Herbert Schlie als fachkundiger Führer
konnte selbst ehemaligen Mitarbeitern erstaunte Blicke entlocken. So erfuhren die
Besucher, dass der Wittenberger Uhrenturm der größte seiner Art in Kontinentaleuropa
ist. "Nur Big Ben in London ist größer", sagte Herbert Schlie mit Stolz in der
Stimme.
Bevor es die insgesamt 191 Stufen hinauf ging, ließ der ehemalige
Betriebsingenieur die Geschichte des Nähmaschinenwerks Revue passieren: Vom Aufkauf des
Geländes durch den amerikanischen Singer-Konzern 1902 über die Nazizeit, Krieg und die
DDR-Geschichte des Werks unter dem Namen Veritas bis hin zur unrühmlichen Abwicklung des
und der Einstellung der Produktion Ende 1991.
Inzwischen ist der Turm vom Heimatverein und verschiedenen Förderern
so weit hergerichtet, dass jede Etage einen anderen interessanten Blick auf die Geschichte
des Werks, der Stadt und der Region freigibt: von den ersten Nähmaschinen und ihren
elektrischen Nachfolgern bis hin zum letzten Modell, das in Wittenberge produziert wurde.
Viele Fotos aus den verschiedenen Abschnitten der Betriebsgeschichte ergänzen die
Zeitreise durch den Uhrenturm. Die Ausstellung mit Bildern und Plastiken von Virginia
Thiel aus Karstädt bildet einen reizvollen Gegensatz zu den funktional nüchternen
Räumen des Turms. In der letzten "bewohnten", also genutzten Etage des Turms
befindet sich schließlich ein Café. Doch wer von den Besuchern dachte, sich hier nach
dem Aufstieg auf eine Tasse Kaffee setzten zu können, wurde enttäuscht. "Die Idee,
diese Etage gastronomisch zu nutzen, gibt es. Aber das dauert noch", erklärte
Herbert Schlie.
Schließlich durften die Gäste an einer Art geschichtlichem Puzzle
knobeln. Wer es wusste, konnte die Personen auf einem Gruppenbild des Lehrjahrgangs 1945
identifizieren und um bekannte Namen ergänzen, sodass die Liste irgendwann vollständig
ist.
Die Gewinnerin einer Veritas 2000 (gesponsert vom VERITASKLUB - Anm.
Red.) kommt übrigens aus Wittenberge und heißt Andrea Thamm.