Die Geschichte der
Nähmaschine I |
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Wie alle
Maschinen hat auch die Nähmaschine eine längere Entwicklungszeit gebraucht. Früher
brauchten die Menschen Fischgräten zum Nähen. Später waren die Nadeln aus spitzen Knochen
oder Horn mit einem Öhr. Erst im 14.Jahrhundert gelang es aus Stahldraht eine Nadel
herzustellen. Sie war Jahrhunderte lang das wichtigste Werkzeug für die Herstellung von
Kleidern. |
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Die ersten
Versuche, die Handnäherei durch eine nähende Maschine abzulösen, gehen bis auf das Jahr
1755 zurück. Um diese Zeit hat der in England wohnende Deutsche Charles Frederic Weisenthal
versucht, eine nähende Maschine zu konstruieren. Er erfand dazu als erster eine beidseitig
spitze Nadel mit dem Öhr in der Mitte. Diese Nadelform wurde später auch von Madersperger,
Greenough und anderen benutzt. Sie findet auch heute noch in Stickindustrie Verwendung. Damals
und noch bis in das Jahr 1830 nähte man mit der Hand. Der Beruf des Schneiders war sehr
geachtet und der Name eines guten Schneiders bedeutete den Damen der Gesellschaft einiges. Ein
geübter Schneider konnte 30 Stiche in der Minute machen. Da dauerte es natürlich einige
Zeit, bis so ein Kleidungsstück fertig war. Zumal damals die Gewandung um einiges aufwendiger
als heute war. |
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Erst in der Mitte des
18. Jahrhunderts beschäftigte man sich damit, die Nähnadel durch eine Maschine zu bewegen. Die
erste mechanische Einrichtung zur Herstellung einer Naht baute der in England lebende Deutsche
Charles Frederic Weisenthal im Jahre 1755. Diese Nähmaschine arbeitete mit einer zweispitzigen
Nadel, welche das Oehr in der Mitte hatte. |
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Die erste
arbeitsfähige Maschine baute der Engländer Thomas Saint, Drechsler und Tischler aus London.
1790 wurde die Maschine zum Patent angemeldet. Sie war ganz aus Holz und hatte eine
Gabelnadel. Seine Maschine hatte einen Vorstecher und eine Hakennadel. Sie nähte damit einen
Kettenstich. Praktische Verwendung hat diese Maschine nicht gefunden. Eine Nachbildung ist
jedoch erhalten geblieben, sie steht heute im South Kensington Museum (Victoria and
Albertmuseum) in London. |
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Auch in Deutschland gab es
Leute, die die sehr mühsame Handnäharbeit durch Maschinenarbeit ersetzten wollten. Unter
ihnen ist Balthasar Krems (1760-1813) aus Mayen im Rheinland (Eifel) wohl der bedeutendste. Um
das Jahr 1800 konstruierte der Deutsche eine Kettenstichnähmaschine, die erstmalig eine Nadel
mit dem Öhr an der Spitze und einen gesteuerten Greiferhaken hatte. Ein interessantes
Konstruktionsmerkmal war der Stachelradtransport für das Nähgut, welcher durch Anwendung
eines Pausengetriebes fortlaufend schrittweise arbeitete. Sein letztes Modell, mit dem er etwa
300 bis 350 |
Stiche in der
Minute genäht hat, ist erhalten geblieben und steht heute im "Eifelmuseum" in
Mayen, im Rheinland (Eifel). |
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Zu dem Titel
"Erster Nähmaschinenfabrikant der Welt" kam der Franzose Barthélemy Thimonnier
(1793-1857) im Jahre 1830, der eine Kettenstich-Nähmaschine entwickelt. Patentiert am 17.Juli
1830, dem weitere bessere Modelle folgten. Der kluge Schneider Thimonnier aus Lyon dachte
1829/30, dass es doch sicherlich mehr zu verdienen gäbe, wenn man schneller nähen könnte.
Er konstruierte 1829/30 seine erste Nähmaschine, die natürlich primitiv war und ihre Mängel
hatte, aber immerhin 200 Stiche in der Minute schaffte! Sie nähte einen Kettenstich und hatte
eine Hakennadel. Der größte Teil war aus Holz. |
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Diese Maschine
kam der Regierung gerade recht und sie beauftragte Barthélemey, 80 dieser Maschinen zu bauen,
um Militärsuniformen zu nähen. In demselben Jahr ging Thimonnier mit seinem Partner Ferrand
nach Paris und gründete die Societe Germain Petit & Cie., die einerseits diese neuen
Nähmaschinen in Serie herstellen sollte, andererseits gleichzeitig für die französische
Militärverwaltung Uniformen produzierte. Die mit über achtzig Nähmaschinen arbeitende
Gesellschaft war erfolgreich. Nur Thimonnier hatte ein Problem: erwurde mit der Abwesenheit
von Heimat und Familie nicht fertig und verließ Paris 1831 fluchtartig. Die Firma Germain et
Petit arbeitete noch Jahrzehnte weiter - die oft erzählte Zerstörung der Fabrik hat nach
Archivunterlagen niemals stattgefunden. Diese Geschichte besagt, dass im Jahre 1831, 200
Schneider sein Geschäft stürmten und alle Maschinen zerstörten. Das sie den Erfinder nicht
auch noch töteten, war reines Glück, Barthélemey konnte sich retten, floh nach Amplepuis
(Frankreich). Diese Story, ob wahr oder nicht wahr, erscheint natürlich in keinem Archiv! |
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Auch das
Abenteuer in Manchester (England) endete in gleicher Weise. Hier sollte Thimonnier den
neuentwickelten Cousobrodeur für die Firma Lakeman in Serie bauen, flüchtete jedoch nach
wenigen Monaten zurück nach Amplepuis zu seiner Familie. Er starb am 5. Juli 1857 verarmt in
Amplepuis. Originalnähmaschinen von Thimonnier stehen im Museum von Amplepuis und in der
Sammlung Doyen in Lyon. |
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Von 1807 bis 1839 arbeitete
der Kufsteiner Joseph Madersperger (1768-1850), Schneidermeister in Wien, an der Herstellung
und Verbesserung seiner Nähmaschine. Diese war zuerst mit einer zweispitzigen Nadel mit dem
Oehr in der Mitte ausgestattet, jedoch im Laufe seiner Entwicklungsphase schwenkte er auf die
öhrspitzige Nadel um. Seine hervorzuhebende Erfindung aber war eine schiffchenähnliche
Einrichtung zur Erzeugung des Doppelstiches. Leider gelang es ihm nicht, die Öffentlichkeit
damals zu überzeugen. In einem Schreiben der Niederösterreichischen Landesregierung von |
1818 wird dem
Erfinder Josef Madersperger mitgeteilt, dass sein vor drei Jahren für die Erfindung der
Nähmaschine erteiltes Privilegium hiermit "ganz erloschen" sei. Der Grund dafür
sind die Taxen, die der Schneidermeister nicht hatte bezahlen können, sowie der Umstand, dass
er von seinem Patent nicht binnen eines Jahres Gebrauch gemacht hat. Trotz der genialen Idee,
mit der Maschine nicht länger den "Mechanismus der nähenden Hand" nachzuahmen,
sondern den "Kettelstich" zu entwickeln, verstarb Madersperger 1850 im Armenhaus von
St. Marx bei Wien. |
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