Perleberg/Wittenberge
Mit interessanten Angeboten präsentierten sich die Prignitzer Archive zu ihrem
"Ehrentag" am Sonnabend. In Perleberg warben zwei Einrichtungen um die Gunst der
Besucher. Während das Stadtarchiv sich mehr dem Motto des bundesweiten Aktionstages
"Der Ball ist rund" verschrieben hatte, gewährte das Kreisarchiv einen Einblick
in die alltägliche, aber nicht minder interessante Arbeit.
In den kreislichen Räume in der Wittenberger Straße ging es bis kurz
vor 15 Uhr beschaulich zu. Doch dann stieg Rauch aus der Küche des Flachbaus, und
Archivleiterin Cordula Benzin musste die Einsatzleitstelle informieren, dass es im Archiv
brennt. Zum Glück war es nur eine Übung, aber eine sehr notwendige, wie
Ordnungsamtsmitarbeiter Uwe Schleich einschätzte. "Dieses Einsatzszenario wollte ich
schon seit drei Jahren durchspielen aber nun, zum Tag der Archive, passte es
hervorragend", sagte er, nachdem er auch noch einen Stoß Holz in einer feuerfesten
Blechwanne entzündet hatte. Zwar hatte Cordula Benzin auch gemeldet, dass ein Besucher im
Gebäude sei, von dem nun keine Lebenszeichen mehr zu vernehmen seien, doch legte Uwe
Schleich mehr Wert darauf, dass die Feuerwehr korrekt handelt. Im Ernstfall hätten die
Männer in dem völlig verqualmten Gebäude keine Orientierung gehabt, daher galt der
erste Griff den so genanten Laufkarten, einfach gehaltenen Lageplänen für das Archiv.
Mit deren Hilfe kämpften sich die Kameraden der Perleberger Wehr ins Gebäude, bargen den
leblosen Dummy und wertvolle Archivalien. "Bei einem echten Brand wäre die Person
jedoch schneller gerettet worden, räumte Wehrführer Henry Elsner ein. Nach der Aufregung
stärkten sich die Männer gemeinsam mit den Archivbesuchern, während der Glöwener
Bürgermeister Reimar Heering Cordula Benzin eine digitalisierte Ortschronik auf CD-ROM
übergab. Zuvor hatten die Gäste von "Schullgeschichtler" Werner Fritzsche eine
in Sütterlin-Schrift gehaltene Urkundeerhalten, die ihnen den Besuch des bundesweiten
Tages der Archive bestätigte.
Dem Motto "Der Ball ist rund" fühlte sich das Perleberger
Stadtarchiv und deren Leiterin Sylvia Pieper verpflichtet. In einer sehenswerten
Ausstellung nahm sie die Besucher mit auf eine Reise durch das ballsportliche Perleberg
vergangener Jahrzehnte. Filmvorführer Horst Katzke zeigte mehrfach den Streifen von der
750-Jahr-Feier der Stadt Perleberg aber auch vom "Treffen der 4000" aus dem Jahr
1934, einem Sportfest der Prignitzer Jugend. Auf Wunsch einiger Alt-Perleberger ließ er
schließlich sogar den Film zur 700-Jahr-Feier über die Leinwand flimmern. Hier zeigte
sich, mit welchem Aufwand Kostüme und Requisiten für den damaligen Festumzug gestaltet
worden waren. Sylvia Pieper konnte besonders auf die Ausstellung zur Handballgeschichte
Perlebergs hinweisen, die zahlreiche Fotos, Zeitdokumente, aber auch Wimpel und Fahnen
enthielt.
In Wittenberge war der Ansturm der Besucher schon zum Start recht
groß. Als Susanne Flügge am Samstagvormittag die große Rathaustür für den Tag der
Archive aufschloss, warteten dort schon etwa 40 Interessierte.
Und die waren gegen 10.30 Uhr auch Zeuge der offiziellen Eröffnung.
Bürgermeister Klaus Petry konnte dazu den Vorsitzenden des Veritasklubs Lothar A.K.
Wuttke begrüßen. Wuttke überreichte der Archiv-Sachbearbeiterin Susanne Flügge den
jüngst erschienenen Archivkatalog des Nähmaschinenwerkes.
Doch nach diesem offiziellen Teil stand der Tag dann ganz im Zeichen
des Fußballs. Unter dem Motto "Der Ball ist rund" bat das Archiv Elbestädter
um Leihgaben und Spenden rund um das Thema Fußball. Dabei ist eine interessante
Ausstellung rund um den Wittenberger Fußballsport entstanden.
Das älteste Objekt ist ein Foto von 1910, das die Spieler von Hertha
09 zeigt. Als kuriosestes Objekt bezeichnete Flügge die originalen Fußballschuhe aus den
40er Jahren. Die hatte Hans Heinrich Schenk beigesteuert.