Wittenberge
Nicht nur Nähmaschinenwerker werden sicher gern zu dem Buch greifen, das gerade im
Entstehen ist: Die Geschichte des Nähmaschinenwerkes.
Lothar Wuttke ließ es keine Ruhe, dass der 100. Jahrestag der
Gründung des Singer-Werkes trotz der Mühen des Freundeskreises Nähmaschine und des
Heimatvereins nicht so gewürdigt wurde, wie er es sich als letzter Leiter des
Veritas-Klubhauses vorgestellt hatte. Mit einigen Unentwegten, die mittlerweile in ganz
Deutschland verstreut sind, hält er mit dem Veritasklub von Berlin aus das Andenken an
den Traditionsbetrieb aufrecht.
Eine Internetseite http://www.veritaslounge.de.vu informiert über
alles, was über Singer und Veritas zusammenzutragen ist.
Jetzt entsteht ein Buch über die Geschichte des Werkes. Der Titel
"Was hätten wir ohne sie gemacht" weist schon darauf hin, dass es keine
Betriebschronik ist, was ein vielköpfiges Autorenteam dort zusammengetragen hat.
Unkonventionell geschrieben, ist es ein Buch vor allem über die Menschen und mit vielen
bisher unbekannten Geschichten. Der Titel ist zitiert aus den Grußworten Karl Lagerfelds
zum 100. Geburtstag, denn auch der berühmte Modeschöpfer lernte sein Handwerk auf einer
Singer.
Wer weiß schon, dass das Werk in Wittenberge gebaut wurde, weil man so
begeistert von den Menschen in der Prignitz war, weil sie nicht aufmuckten und
Bürgermeister Nedwig mit dem Preis für das Bauland runterging. Oder, dass Isaac Merritt
Singer, der Namensgeber der Marke, die Nähmaschine überhaupt erst gebrauchsfähig
machte, das Montageband erfand und die so mögliche Massenproduktion über den von ihm
erfundenen Ratenverkauf an die Frau brachte? Erstmals werden auch die Geheimnisse bis zur
Liquidation am 31. 12. 1991 gelüftet.
"Singer ist nie enteignet worden, obwohl es ein Rüstungsbetrieb
war. Da hat man sich zu DDR-Zeiten streng dran gehalten. Erst nach dem Verkauf an Horst
Lütgering wurden 7,5 Millionen Euro an den Konzern ausgezahlt", weiß Wuttke.
Viele Geschichten hat das Team in Archiven, in Befragungen von
Zeitzeugen, beim Studium von Dokumenten ausgegraben. "Als Grundgerüst dient uns
natürlich die Arbeit von Heinz Muchow." Der Wittenberger Heimathistoriker wird auch
die letzte Korrektur des Buches lesen.
Zahlreiche Sponsoren im In- und Ausland hat Wuttke für die
Veröffentlichung gefunden alle haben irgendwelche Beziehungen zur Region oder dem
Produkt: den Verlag der "Deutschen Nähmaschinenzeitung", Nachfahren von
Singer-Größen, die Singer Corporation New York, Seidensticker und natürlich die
Förderstellen im Land.
Im September soll das Manuskript zum Layout gehen, damit es noch
rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft verkauft werden kann. 300 bis 320 Seiten werden es
wohl werden, schätzt Wuttke.
"Obwohl wir viel zusammengetragen haben, fehlen uns Fotos aus der
GmbH-Zeit, zum Beispiel vom 1. Streik am 4.4.90, von der Versteigerung im März 92, vom
Klubhausbrand 95, aus der Lütgering-Zeit", bedauert Wuttke. Aber vielleicht hat ja
jemand noch privat Fotodokumente von diesen Ereignissen der kann sich beim
"Prignitzer" melden und das Buch wäre noch bereichert.