Die Wuhle ist ein kleiner Flachlandbach. Sie beginnt nördlich von Ahrensfelde und fließt südwärts nach Eiche, bildet dann die Grenze zwischen den Berliner Stadtbezirken Marzahn und Hellersdorf (2003 fusionieren beide zum Großbezirk 'Wuhletal') und mündet in Köpenick in die Spree. Das Einzugsgebiet beträgt fast 100 km². Es liegt auf dem Barnim und im Warschau-Berliner Urstromtal. Der mittlere natürliche Abfluß liegt an der Mündung in die Spree zwischen 100 und 300 l/s.
Seit 1984 leitet das Klärwerk Falkenberg große Mengen gereinigtes Abwasser (im Mittel mehr als 1 cbm/s, ein Vielfaches des natürlichen Abflusses) in den dafür gebauten 'Vorfluter': Seelgraben, 'Neue Wuhle' und Wuhle (Zustand heute). Nach Starkregen kann es wegen des durch den Menschen stark verringerten Rückhalts im Einzugsgebiet zu kurzzeitigen Abflüssen von mehreren cbm/s kommen.
1995 wurde beschlossen, das Klärwerk Falkenberg stillzulegen. Im selben Jahr wurde von Clemens (1995) im Auftrag des Bezirksamtes Marzahn eine Studie zur Erstbewertung der ökologischen Probleme des Rückbaus des Klärwerks Falkenberg angefertigt. Seitdem ist im wesentlichen bekannt, welche Veränderungen auf das Wuhletal zukommen, welche Probleme damit verbunden sind, und wie man den Problemen begegnen könnte.
Es gibt mehrere Möglichkeiten für die Zukunft des Wuhletals. Ökonomen befürworten wahrscheinlich die 'Lösung', gar nichts zu tun und damit zeitweilig eine Menge Geld zu sparen (Trockenfallen lassen?). Verkehrsexperten woll(t?)en am liebsten eine Schnellstraße durchs Wuhletal bauen (N-S-Verbinder als Teil eines äußeren Stadtrings). Landschaftsplaner wollen vielleicht die gesamte Freifläche in der Aue zu Parks umgestalten, mit etlichen Sport- und Spielplätzen, vielen Sitzmöbeln, einem dichten, befestigten Wegenetz und allem PiPaPo. Und natürlich mit viel Arbeit für die städtischen Angestellten, die das alles pflegen und instandhalten wollen.
Naturfreunde sind sich wie immer uneins. Naturschützer i.e.S. wollen die heute vorhandenen Biotope auf keinen Fall einer Störung aussetzen. Andere Naturfreunde können sich vorstellen, daß das Wuhletal da, wo es möglich ist, in großem Maßstab renaturiert wird.
Befaßt man sich näher mit Renaturierung, so findet man sich wiederum einer Fülle von Gestaltungsmöglichkeiten gegenüber.
Sucht man nach einem Leitbild als Orientierunghilfe für Umgestaltungsmaßnahmen, so halten etliche Naturfreunde einen Zustand, wie er zB vor 100 Jahren bestand, für erstrebenswert. Das war im Fall der Wuhle die 'Rieselfeldzeit' (Zustand früher). Man kann auch noch ältere Zustände für erstrebenswert halten, zum Beispiel den Zustand vor 200 Jahren (noch früher).
Eigentlich heißt 'Renaturierung' Annäherung an den natürlichen Zustand. Deshalb wäre es nur konsequent, sich zunächst am 'natürlichen Zustand' zu orientieren. Ich meine damit einen Zustand, der heute existieren würde, hätte es Menschen nie gegeben. Ausgehend von den Vorstellungen über den natürlichen Zustand kann man dann die auf Dauer gewollten Nutzungen des Menschen berücksichtigen und daraus ein Leitbild formulieren.
Während es allerdings relativ leicht ist, halbwegs sichere Vorstelllungen vom natürlichen Zustand zu erarbeiten, ist es außerordentlich schwierig, die auf Dauer gewollten menschlichen Nutzungsansprüche herauszubekommen. Das heißt nämlich, einen Konsens zwischen mehreren (potentiellen) Nutzergruppen zu erzielen. Im Grunde ist es ja nur eine gesellschaftliche Minderheit, die zugunsten der Natur die eigenen Ansprüche etwas zurücknehmen will. Ich persönlich hoffe, daß sich diese gesellschaftliche Minderheit wenigstens in den lenkenden Eliten durchsetzt.
Aber das ist schon Politik. Ich bin, soviel ich bisher weiß, allein mit mir im Konsens und beschreibe optimistisch einen Zustand demnächst.
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(das ganze von Vorne, Frames)