Ja, denn er behandelt die Zeit des Werkes
von 1945 bis zu den letzten Tagen als volkseigener Betrieb.
Ist das nicht gleichbedeutend mit dem Schließdatum?
Nein, ist es nicht. Das Werk existierte nach der Wende als GmbH noch
bis zum 31. Januar 1992. Zu diesem Zeitpunkt erhielten die restlichen Nähmaschinenwerker
ihre Kündigung. Wir, also der Veritasklub als Herausgeber der Reihe, behandeln diese
letzten Jahre noch in einem gesonderten Buch.
Wie weit sind Sie mit der Vorbereitung?
Dieser vierte Band steht kurz vor dem Abschluss und befasst sich
detailliert in Wort und Bild mit der Liquidationszeit. Im Herbst soll das Buch erscheinen.
Der Klub hat eine Auflagenhöhe von 200 im Auge. Für den jetzt erschienenen Veritas-Band
haben wir als Ausnahme 500 Stück drucken lassen. Unser Klub, der ja als Verein
organisiert ist, konnte das aber nur dank der Unterstützung aus dem Wissen-Media-Verlag
(Gütersloh).
Der Veritas-Band hatte zwei Vorläufer, die die Zeit vom
Werksaufbau 1903 bis 1945 tiefgründig behandeln. Wie sind Sie an das umfangreiche und
fundierte Material für alle drei Bücher gekommen?
Durch die beiden namhaften Heimatforschern Heinz Muchow und
Hans-Joachim Eichel; außerdem über die Singer-Company in New York, was die Zeit vor 45
betrifft. Auch haben uns Nähmaschinenwerker geholfen. Wolfgang Röber und Harald Könnig
seien besonders genannt. Das Stadtarchiv und Stadtmuseum unterstützten uns sehr. Große
Hilfe kam vom letzten Betriebsdirektor Dr. Klaus Völzer. Großzügige Unterstützung
erhielten wir auch von Landrat Hans Lange mit seinem Team und dem Chef des Perleberger
Amtsgerichts.
Das Material zu Büchern zu verarbeiten macht sehr viel Mühe
und kostet unendlich Zeit. Warum unterwirft man sich dieser Anstrengung?
Nach der Wiedervereinigung mussten wir leider erfahren, dass viele
Bürger aus den alten Bundesländern gar nicht wussten, dass Wittenberge die größte und
modernste Nähmaschinenfabrik Europas ihr Eigen nannte. Darüber hinaus hatte nach der
Wende jeder so viele Probleme, dass das Werk auch in der Stadt leider fast vergessen war.
Wenn man das Wissen jetzt nicht aufbereitet und aufzeichnet, geht es
unwiederbringlich verloren. Denn die Leute, die den Betrieb noch kennen und viele
Informationen haben, werden naturgemäß immer weniger.
Ist die Nachfrage zur Publikation so groß wie erwartet?
Ja, der erste und der zweite Band ist schon in der Zweitauflage
erschienen. Großes Interesse gibt es auch im Ausland, in Großbritannien beispielsweise,
wo die größte Singer-Fabrik Europas stand. Diese schloss in den 70er Jahren. Und in den
USA ist man, bedingt durch den Singer-Konzern, auch interessiert.
Der "Prignitzer" dankt für das Gespräch.