Beim Veritasklub sind zu diesem runden
Geburtstag bislang etwa 150 Grußschreiben eingegangen. Und wie der Vorsitzende Lothar
Wuttke in einem Gespräch bestätigte, gehen auch nach dem offiziellen Geburtstermin des
Werkes am 25. November noch immer wohlmeinende Schreiben ein. Jüngst meldete sich
Modeschöpfer Karl Lagerfeld mit einem von ihm signierten Singer-Foto. Lothar Wuttke hatte
bei Lagerfeld nachgefragt, ob es stimme, dass Gabrielle "Coco" Chanel ihre
berühmten Modeschöpfungen der Haute Couture auf einer Singer aus Wittenberge kreiert
habe. Lagerfeld, der in den 50er Jahren bei Coco Chanel das Modehandwerk erlernte,
bestätigte dies. Er versicherte, in der ersten Nähstube der Designerin hätten
Singer-Maschinen gestanden. Handschriftlich vermerkte er auf der Karte: "Was hätten
wir ohne sie gemacht?"
Lagerfeld habe sich in dem Gespräch auch über das Werk informiert und
auch mit Interesse vernommen, dass in Meyenburg das erste europäische Modemuseum
entsteht. Als Dankeschön soll nun der Modeschöpfer, der sich nur noch als Pensionär
versteht, eine neue "Veritas"-Nähmaschine aus der Fischer Collection Heilbronn
bekommen, die die Maschinen seit kurzem in China wieder herstellen lässt. Die
Nähmaschine mit der Nummer 3 steht für die Übergabe bereit. Ein Termin konnte aber noch
nicht vereinbart werden, gab Lothar Wuttke an.
Auch in vielen anderen Grußschreiben leben Erinnerungen an die
legendären Maschinen wieder auf. Die Schreiber erzählen, wie sie als Kinder selbst daran
nähten oder ein Kleid für die Konfirmation entstand. Lothar de Maiziere, der letzte
DDR-Ministerpräsident, berichtete von seiner Mutter, die auf einer Singer einen
Wehrmachtsmantel zu einer Joppe umgearbeitet habe. Der frühere Außenminister
Hans-Dietrich Genscher bedauerte, dass das Werk nicht mehr bestehe. Auch für
Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt ist Singer ein Begriff.
Der Veritasklub hat vor, im nächsten Jahr die Grüße in einer
Broschüre zu veröffentlichen.