3.1 Die de Broglie
Elektronenbahnen
3.2 Heisenberg verwirft den
Bahnbegriff
3.3 Das Schrödinger Atommodell
Die Bahnforderungen für die Elektronen, die aus den Bohrschen und
Sommerfeldschen Atommodellen ergaben (z.B. das Elektron darf auf seiner Bahn nicht
strahlen) ließen sich damals nicht aus Gesetzen herleiten. Man wußte weder, warum die
Elektronen nicht strahlen, noch wußte man, wie die Bahnen der Elektronen konkret
definiert sind. Mit der klassischen Physik konnten hierauf keine Antworten gegeben werden.
Der erste, der versuchte ein quantenmechanisches Bild vom Atomaufbau zu entwickeln war der
französische Physiker Louis Victor de Broglie.
3.1 Die de Broglie
Elektronenbahnen
Einstein hatte bereits 1905 die Forderung aufgestellt, daß Licht
sowohl als Welle wie auch als Teilchen angesehen werden kann. De Broglie folgerte: Wenn
Licht sowohl Teilchen- als auch Welleneigenschaften besitzt, dann müssen Teilchen (wie
z.B. Elektronen) neben ihren Teilcheneigenschaften auch Welleneigenschaften besitzen.
Laut de Broglie besitzen Teilchen eine Wellenlänge, die sog. de-Broglie-Wellenlänge. Er
definierte die Wellenlänge als:
![]()
Mit Hilfe dieser Beziehung ließen sich die Elektronenbahnen erklären.
Bohr hatte in seinem Atommodell eine Quantenbedingung für kreisförmige Elektronenbahnen
angegeben:
,
mit n = 1,2,3... .
Wenn man statt der Winkelgeschwindigkeit w die Bahngeschwindigkeit v
benutzt gilt:
![]()
Statt m·v = p verwendet man die Beziehung der de-Broglie-Wellenlänge:
![]()
Damit ergibt sich:
![]()
.
Ein Elektron darf demnach den Atomkern nur auf solchen Bahnen
umkreisen,
deren Umfang ein ganzzahliges
Vielfaches seiner Wellenlänge darstellt. Auf diesen Bahnen entstehen dann stehende
Elektronenwellen. Dies bedeutet, daß weder Energie noch Masse transportiert wird. Damit
kann das Elektron auf dieser Bahn nicht strahlen. Wenn der Umfang der Elektronenbahn nicht
diesem Kriterium entspricht, interferieren die Enden der Wellenzügen. Es kommt zu
destruktiver Interferenz, das Elektron würde elektromagnetische Strahlung abgeben. Die
Elektronenwelle würde sich damit praktisch selbst zerstören, bzw. das Elektron würde in
den Kern stürzen.
Die oben hergeleitete Beziehung gilt lediglich für Kreisbahnen. Für die Ellipsenbahnen
läßt sich aber ebenfalls eine ähnliche Bedingung herleiten.
Mit der de-Broglie-These konnte gezeigt werden, wie die Elektronenbahnen definiert sind
und warum sie auf ihren Bahnen nicht strahlen.
3.2 Heisenberg
verwirft den Bahnbegriff
1925 stellte der dt. Physiker Werner Heisenberg eine der wichtigsten
Beziehungen in der Quantenphysik auf: die Unschärferelation. Nach der Heisenbergschen
Unschärferelation ist es unmöglich zugleich den Ort und den Impuls eines Mikroobjektes
zu bestimmen. Laut Heisenberg ist es sinnlos einem Teilchen zu einem Zeitpunkt einen Ort
und einen Impuls zuzuordnen. Für beide Größen liegt jeweils eine gewisse Unschärfe
vor, die in folgender Gleichung verknüpft ist:
.
Die Unschärferelation scheint einen großen Einfluß auf den Bahnbegriff der
Elektronenbahn auszuüben. Welche Schwierigkeiten sich bei der Verknüpfung des
Bahnbegriffes mit der Unschärferelation bilden, zeigt folgendes Beispiel. Mit Hilfe des
Bohrschen Atommodels ließ sich die Bahngeschwindigkeit für das Elektron des
Wasserstoffatoms ermitteln. Sie betrug v = 2,2 · 106 m/s.
Man nimmt an, daß sich das Elektron im Atom aufhält. Der Durchmesser des Atoms beträgt
D x = 10-10m.
Der Aufenthaltsort des Elektrons ist demnach nur mit der Genauigkeit des Atomdurchmessern
definiert. Für die Unschärfe der Geschwindigkeit folgt deshalb:
![]()
Die Unschärfe der Geschwindigkeit ist also größer als die berechnete Geschwindigkeit.
Man kann deshalb nicht annehmen, daß sich das Elektron mit einer ganz genauen
Geschwindigkeit um den Atomkern bewegt.
Eine weitere Rechnung soll ebenfalls das Versagen des Bahnbegriffes belegen.
Der Durchmesser des Wasserstoffatoms beträgt 10-10 m. Nach der Definition des
Bahnbegriffes muß sich das Elektron innerhalb dieses Durchmessers befinden. Wenn man von
einer Elektronenbahn ausgehen will, sollte der relative Fehler dieser Längenbestimmung
nicht größer als 1 % sein. Dies entspricht einer Ortsunschärfe von:
.
Daraus folgt eine Impulsunschärfe von:
.
Dies entspricht einer Energieunschärfe von:
![]()
Die Ionisationsenergie des Wasserstoffatoms liegt jedoch bei 13,6 eV. Die Impulsunschärfe
liegt demnach um Größenordnungen über dem eigentlichen Impuls des Elektrons.
Aufgrund dieser Ergebnisse ist es fraglich, ob einem Elektron noch eine fest definierte
Bahn zugeordnet werden kann. Heisenbergs Unschärferelation zeigt deutlich, daß es
sinnlos ist, einem Elektron innerhalb der Atomhülle eine direkte Bahn zuzuweisen.
Dieser Widerspruch wird zwar vorerst umgangen, wenn man das Elektron nach de Broglie als
Welle annimmt.
Die Unschärferelation hatte zwar gezeigt, daß sich das Elektron (bzw. die Welle) nicht
mehr auf konkreten Bahnen bewegt, sie konnte aber nicht klären in welcher Weise sich nun
die Elektronen um den Kern bewegen.
3.3 Das
Schrödinger Atommodell
Schrödinger fand schließlich die Lösung für das Bahnproblem des
Elektrons. 1925, ein Jahr, nachdem de Broglie seine These aufstellte, wandte sich
Schrödinger dem Problem der Materiewellen zu. Er fand schließlich eine Lösung, die
sogenannte Wellenfunktion y .y selbst besitzt keine anschauliche physikalische
Interpretation. Dagegen stellt |y|²,
also das Quadrat des Absolutbetrags, die Wahrscheinlichkeitfunktion eines Teilchens dar,
d.h. es läßt sich berechnen wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, ein bestimmtes
Teilchen an einem Punkt zu einer bestimmten Zeit in einem Experiment anzutreffen.
So konnte er die Formel:
.
herleiten. [Die Herleitug finden Sie hier].
Wenn die potentielle Energie bekannt ist, lassen sich aus der
Gleichung die einzelnen stationären Energiezustände berechnen, aus denen die einzelnen
Spektren des Wasserstoffs folgen. Die Gleichung geht aber noch weiter. Sie erlaubt es eine
genaue Berechnung der einzelnen Intensitäten der Spektrallinien, eine exakte Begründung
der Auswahlregeln, sowie viele elektrische, optische und chemische Zustände des
Wasserstoffatoms.
Jeder Energiezustand des Elektrons ergibt eine besondere Schwingungsform eines räumlich
um den Kern gebreiteten Gebildes. Im Grundzustand ist es kugelförmig. Es bildet eine sich
nach dem Rand zu auflösende Wolke. Für weitere Energieniveaus ergeben dich andere
Gebilde.
Allerdings ist das schwingende Gebilde keine materielle Wolke, sondern ein Raum größter
Aufenthaltswahrscheinlichkeit des Elektrons. Diese Räume werden als Orbitale bezeichnet.
Das Elektron befindet sich zu einem Zeitpunkt an irgendeinem Punkt des Orbitals. Den
genauen Aufenthaltsort zu ermitteln ist praktisch fast ausgeschlossen.
Die vorhin erwähnte
Funktion
liefert die Aufenthaltswahrscheinlichkeit des Elektrons in einem Orbital. Wo sie am
größten ist, kann man das Elektron am häufigsten antreffen, seltener in Randgebieten
und gar nicht außerhalb des Orbitals.
Die Schrödingergleichung ist das mathematische Instrument, das nicht nur die Anordnung
der Elektronen in den Hüllen der Atome beschreibt. Aus ihr läßt sich nach komplizierten
mathematischen Rechnungen erklären, warum die Linien der chemischen Elemente an genau den
Stellen stehen, an denen man sie beobachten kann. Aber nicht nur Elektronen in Atomen
lassen sich mit der Schrödingergleichung berechnen, sondern auch Atome in Molekülen. Die
Schrödingergleichung enthält die Gesetze der gesamten Chemie. Auch die Frage, welches
Licht Moleküle aussenden oder absorbieren wird durch die Schrödingergleichung
beantwortet. Dies gilt nicht nur für einfache Atome, sondern auch für die
kompliziertesten organischen Moleküle. Mit Hilfe der Gleichung von Schrödinger, konnten
die meisten Eigenschaften von Atomen und Molekülen berechnet werden. Aber nicht alle
Regeln für das Verhalten der Elektronen können aus der Schrödingergleichung gefolgert
werden. Das Pauliprinzip z.B. steckt nicht in der Schrödingergleichung. Es konnte erst
mit neueren Prinzipien aus der Quantenphysik hergeleitet werden. Mit vielen komplizierten
Gleichungen und Gesetzen aus der Quantenphysik haben wir heute ein Atommodell geschaffen,
das bis jetzt widerspruchslos ist. Allerdings ist dieses Atommodell sehr kompliziert und
die Gesetze, nach dem das Atommodell aufgebaut ist, stark mathematisiert. Für einen Laien
sind sie nicht mehr verständlich, bzw. die heutige Vorstellung vom Aufbau der Atome ist
für Physik- und Mathematiklaien nicht mehr nachvollziehbar oder vorstellbar. Auf eine
weitere Vertiefung in das heutige Atommodell muß deshalb hier verzichtet werden.