III. Die Messe d-Moll

Hintergründe zur Messe

Nachdem Bruckner im Februar 1863 den "Tannhäuser" gehört hatte, schrieb er die Messe in d-Moll. Sie sollte zum Geburtstag des Kaisers am 18. August 1864 aufgeführt werden, wurde aber zu spät fertig. Am 20. November wurde sie dann im Alten Dom zu Linz uraufgeführt und aufgrund des großen Erfolges folgte am 18. Dezember eine Aufführung an einem weltlichen Ort: Im Linzer Redoutensaal. Da in diesem Konzertsaal keine Orgel vorhanden war, mußte Bruckner ein Orgelsolo auf zwei Klarinetten und zwei Fagotte übertragen.

Die Messe ist für ein Orchester, einen Chor und Solostimmen konzipiert und stellt das erste große Werk Bruckners dar:

Von allen Seiten bekam er Lob. Die Wiener Zeitung berichtete in höchsten Tönen von seiner Messe und seine Zeitgenossen respektierten ihn fortan als Komponisten von ungewöhnlichem Rang an. Selbst der Bischof erklärte Bruckner später, daß er während der Messe nicht habe predigen können, da ihn das Werk dermaßen interessiert und gepackt habe. Am wertvollsten war für Bruckner wohl aber das Geschenk des Regierungsbeamten Mayfeld, ein überaus hochgebildeter Mann und ein großer Musikliebhaber: Er ehrte Bruckner mit einem Lorbeerkränzchen, dessen Band die Aufschrift trug: "Von der Gottheit einstens ausgegangen, muß die Kunst zur Gottheit wieder führen" - dieser Kranz hat danach bis zu seinem Tode über Bruckners Bett gehangen.

Auf die Frage hin, wie es komme, daß dieses Werk "so unerhört kühn" 1 ist, antwortet Bruckner: "I hab' mir net traut." Nach dem Hören des "Tannhäuser" war Bruckner von der Unerschrockenheit Wagners dermaßen beeindruckt, daß er sich zu dieser Komposition traute.


1 ... Max Auer: Anton Bruckner als Kirchenmusiker. Gustav Bosse Verlag, Regensburg 1927, S. 87