Wittenberge
100 Jahre wäre das Nähmaschinenwerk in diesem Jahr geworden, wenn es die Wende
überstanden hätte. Das Werk, in dem Tausende Wittenberger Arbeit fanden, produziert
nicht mehr. Die Erinnerung an Veritas-Nähmaschinen, an die Produktionsstätte, die der
Elbestadt über Jahrzehnte den Beinamen "Stadt der Nähmaschinen" gab, ist
geblieben.
In Berlin existiert ein Veritasklub, geleitet vom ehemaligen Chef des
Veritas-Klubhauses Lothar Wuttke. Die Klubmitglieder halten die Erinnerungen an das
Klubhaus und an das Werk hoch. Der Klub ist dieser Tage auch Adressat zahlreicher
Grußschreiben. Ehemalige Vertragspartner, Betriebe und Prominente richten ihre Schreiben
an den Klub.
Darunter auch so berühmte wie der Box-Olympiasieger und
Box-Weltmeister Henry Maske. In einem sehr liebenswürdig formulierten Brief schreibt
Maske, dass die Nähmaschinenwerker dafür gesorgt haben, "dass nicht nur ich,
sondern viele Menschen passende Kleidung am Leibe tragen." Damit aber nicht genug.
Der namhafte Boxer kramt anlässlich des Werkjubiläums in seinen Erinnerungen:
"Meine liebe Oma hatte so ein interessantes Modell in ihrer Küche stehen, was sehr
häufig unbeaufsichtigt war. Ich als Kind hatte beim Umgang mit der Singer-Nähmaschine
natürlich ganz andere Interessen, als den Rocksaum zu richten. für uns war es viel
interessanten, das Schwungrad anzudrehen, permanent auf dem Fußtritt zu wippen und damit
die Nadel in höchste Geschwindigkeiten zu versetzen. Nicht immer überstand die Nadel
unsere rasante Fahrt. Da wir eine überaus ausdauernde und liebevolle Oma hatten, war ihr
Ärger darüber meist von kurzer Dauer ..." Letztlich aber auch nur deswegen, meint
der Box-Weltmeister, weil die Nähmaschine robuster war als die kindliche Ausdauer. Wer
den Brief selbst nachlesen möchte, kann das tun im Internet unter www.veritaslounge.de.vu