Wittenberge
Musik auf Nähmaschinen? Kompositionen für Nähmaschinen? Winnarettas
Nähmaschinenmusik? - Ja, das alles gab bzw. gibt es: Wer morgen ab 14.05 Uhr die
Gelegenheit hat, den SWR 2 zu hören, kann sich davon überzeugen. Der Rundfunksender
strahlt nämlich ein Feature des Komponisten Frieder Butzmann, Berlin, und des
Kunsthistorikers Dr. Hansdieter Erbsmehl, ebenfalls Berlin, aus, das mit "Winnarettas
Nähmaschinenmusik" überschrieben ist. Lothar Wuttke vom Veritasklub meldete sich
aus Berlin, um auch die Leser des "Prignitzers", vor allem aber ehemalige
Mitarbeiter des Nähmaschinenwerkes auf diese Sendung aufmerksam zu machen. Wuttke leitete
zu DDR-Zeiten das nach der Wende abgebrannte Veritas-Klubhaus und den dort damals
ansässigen Klub. Noch heute pflegen er und weitere Ehemalige die Erinnerung an das
Nähmaschinenwerk, das vor 101 Jahren vom Singerkonzern errichtet worden war.
Und hier schließt sich auch der Kreis. Denn Winnaretta wurde 1866 als
Tochter von Isaac Merritt Singer und dessen letzter Ehefrau Isabella Eugenie
Summerville-Boyer geboren.
Die Singer-Tochter lebte in Europa, heiratete in zweiter Ehe den
Prinzen de Polignac und nutzte ihr Erbe, um sich ein eigenes Reich der Kunst zu errichten,
klärt Lothar Wuttke zu dieser interessanten Persönlichkeit auf. Die experimentellsten
Kompositionen sollen in ihrem großen Musiksaal in Paris erklungen sein. Darunter auch der
Versuch, das Nähmaschinengeräusch musikalisch umzusetzen.
Mit großem Interesse habe er, so Wuttke, zur Kenntnis genommen, dass
eine Großnichte von Winnaretta heute in Berlin lebt. Vielleicht, so verriet Lothar Wuttke
dem "Prignitzer", trifft ein "Veritasianer" bald eine echte
"Singer".