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Noch immer weiss ich nicht, ob das, was ich getan habe richtig war. Ich habe mich von ihr getrennt. Seit Monaten habe ich es mit mir herumgetragen und ich glaube, dass es schon recht früh in unserer Beziehung begann. Es fing an, als die erste Verliebtheit versiegte. Als ich wieder begann, mich meinen Aufgaben zuzuwenden, zu arbeiten, zu studieren, meine Leidenschaft gegenüber dieser digitalen Welt wiederzuentdecken. Zuerst war es wie eine kleine Wiedergeburt, dann wurde die Masse an Aufgaben zur Last und unsere Beziehung und ihre Unterstützung waren für mich die treibende Kraft. Ohne sie hätte ich so manche arbeitsame Woche nicht durchgestanden. Und irgendwann vertiefte ich mich in meine Arbeit so sehr, dass meine Freundin eine Nebensache wurde. Ich kann nicht genau sagen wann es anfing, aber irgendwann war ich froh, Zeit allein zu verbringen, mich meinen Interessen zu widmen und dort meine alltägliche Befriedigung zu finden. Sie hielt sich zurück, stellte nur wenige Ansprüche an unsere Beziehung, sie wusste, unter welcher Last ich stand. Das war nobel, ich rechne ihr das hoch an und fühle mich sehr schlecht bei dem Gedanken, dass sie sich hinter meinen Bedürfnissen so zurücknahm. Ich merkte mit der Zeit, dass ich an allem mehr Freude hatte als an unserer Beziehung und zugegebenermaßen fühlte ich mich auch wohl, mal mit anderen Mädchen zu flirten und das Dasein eines Singles zu genießen. Irgendwann am Anfang dieses Jahres kam mir dann die Erkenntnis, dass ich lieber für meine Arbeit, meine Interessen und meine Zukunft leben will, dass ich ihr kein auf Dauer angenehmes Miteinander bieten kann, wenn ich mich so in meine Aufgaben vertiefe. Als ich es ihr sagte, zerbrach das nicht nur ihr Herz - es tat mir selbst unendlich weh. Und genau das ist der Grund für meine Unsicherheit. Was war das für ein Gefühl? Konnte ich es nur einfach nicht ertragen, daß ich ihre Träume von einer gemeinsamen Zukunft zerstörte? Liebte ich sie vielleicht doch und spürte dies erst in der Stunde der Erkenntnis dieses Verlustes und ihrer seelischen Schmerzen? Oder bin ich einfach generell zu sentimental? Sie war sich so bedingungslos sicher, mit mir den Rest ihres Lebens zu verbringen. Ihr Dasein richtete sich danach aus. Sie liebte und liebt mich immernoch und ich kenne nichts als Grausamkeit. Ich bin hier der Bösewicht. Um so schwerer fällt es mir, dass sie mir gegenüber trotz der Trennung, vielleicht aber wegen ihrer Zuneigung so versöhnlich ist. Sie hat es akzeptiert, wenn es sie auch schmerzt. Erst im Angesicht diesen Umgangs mit der Situation habe ich erkannt, was für ein guter Mensch sie doch trotz aller Fehler oder Ungereimtheiten, die mich zu diesem Entschluss gebracht haben, ist. Sie hat mir damit gezeigt, daß ihr oft kindliches Verhalten eine Maskerade für wahre menschliche Größe und Erwachsenheit sein kann.
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