Höhepunkt der klassischen Polyphonie, die den liturgischen Text nicht unterdrückt, sondern in den Vordergrund stellt. Das 17. Jahrhundert (Barock) brachte eine Spaltung der beiden Stile der Messekompositionen1. Zum einen entwickelte sich die Messe unter dem Einfluß der weltlichen Musik und der Monodie1 allmählich zu einem großen orchestralen Werk; parallel dazu existierte weiterhin der klassische polyphone Stil. Dieser verlor in den folgenden Jahrhunderten nach und nach an Bedeutung, denn eine Weiterentwicklung im künstlerischen Sinne war der Liturgie vorenthalten - im Gegensatz zur Musik. Im 18. Jahrhunderts (Klassik) ließ das Interesse an dem lateinischem Ordinarium nach, und Meßkompositionen wurden teilweise beliebig zusammengestellt, die liturgische Gebundenheit wurde vernachlässigt. Der instrumentale Part entlastete den vokalen Part, und die instrumentale Musiksprache als Sinnerweiterung zur (wörtlichen) Sprache entwickelte sich. In der Romantik (19. Jahrhundert) löste sich die Messe aus dem kirchlichen Rahmen. Die Konzertmesse bahnte sich ihren Weg und fand zum ersten Mal ein Publikum, das die Messe als Musik und nicht als gottesdienstliche Gepflogenheit ansah. Im 20. Jahrhundert (Expressionismus) ist die Entwicklung der Messe historisch betrachtet rückläufig. Der Versuch an vergange Epochen anzuknüpfen, bringt eine neue Form der Messe hervor, die Altes mit Neuem verbindet und sich dadurch in vielerlei Richtungen entwickelt. Besonders bedeutsam aber wird die Gregorianische Messe - der Beginn und eigentliche Ursprung der Meßkompositionen.
1 ... siehe Fremdwörter |